Wasserstoff

Geesthacht: Abwasser als neuer Energieträger?

Die Geesthachter Kläranlage am Schleusenkanal. Hier wird das Abwasser gereinigt und später in die Elbe geleitet.

Die Geesthachter Kläranlage am Schleusenkanal. Hier wird das Abwasser gereinigt und später in die Elbe geleitet.

Foto: Frauke Maaß

Grüner Wasserstoff ist das Ziel: Geesthacht will auf dem Weg zur Energie-City neue Wege beschreiten

Geesthacht.  „Es wird viel über Wasserstoff geredet, aber niemand erklärt genau, wo der eigentlich her kommt“, kritisiert Oliver Pachur. Die herkömmliche Art der Produktion, ihn mithilfe von Primärenergie herzustellen, sei im Grunde kontraproduktiv, da CO2 freigesetzt werde. Sogenannter grüner Wasserstoff hingegen wird tatsächlich auch „grün“, also mit erneuerbaren Energien produziert. Für Pachur der Kernpunkt, der bisher beim Thema Wasserstoff immer zu kurz komme.

„Für das Herstellungsverfahren der Elektrolyse braucht man Strom und Wasser. Aber Grundwasser steht nicht in endloser Menge zur Verfügung“, sagt er. Daher die Idee, das im Klärwerk gereinigte Abwasser sowie das in der Anlage gesammelte Regenwasser zu nutzen, die bereits dem Ökosystem entnommen worden seien. Der gewonnen Wasserstoff könne über ein Blockheizkraftwerk erfolgen. Mit Wasserstoff, der auf diese Art und Weise produziert werde, könne Wärme erzeugt werden, die CO2 frei ist, verspricht Pachur. Nur so sei es zu schaffen, bis 2030 die CO2 -Emissionen wie festgelegt um 50 Prozent zu reduzieren. Auch hinsichtlich wasserstoffbetriebener Autos, die Elektroautos ablösen sollen, sei es sinnvoll, wenn die Stadt hier auf Eigenproduktion verweisen könne.

Eine Machbarkeitsstudie soll helfen

Um zu prüfen, ob die vorgeschlagene Form der Wasserstoffproduktion auf dem Gelände der Geesthachter Kläranlage umzusetzen ist, schlägt Oliver Pachur die Erstellung einer Machbarkeitsstudie vor. Mit ihr sollen auch die Investitionskosten sowie der Personalbedarf geklärt werden. „Der Standort bietet auf einer kleinen Fläche alles, was der Energiemarkt hergibt. Wir haben Solarenergie, Wasserkraft, Windenergie – und dann auch Wasserstoff. Das ist einmalig in Deutschland, und Geesthacht könnte mit der Vielfalt wuchern!“

Bürgermeister Olaf Schulze reagierte ebenso wie die Ausschussmitglieder generell positiv auf die Idee und verwies auf das Helmholtz Zentrum, das bereits auf dem Gebiet der Wasserstoffproduktion und -speicherung unter anderem für Fahrzeuge forsche. Schulze wendet jedoch ein, dass Strom nur einmal genutzt werden könne: Aktuell wird Faulgas aus dem Klärwerk genutzt, um damit im Blockheizkraftwerk grünen Strom und Prozessenergie für den Klärwerksbetrieb zu gewinnen. Folge. Nur ein Drittel der Energie müsse derzeit zugekauft werden. Solle der grüne Strom künftig stattdessen für die Herstellung von Wasserstoff genutzt werden, müsse deutlich mehr zugekauft werden, stellte Schulze klar.

Vorlagen wurden angenommen

Darüber hinaus gebe es Umwandlungsverluste, wenn man den Strom zur Herstellung von Wasserstoff nehme und diesen dann wieder über ein Blockheizkraftwerk für die Energiegewinnung nutze. Energetisch gescheiter ist es nach Expertenmeinung, wird der Wasserstoff als Energieträger etwa für Schiffs- oder Auto-Antriebe gespeichert.

Um den hohen Strombedarf für die Wasserstoffproduktion zu decken, denkt Schulze an die Installation größerer Solaranlagen. Die sei durchaus möglich.

Sein Vorschlag: Die Verwaltung beauftragt ein externes Unternehmen mit einer Machbarkeitsstudie auf Basis des CDU-Antrags. Der Vorschlag wurde von der SPD aufgegriffen und ergänzt die CDU-Beschlussvorlage, die vom Fachausschuss angenommen wurde. Mehr Details zum Thema gibt es in der Sitzung nach der Sommerpause.