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Kajakunfall in Geesthacht gibt weiter Rätsel auf

Gelbe Tonnen signalisieren: Hier ist Richtung Stauwehr Schluss mit der Weiterfahrt

Gelbe Tonnen signalisieren: Hier ist Richtung Stauwehr Schluss mit der Weiterfahrt

Foto: Dirk Palapies

Der Kajakfahrer fuhr auf der niedersächsischen Seite Richtung Stauwehr. Wollte er womöglich an der Fischtreppe umtragen?

Geesthacht. Der Kajakunfall am Sonntagmittag beim Geesthachter Stauwehr stellt die Ursachenermittler vor Rätsel. Warum ignorierte der junge Mann aus Sachsen alle Warnhinweise und fuhr die Staustufe herunter? Der Körper des Flusswanderers wurde gestern bis Redaktionsschluss nicht aufgefunden, die Suchmaßnahmen sind eingestellt. Die Wasserschutzpolizei will das Gebiet beobachten, um zur Stelle zu sein, wenn die Elbe die sterblichen Überreste freigibt.

Das Opfer stammte aus dem Landkreis Bautzen

Das Opfer ist ein 23-Jähriger aus einem kleinen Ort im Landkreis Bautzen. Er startete seine Reise am 4. Juli in Pirna. Sein gelbes Kajak „Seabird Afjord Pro“ wird beworben als kippstabiles Tourenkajak, das Anfänger gut beherrschen können und erfahrenen Paddlern Spaß macht. Letzteres könnte der Vermisste gewesen sein, meint Heinz Torkewitz vom Kanu-Club Geesthacht. Der Sachse habe die gut 550 Kilometer schließlich in nur acht Tagen zurückgelegt, erklärt der Wandersportwart. Dass es zu diesem Unfall kam, wundert ihn. „Ich bin jetzt 31 Jahre in dem Verein, ich habe so etwas noch nicht erlebt.“

Die Warnhinweise auf dem Fluss und an Land sind nicht zu übersehen. Bei der Einfahrt zur Schleuse steht ein großer, gut sichtbarer Pfeil auf der Elbinsel. Wer die Zufahrt verpasst, stößt dahinter auf fünf große gelbe Tonnen, die gut 300 Meter vor dem Wehr über die Breite des Flusses in der Elbe verankert sind. Sie signalisieren „Durchfahrt verboten“. Unterstützung leistet die Signalanlage auf der Böschung mit riesigem maritimem Stopp-Schild und rotem Dauerlicht einer Ampel.

Für Kanuten- und Kajakfahrer gibt es keinen Führerschein

Die Wasserstraßenverkehrszeichen sind einheitlich im Bundesgebiet. Aber: Für Kanuten oder Kajakfahrer gibt es keinen Führerschein wie für Segler oder Motorbootfahrer. „Wir führen re­gelmäßig Sicherheitslehrgänge durch“, schildert Heinz Torkewitz die Bildungssituation bei Vereinssportlern. Aber was wissen vereinslose Paddler über Verkehrszeichen?

Möglicherweise aber wollte der junge Mann gezielt in die Nähe des Stauwehrs fahren. Dorthin, wo die Fischtreppe auf der niedersächsischen Seite ist. Aus Kreisen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts in Lauenburg ist zu hören, dass diese Treppe bei einigen Wassersportlern wohl als Geheimtipp zum Umtragen der Boote auf die andere Wehrseite gilt, wenn man das Schleusen vermeiden will. Wer nicht ortskundig ist und seine Reise mittels der Satellitenansicht bei Google Maps plant, kann diese Stelle durchaus ideal finden – und die tödliche Gefahr ein paar Meter weiter verkennen. Der junge Mann fuhr auf dieser Uferseite. Was er vorhatte, ist natürlich nicht bekannt.

„Wenn da einer durchfährt, ist es wie Selbstmord“

Bei Heinz Torkewitz hat schon einmal ein Kanute angerufen und wollte wissen, ob mit einem Umtragen beim Wehr eine Rundtour bei Geesthacht möglich sei. „Das haben wir ihm schön ausgeredet,“ sagt Torkewitz. „Das ist ein Tabubereich, die Sperrzeichen sind eindeutig“, sagt ein Sprecher derWasserschutzpolizei Scharnebeck: „Wenn da einer durchfährt, ist es wie Selbstmord.“