Seltenes Exemplar

Ein Süd-Falter will in den Norden nach Geesthacht

Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers knabbert in Tesperhude an ihrer Wirtspflanze. „Aufgemalte“ Augen sollen Feinde abschrecken.

Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers knabbert in Tesperhude an ihrer Wirtspflanze. „Aufgemalte“ Augen sollen Feinde abschrecken.

Foto: Dirk Palapies

Raupen des Nachtkerzenschwärmers wurden in Tesperhude entdeckt. Normalerweise kommen diese Falter in Süd- und Mitteleuropa vor.

Geesthacht. Im Anhang der E-Mail von Familie Steffens-Koch aus Tesperhude steckte für Dr. Roland Doerffer vom Geesthachter Nabu eine Riesenüberraschung. Der Nabu wurde um eine Identifizierung gebeten. Das angefügte Handyfoto zeigte die Raupen eines Nachtkerzenschwärmers. Der ist im Norden extrem selten. Selbst altgediente Nabu-Mitglieder haben ihn hier noch nie fliegen gesehen. Der Schmetterling kommt ansonsten in Süd- und Mitteleuropa vor.

Im Frühjahr graben sie sich als Falter aus

Ursprünglich fünf Raupen knabberten an den Nachtkerzen, die in Tesperhude an der Hauswand wachsen. Nach ein paar Tagen waren es noch drei, darunter ein Prachtexemplar von sieben Zentimetern Länge. Diese Raupe ist immer noch hungrig – eigentlich wandern die Tiere bei sechs Zentimetern Richtung Boden, um sich über den Winter zu verpuppen. Im Frühjahr graben sie sich als Falter aus.

Da die drei Exemplare unterschiedliche Größen haben, könnten mehrere der dämmerungs- und nachtaktiven Schwärmer Eier gelegt haben. Vermutet wird, dass die Population der Schmetterlinge wegen des Klimawandels nach Norden vorrückt.