Geesthacht

Unfall durch Augenblicksversagen – Verfahren eingestellt

Das Verfahren gegen eine 19-Jährige wurde eingestellt (Symbolfoto).

Das Verfahren gegen eine 19-Jährige wurde eingestellt (Symbolfoto).

Foto: Peter Steffen / dpa

Im Juni 2019 missachtet eine 19-Jährige die Vorfahrt, ein Rollerfahrer stirbt noch am Unfallort. Das Verfahren wird nun eingestellt.

Geesthacht. Am 9. Juni 2019 gegen 17 Uhr nahm der Ausflug eines Hamburgers in Geesthacht ein tragisches Ende. Eine Geesthachterin übersah den vorfahrtsberechtigten 63-Jährigen, der auf seiner Vespa auf der Elbuferstraße Richtung Schleuse unterwegs war, bei der Kreuzung am Freizeitbad. Die 19-Jährige wollte aus der Gegenrichtung kommend an der Ampel nach links in die Sielstraße abbiegen.

Der Rollerfahrer bremste, stürzte und prallte mit dem Kopf gegen das rechte hintere Heck des Škoda Citigo. Der Mann verletzte sich so schwer, dass er vor Ort verstarb.

Angeklagte schildert ihre seelische Notlage

15 Monate später stand die junge Unfallverursacherin gestern in Schwarzenbek vor dem Amtsgericht. Ihr wurde eine fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr zur Last gelegt. „Das tut mir alles sehr leid“, sagt Anna K. (Name von der Redaktion geändert), „ich kann das immer noch nicht nachvollziehen, wie das passieren konnte. Es ist wie ein Albtraum. Ich kann mir das immer noch nicht verzeihen.“ Die Geesthachterin war sehr angefasst, musste ihre Rede oft unterbrechen, um sich zu sammeln. Richterin Dr. Jessica Holle gab ihr den Raum, um die Schilderungen zu Ende zu bringen.

Sie sei damals auf dem Weg gewesen, um sich mit ihrem Freund eine Wohnung anzusehen, erzählt Anna K. Diese wurde dann zwar noch gemeinsam bezogen, doch nach knapp sechs Wochen zog sie wieder aus. Seitdem lebt sie wieder bei ihrer Mutter und dem Stiefvater. „Ich habe ziemlich viele Pläne abgebrochen“, sagt sie. Auch die Ausbildung in der Verwaltung in Hamburg. Sie habe gar nicht in die Berufsschule gehen können, weil sie immer wieder plötzlich angefangen habe zu weinen, schildert sie ihre seelische Notlage, für die eine Therapie nötig wurde, die nun abgeschlossen ist. Halt fand sie zudem in ihrer Kirchengemeinde, in der sie sich engagiert. Nun hat sie neue Ziele, will im Oktober ein Studium zur Grundschullehrerin beginnen.

Anwalt spricht vom „Augenblicksversagen“

Weil Anna K. zum Zeitpunkt des Unfalls 19 Jahre alt war, solle das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen, meinte Jens Müller von der Jugendgerichtshilfe. Für erzieherische Maßnahmen sehe er keinen Anlass. Die Richterin auch nicht. Staatsanwalt Niels-Broder Greve: „Ich sehe das ganz genauso. Der Unfall entspringt ja nicht Verkehrsrowdytum.“ Anwalt Arne Egging sprach vom „Augenblicksversagen“. Alle waren mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden. „Ich hoffe, dass das schlimme Erlebnis für Sie heute zu einem Abschluss gekommen ist“, wünschte Richterin Dr. Jessica Holle.