Gesundheit

Ein Abend im Schlaflabor Geesthacht

MTA Mona Behrendt passt Fadl D. im Schlaflabor die CPAP-Maske an. Die soll ihm dabei helfen, ohne Schnarchen und Atemaussetzern durchzuschlafen. Schlaflabor Geesthacht

MTA Mona Behrendt passt Fadl D. im Schlaflabor die CPAP-Maske an. Die soll ihm dabei helfen, ohne Schnarchen und Atemaussetzern durchzuschlafen. Schlaflabor Geesthacht

Foto: Frauke Maaß / BGZ

Im Schlaflabor Geesthacht werden Schlafstörungen untersucht. Der Schwerpunkt liegt bei der Apnoe, den nächtlichen Atemaussetzern.

Geesthacht. Johanniter Krankenhaus Geesthacht, 3. Stockwerk. Es ist 20.30 Uhr. Während sich die Hektik des Tages im Haus langsam legt und Ruhe eintritt, beginnt im Schlaflabor jetzt erst die Arbeit. Mona Behrendt und Melanie Werner flitzen zwischen den Zimmern hin und her und sind dabei, alles vorzubereiten für die sieben Patienten, die hier mindestens zwei Nächte verbringen, um die Ursachen ihrer Schlafstörungen untersuchen zu lassen.

Gerade heute ist hier besonders viel zu tun“, sagt Mona Behrendt. Die medizinisch-technische Assistentin (MTA) ist seit 25 Jahren im Schlaflabor tätig. Sie kennt die Routinen. Jeder Handgriff sitzt. Und doch ist jeder Abend, jede Nacht wieder ein wenig anders. „Wir haben ja ständig neue Patienten, und jeder muss individuell eingestellt werden“, sagt sie. Das kostet Zeit. die nicht immer ausreichend vorhanden ist, gerade wenn alle eine CPAP-Maske benötigen – ein Bestandteil der Therapie gegen Atemaussetzer im Schlaf. Dann ist Eile angesagt, und zwei MTA sind in dem Fall zu wenig. „Bis 22 Uhr muss jeder Patient verkabelt und versorgt sein“, sagt sie, während sie den Wagen mit all den Utensilien belädt, die sie braucht, um den Patienten für die Nacht auszustatten.

Schlafstörungen verursachen körperliche Beeinträchtigungen

Fadl D. (Name der Redaktion bekannt) sitzt auf seinem Bett. Es ist schon die zweite Nacht für den 69-Jährigen. Seit zwei Jahren schnarcht er so laut, dass er selbst davon aufwacht, berichtet er. Tagsüber fühlt er sich mittlerweile müde und abgeschlagen. „Kein Wunder“, sagt Dr. Holger Hein. Der Facharzt für Innere Medizin, Lungenheilkunde, Allergologie und Schlafmedizin behandelt in seiner Praxis in Reinbek vorwiegend Patienten mit Schlafstörungen.

Sein Schwerpunkt liegt bei der Therapie der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe, den nächtlichen Atemaussetzern. Dafür hat er 2019 im Johanniter Krankenhaus Geesthacht Räumlichkeiten für ein Schlaflabor angemietet. „Wer nachts mehrmals viele Sekunden keinen Frischluft einatmet, der fühlt sich mit der Zeit tagsüber schlapp“, erklärt er. Aber das sei nicht der alleinige Grund, warum man Patienten mit einer Apnoe ins Schlaflabor schickt. „Es ist auch gefährlich, wenn Herz und Hirn zu häufig nicht mit frischem Sauerstoff versorgt werden“, erläutert Hein.

Die Patienten werden auch mit Video aufgenommen

Bei Fadl D. wurden Atempausen von bis zu 32 Sekunden gemessen. „Ich war erschrocken, als ich auf dem Diagramm gesehen habe, wie lange die Aussetzer waren“, sagt er und schaut zu Mona Behrendt hoch, die in diesem Moment mit ihrem Wagen ins Zimmer kommt, um ihren Patienten mit Elektroden zu verkabeln. „Die Patienten werden von 22 Uhr bis 5.30 elektronisch überwacht“, erklärt die MTA und befestigt eine Elektrode nach der anderen auf dem Kopf des Patienten.

Kontrolliert werden die Hirnströme, die Augenbewegungen, die in den verschiedenen Schlafphasen unterschiedlich sind, die Atmung über Mund und Nase, Muskelspannung, Beinbewegung und Körperlage während des Schlafs. Darüber hinaus werden die Sauerstoffsättigung des Blutes mit einem Sensor am Zeigefinger gemessen und die Herzaktivität aufgezeichnet. „Und was ist das?“ fragt Fadl D. und zeigt auf eine Kamera an der Decke. „Wir filmen Sie nachts“, erläutert die MTA. „Also sollte ich lieber keinen Besuch bekommen?“ fragt er schelmisch. „Besser nicht“, antwortet Mona Behrendt lachend und erklärt, dass die Videoaufzeichnungen ihnen helfen, Unregelmäßigkeiten in den Messdaten einordnen zu können und Verhaltensauffälligkeiten zu dokumentieren.

Die Warteliste für das Schlaflabor ist lang

Heute Nacht wird Fadl D. wie alle anderen Patienten mit einer Maske schlafen, die permanent mit leichtem Druck Luft in seine Lunge pumpt und so zu einem gesunden Schlaf verhelfen soll. „Was soll ich machen?“ fragt er schulterzuckend. Angenehm sei das alles nicht, aber er ist dankbar, dass er den Platz im Schlaflabor in Geesthacht bekommen hat. „Ich habe ein halbes Jahr darauf gewartet“, sagt er.

„Wir habe eine lange Warteliste, Schlafstörungen nehmen zu“, sagt Holger Hein. Ob aus Überlastung, psychischen Problemen oder körperlichen Gründen – fast jeder zweite leidet laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse mittlerweile ständig oder gelegentlich unter Schlafstörungen. „Häufig sind es Ein- und Durchschlafstörungen, Schnarchen mit oder ohne Apnoe oder auch Restless Legs Syndrom“, sagt er.

Die MTAs kontrollieren über Monitore die Aufzeichnungen

Zeigen sich Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum, führt das zu körperlichen, geistigen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen. „Dann ist Handlungsbedarf geboten“, sagt Hein. Der erste Weg führe immer in eine Sprechstunde. Erst am Ende der Therapie stehe das Schlaflabor.

Dort sitzen Mona Behrendt und Melanie Werner die ganze Nacht vor den Monitoren und kontrollieren die Aufzeichnungen. Am nächsten Morgen folgt die Visite mit Holger Hein, das weitere Vorgehen wird besprochen und die Patienten in den Tag entlassen. Einige von ihnen kommen abends wieder. Und dann geht das Prozedere wieder von vorne los.