Geesthacht

Fahrschulen kämpfen um ihre Prüf-Standorte

Künftig keine praktischen Prüfungen mehr vor Ort? Die Vertreter von Fahrschulen aus Lauenburg, Schwarzenbek und Geesthacht versammelten sich in den Räumen der Fahrschule Hapke, um über gemeinsames Vorgehen zu den Plänen des TÜV Nord zu beraten.

Künftig keine praktischen Prüfungen mehr vor Ort? Die Vertreter von Fahrschulen aus Lauenburg, Schwarzenbek und Geesthacht versammelten sich in den Räumen der Fahrschule Hapke, um über gemeinsames Vorgehen zu den Plänen des TÜV Nord zu beraten.

Foto: Dirk Palapies

Wegen Hygiene-Regeln sollen Geesthachter Fahrschüler künftig in Wentorf vorfahren. Zudem gibt es einen „Desinfektionszuschlag“.

Geesthacht. Müssen Fahrschüler aus Geesthacht auch ihre praktische Prüfung künftig in Wentorf absolvieren? Dort hat der TÜV Nord am Südredder 2 seinen Standort. Für die Theorie-Prüfung müssen Führerscheinanwärter aus Geesthacht dort schon länger hinreisen. War es früher vielerorts durchaus üblich, für annähernd gleichartige Bedingungen Prüfungen in die nächstgrößeren Städte zu verlegen, soll es jetzt in Gegenrichtung gehen.

Hintergrund für die zumindest zeitweise Verlegung sind Vorgaben des Landes in Sachen Hygienemaßnahmen gegen Corona. Der TÜV argumentierte zunächst, deren Einhaltung nur an seinen Standorten kontrollieren zu können. Betroffen sind auch Fahrschulen in Lauenburg und Schwarzenbek. Deren Prüflinge müssten dann beim TÜV in Mölln starten.

Tüv sorgt sich um die Hygiene am Prüfort

Der TÜV sorgt sich um die Hygiene am Prüfort, erklärt Ralf Hapke, besonders der WC. In Lauenburg wird bei Aral gestartet, in Schwarzenbek am Ritter-Wulff-Platz. In Geesthacht steigt der Prüfer beim Mercedes-Autohaus Brinkmann an der Steinstraße 80 zu Fahrlehrer und Prüfling ins Auto..

Hapke kämpft für seinen Standort. „Bei Mercedes Brinkmann herrschen sehr hohe Standards in Sachen Hygiene“, sagt er. „Wenn der TÜV die bei sich in Wentorf einhalten kann, kann er stolz sein.“

Ralf Hapke hat Peter Rupp, dem Teamleiter Fahrerlaubnis beim TÜV, die Standards bei Brinkmann per E-Mail zukommen lassen. Rupp war angetan und hat versprochen, sich in Kürze vor Ort umzusehen und die Situation zu bewerten. Möglich, dass danach weiterhin von dort gestartet wird. Auch für Lauenburg und Schwarzenbek sieht Rupp Chancen. Die Fahrschulen dort hätten alternative Startpunkte vorgeschlagen, die er ebenfalls begutachten werde, teilt Peter Rupp mit.

Pro Fahrstunde ein „Desinfektionszuschlag“ von zwei Euro

Anderenfalls würde den Fahrschulen ein erheblicher Zeit- und Kostenaufwand entstehen, klagt Hapke. Der Anfahrtsweg zur Prüfung sei länger, zudem müsste auch zwei-, dreimal vor Ort gefahren werden, damit die Fahrschüler die lokalen Gegebenheiten kennenlernen. Und: Hapke befürchtet, dass eine Verlegung dauerhaft werden könnte. Peter Rupp versichert zwar, dass dem nicht so sei, „aber das will ich schriftlich haben“, sagt Ralf Hapke.

Wo auch immer gestartet wird, teurer wird es künftig auf jeden Fall. Wegen der Hygienemaßnahmen und des Materialverbrauchs erheben die Fahrschulen künftig zwei Euro „Desinfektionszuschlag“ pro Fahrstunde. Darauf haben sich die Fahrschulen des Südkreises auf einer Krisensitzung in der vergangenen Woche geeinigt.

Dieser entfällt für Schüler, die einen neuen Vertrag abschließen, für sie aber heben die Fahrschulen spätestens zum 1. Juni die Preise an. „Wir hatten drei Jahre keine Anpassungen“, erklärt Ralf Hapke. Die Pkw-Stunde steigt in seiner Fahrschule von 44 auf 50 Euro, die Motorrad-Stunde von 54 auf 60 Euro.

Das kostet der „Lappen“:

Wer einen Pkw fahren möchte, benötigt den Führerschein Klasse B. Das kostet je nach Standort zwischen 1500 Euro und 2400 Euro. Größter Posten: die Fahrstunden. Schüler zahlen je nach „Talent“ 1300-1700 Euro. Pflichtstunden sind zwölf Sonderfahrten (fünfmal Land, viermal Autobahn, dreimal nachts). Weitere Kosten entstehen durch externe Faktoren wie Prüfung (22 Euro Theorie/91 Euro Praxis), Sehtest (7 Euro), Erste-Hilfe-Seminar (bis zu 40 Euro) und den Antrag beim Amt (bis zu 70 Euro).