Rewe-Center Geesthacht

Assistenzhund „Lady“ soll draußen warten

Angelika Storm mit ihrem Assistenzhund „Lady“ vor dem Rewe-Center in Geesthacht.

Angelika Storm mit ihrem Assistenzhund „Lady“ vor dem Rewe-Center in Geesthacht.

Foto: Frauke Maaß/FMG / BGZ

Viele Marktleiter kennen gesetzliche Regelungen nicht. Geesthachterin ist sauer, immer wieder muss ihr Assistenzhund draußen bleiben.

Geesthacht.  „Halt! Moment! Sie dürfen hier mit dem Hund nicht rein!“ Immer wieder hört Angelika Storm diesen Satz, wenn sie mit ihrem Assistenzhund „Lady“ beim Einkaufen ist. Erst kürzlich wurde ihr wieder der Zutritt zum Rewe-Markt an der Nordertorstraße verweigert. „Aus hygienischen Gründen“, sagt die 65-Jährige. Dass „normale“ Hunde in einem Supermarkt nichts zu suchen haben, ist der Geesthachterin klar. Aber „Lady“ ist eben kein „normaler“, sondern ein Assistenzhund – und hat dadurch einige Sonderrechte.

Dieses immer und immer wieder den Markleitern, Verkäufern und Kassiererinnen der unterschiedlichen Discounter und Lebensmittelläden zu erklären, ist Angelika Storm leid. „Ich habe dazu einfach keine Lust mehr, es ermüdet mich“, sagt sie. Im Grunde aber ist sie entsetzt darüber, dass kaum jemand weiß, was ein Assistenzhund ist, dass er Sonderrechte hat und dass er eben aufgrund dieser mit seinem Besitzer in beinah jedem Laden zugelassen ist. „Es gibt gesetzliche Regelungen dazu, in denen klar und deutlich formuliert ist, dass Assistenzhunde in Begleitung ihrer Herrchen in Geschäften und Supermärkten – auch in Lebensmittelgeschäften – zugelassen sind.“ Entsprechendes gelte auch für Behörden und öffentliche Gebäude. „Leider wissen die wenigsten davon“, bedauert Angelika Storm.

Kauf und Ausbildung kosten bis zu 20.000 Euro

Seit zwei Jahren wird Angelika Storm von ihrem Assistenzhund „Lady“, einem schwarzen Labrador-Flat Coated-Retriever-Mix, auf beinah jedem Gang begleitet. „Zum Arzt, zum Einkaufen, in die Drogeriemärkte“, berichtet die 65-Jährige. Sie wirkt ruhig und aufgeräumt. „Das ist ihr zu verdanken“, verrät sie und schaut die junge Hündin an, die in dem Moment ihren Kopf hebt. Der Hund gebe ihr Sicherheit, nehme Ängste und verhindere Panik­attacken, die sie vorher häufig hatte, sobald sie ihre Wohnung verlassen habe. Ihre Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung durch jahrelangen sexuellen Missbrauch im familiären Umfeld. Mit Mitte 30 zeigten sich die Spätfolgen des Missbrauchs. Bis dahin schien ihr Leben in Ordnung zu sein. Dann brach die Erinnerung durch und brachte sie aus dem emotionalen Gleichgewicht.

Dass ein Assistenzhund auch ihr helfen könnte, hatte sie erst vor drei Jahren beim Informationstag „Gesund mit Hund“ des Vereins Psychische Selbsthilfe auf dem Menzer- Werft-Platz in Geesthacht entdeckt. „Die meisten kennen ja nur Blindenführhunde“, sagt Angelika Storm. Aber es gebe noch viel mehr Diagnosen, bei denen der Vierbeiner im Alltag unterstützen kann – von Diabetes über Epilepsie bis hin zu Asthma. Auch die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) gehöre dazu.

Kauf und Ausbildung eines Assistenzhundes ist eine teure Angelegenheit und kann gut bis zu 20.000 Euro kosten. Geld, was Angelika Storm nicht hatte. „Ich wusste, dass es einen Fonds für Opfer von sexuellem Missbrauch gibt und habe mich dort mit entsprechenden Belegen hinsichtlich meiner Diagnose um finanzielle Mittel beworben.“

Ein Assistenzhundegesetz soll auf den Weg gebracht werden

Mit Erfolg. Der Fonds hat ihr den Hund samt der gut einjährigen Ausbildung finanziert. „Warum nur Blindenführhunde von der Krankenkasse bezahlt werden, ist mir ein Rätsel“, sagt Angelika Storm. Seit 2019 liegt dem Bundestag ein Antrag der FDP vor, in dem gefordert wird, dass ein Assistenzhundegesetz auf den Weg gebracht wird. Das soll die Kostenübernahme für Assistenzhunde durch die gesetzlichen Krankenkassen sowie einheitliche Qualitätsstandards bei der Ausbildung der Hunde regeln und die Zutrittsrechte der Hunde festlegen.

Aber bis ein solches Gesetz verabschiedet wird, ist es vermutlich noch ein weiter Weg, auf dem Angelika Storm noch mehrfach an der Tür eines Supermarktes abgewiesen werden wird. Beim erneuten Versuch, bei Rewe einzukaufen, ist Angelika Storm anfangs wieder vom Security-Mitarbeiter angesprochen worden, aber mit Blick auf die Kenndecke des Hundes hat er sie dann in den Laden gelassen.

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Marktleiter Dennis Langenbuch hat sich bei Angelika Storm entschuldigt. „Natürlich dürfen Kunden mit einem Assistenzhund in den Laden“, sagt er. Auf der Rewe-Homepage ist das auch klar formuliert. Leider sei noch nicht jeder Mitarbeiter informiert. „Ich werde das nachholen, auch die Security-Mitarbeiter instruieren“, kündigt er an. Angelika Storm freut sich darüber, ist sich aber sicher: „Die nächste Abfuhr kommt bestimmt. Ob hier oder in einem anderen Markt.“