Zur Erinnerung

Geesthacht bekommt seine ersten Stolpersteine

Die Gedenktafeln erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit deportiert, verfolgt und ermordet wurden.

Die Gedenktafeln erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit deportiert, verfolgt und ermordet wurden.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Erstverlegung der Stolpersteine ist am Sonntag, 28. Juni. Künstler und Initiator des Projekts Gunter Demnig kommt persönlich vorbei.

Geesthacht.  Sie sollen die Menschen aus dem Tritt bringen, sie aufmerksam machen und innehalten lassen – die „Stolpersteine“ von Künstler und Initiator des Projekts Gunter Demnig. Drei Stück wird es bald auch in Geesthacht geben. Sie sollen an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger im Dritten Reich erinnern.

Bereits im September 2013 hatte sich die Ratsversammlung der Stadt Geesthacht für das Verlegen von Stolpersteinen ausgesprochen. Grundlage war damals ein Antrag der FDP-Fraktion. „Die Umsetzung hat nun etwas länger gedauert“, sagt Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein. Das hätte auch mit den Voraussetzungen für die Verlegung der zehn mal zehn Zentimeter großen Steine zutun gehabt. „Wir mussten erst einmal Geld durch Spenden und Patenschaften zusammenbekommen. Die Verlegung inklusive Vorbereitungsarbeiten, Fertigung und Lieferung kostet pro Stein 120 Euro. Außerdem musste eine Genehmigung bei der Verwaltung beantragt werden.“ Ein hoher Zeitfaktor sei aber auch die Recherche über die Schicksale der Opfer gewesen.

Recherche für Stolpersteine in Geesthacht war aufwendig

Einen Großteil der Recherchearbeit hat Signe Schuster, die ebenfalls Mitglied im Heimatbund und Geschichtsverein ist, übernommen. Beim Erstellen der Biografien hätten aber auch Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums mitgeholfen. „Zuletzt habe ich dann die Adressen von Nachfahren herausgesucht und mit ihnen Gespräche geführt“, sagt Schuster. Insgesamt seien fünf Familien auf das Stolpersteine-Projekt angesprochen worden, drei von ihnen wollten mitmachen.

Am Sonntag, 28. Juni, um 11.30 Uhr ist es nun soweit: Dann werden die ersten Stolpersteine in Geesthacht verlegt. Vor Ort sein wird auch Initiator Gunter Demnig, der an die Opfer der NS-Zeit erinnert, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen in mehr als 1270 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas Stolpersteine. Im Dezember 2019 zählte das Projekt 75.000 verlegte Steine. Freie Termine für eine Verlegung gibt es in diesem Jahr nicht mehr.

Johannes-Ritter-Straße 30: Rochus Pansa

In Geesthacht ist der erste Treffpunkt in der Johannes-Ritter-Straße 30. Hier soll an Rochus Pansa erinnert werden, der nach Auskunft der Gedenkstätte Neuengamme in einem Sammelgrab auf dem Vorwerker Friedhof in Lübeck bestattet worden ist. Grund für seine Verhaftung war vermutlich seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Düneberger Straße 53: Arthur Rose

Als nächstes geht es in die Düneberger Straße 53, wo einst Arthur Rose wohnte. Er wurde ebenfalls wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD verhaftet und wegen Beihilfe zum Hochverrat angeklagt. Mehr als zwei Jahre war er im Konzentrationslager in Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert. Er starb 1941 vermutlich an den Folgen einer Verletzung, die ihm während eines Verhörs zugefügt worden war.

Norderstraße 22: Johann Baptist Lerchl

Der dritte Stolperstein soll an Johann Baptist Lerchl erinnern. Sein letzter Wohnort: Norderstraße 22. Lerchl kam einst auf der Wanderschaft nach Geesthacht, heiratete und wurde ansässig. Er war später Mitglied der SPD und wurde im Zuge der sogenannten „Gewitteraktion“ im August 1944 verhaftet. Nach vier Wochen Schutzhaft im KZ-Neuengamme wurde er entlassen.

Aufgrund der Coronapandemie wird es nach der öffentlichen Verlegung keine Gesprächsrunde mehr geben. Diese soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.