Metallhandel

Das große Geschäft mit dem Schrott

Foto: Undine Brandt / Brandt

Glinde. Die Siegfried Jacob GmbH und Co. KG ist einer der größten Metallwarenhändler Deutschlands. Vor vier Jahren verlegte die 25 Jahre alte Firma ihren Sitz nach Glinde. Das familiengeführte Unternehmen kauft recycelte Metalle auf, um sie sortiert wieder zu verkaufen.

Eigentlich geht es nur um Schrott. Doch der Handel damit gehört zu den einträglichsten Geschäften der Welt. Einer der größten Metallhändler Deutschlands, die Siegfried Jacob GmbH & Co. KG, hat vor vier Jahren ihren Firmensitz von Hamburg-Moorfleet nach Glinde verlegt. Vor 25 Jahren gründete Siegfried Jacob in Enneptal (Ruhrgebiet) mit seiner Frau Inge ein kleines Unternehmen für Metallhandel und -aufarbeitung. „Dass sich daraus eine europaweit agierende Firmengruppe mit 800 Mitarbeitern entwickelt, konnte damals noch niemand ahnen“, sagt Achim Lindhorst, Geschäftsführer des Glinder Metallhandels. Bis heute ist die Firmengruppe in Familienhand.

An der Wilhelm-Bergner-Straße sind auf einer Gesamtfläche von 110.000 Quadratmetern – 50.000 Quadratmeter davon sind Waldgebiet – derzeit 47 Mitarbeiter tätig. In den 10.000 und 4000 Quadratmeter großen Hallen werden Metalle wie Aluminium, Zink und Kupfer sortiert und recycelt. Große Werte werden hier gelagert, entsprechend groß ist der Sicherheitsaufwand, den das Unternehmen betreibt. Privatleute haben zu dem Betriebsgelände so gut wie keinen Zugang, denn „wir sind Bindeglied zwischen Klein- und mittelständischen Metallwarenhändlern und der Industrie“, sagt Lindhorst. Ein altes Kupferrohr wird man hier also nicht los.

Stattdessen kauft Siegfried Jacob die recycelten Metalle in Nord- und Mitteldeutschland sowie Skandinavien auf, um sie sortiert wieder zu verkaufen. Zu den Hauptabnehmern gehören Zulieferfirmen für die Autoindustrie.

Ein Großteil der Ware geht per Schiff nach Fernost. „Rund 40 Prozent unseres Absatzes machen wir mittlerweile in Indien und China“, so Lindhorst. Doch seit einigen Wochen spürt der 52-jährige Kaufmann bei seinen Kunden eine gewisse Zurückhaltung. „Die Finanzkrise führt zur Verunsicherung. Die Weltwirtschaft erfährt einen Dämpfer, der im zweiten Halbjahr auch Deutschland erreicht“, glaubt der Geschäftsmann. Ein Grund zur Beunruhigung sei das für Siegfried Jacob aber nicht, denn der Metallhändler sei gut aufgestellt und ist dabei, neue Absatzmärkte in der Mongolei, in Vietnam und in Korea zu erschließen.

Sollte das Vorhaben erfolgreich sein, hat sich das Unternehmen auf den 110.000 Quadratmetern 25.000 Quadratmeter als Expansionsfläche freigehalten, um noch mehr Metalle lagern zu können. Doch Lindhorst geht nicht davon aus, dass sie in den nächsten Jahren gebraucht wird. Neben der verhaltenen Nachfrage beeinflusst ein zweiter Faktor mehr und mehr den Metallhandel: Spekulation an der Börse. Lindhorst: „Früher regelten Angebot und Nachfrage das Geschäft. Heute bestimmen Börsenhändler mit. Denn Rohstoffe sind als Kapitalanlage sehr begehrt.“

Mit dem Standort Glinde ist das Unternehmen sehr zufrieden. Das gilt auch umgekehrt, denn Siegfried Jacob gehört mit einem Jahresumsatz von 110 Millionen Euro zu den besten Gewerbesteuerzahlern der Stadt. Zudem spendet das Unternehmen jährlich für städtische Kinderprojekte. In diesem Jahr fließen 10.000 Euro in die Spinosa, das Spielmobil und die Glinder Tafel.