Vergärungsanlage

Riesenwelle rührt den Bioabfall

Foto: Annett Habermann / Habermann

Trittau. Am Dienstag wurde eine 32 Meter lange Rührwelle in den Fermenter der geplanten Bioabfall-Vergärungsanlage eingebaut. Ab Januar 2013 soll die Anlage aus Biomüll Wärme und Strom erzeugen. Die Welle aus Stahl verhindert, dass beim Gärprozess Methanbläschen entstehen.

Das Herzstück der Bioabfall-Vergärungsanlage ist 32 Meter lang und 30 Tonnen schwer: Eine Rührwelle aus Stahl. Sie dreht sich ab Januar 2013 in dem Fermenter (Vergärungsbehälter) mit einer Umdrehung pro Minute und verhindert, dass darin Methanbläschen entstehen.

Am Dienstag wurde der Stahlkoloss in den Betonbehälter eingebaut. Nach zwölf Stunden Fahrt war die Welle aus den Niederlanden im Kompostwerk Trittau angekommen. Zwei Mobilkräne positionierten sie millimetergenau in dem Vergärungsbehälter – Maßarbeit für die beiden Kranführer. Anschließend werden die Flügel angebracht, bevor das Dach gasdicht verschlossen wird.

Aus Biomüll entstehen Strom, Wärme und Kompost

Ab dem nächsten Jahr soll hier fast die gesamte Menge der Bioabfälle aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg vergoren werden – etwa 30.000 Tonnen pro Jahr. Der Einbau der Welle sei „ein Symbol für den Einstieg in die zukunftsorientierte Abfallwirtschaft“, sagte Olaf Stötefalke von der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), die die Vergärungsanlage betreibt. In ihrem Auftrag baut die Abfallwirtschaft Trittau (AWT) seit April das einstige Kompostwerk zu einer Vergärungsanlage um. Neben Kompost für die Landwirtschaft sollen auch Strom und Wärme erzeugt werden.

Das entstehende Biogas wird in zwei Blockheizkraftwerke geleitet. Einen Teil der Wärme benötigt der Gärprozess, der Rest beheizt Firmen im angrenzenden Gewerbegebiet. Der Strom wird in das Netz eingespeist – jährlich etwa drei Millionen Kilowattstunden. Die festen Stoffe werden kompostiert und Flüssiges als Gülle auf die Felder gebracht. Bislang wird Biomüll in der Anlage in Trittau nur kompostiert. „Aber noch in diesem Jahr wollen wir den ersten Strom ins Netz einspeisen“, kündigt Wolfram Gelpke von der Geschäftsführung der AWT an.

Damit genug Bioabfall für die 4,5 Millionen Euro teure Anlage zusammenkommt, will die AWSH mit einem neuen Preissystem Anreize schaffen: Für den Kreis Stormarn wird die Entsorgung von Biomüll günstiger, damit Küchen- und Grünabfälle in der Biotonne statt im Restmüll landen. „Wir setzen auf die Vernunft der Bürger“, sagt AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel.

Ein neues Jahresgrundentgelt soll die Entsorgung günstiger machen. Das fällt ab 2014 neben dem bisherigen Leistungsentgelt an und richtet sich nach Grundstück und der Zahl der gemeldeten Personen. „Von dem Grundentgelt sollen Vorhaltekosten gedeckt werden“, so Kissel. „Dazu gehören Recyclinghöfe, die ausgelastet sein müssen, sowie Servicecenter.“ Das Leistungsentgelt wird wie bisher nach Leerungsrhythmus und Behältergröße berechnet.