Geesthacht

Jetzt beginnt der Kampf gegen den Corona-Bauch

Jessica Schöpf, Manja Peter und Patrycja Paczkowska (v.li.) vom Reha-Verein stehen an den Stationen des medizinischen Zirkeltrainings bereit. Vor Geräten, die nicht freigegeben sind, ist ein Kreuz aufgeklebt.

Jessica Schöpf, Manja Peter und Patrycja Paczkowska (v.li.) vom Reha-Verein stehen an den Stationen des medizinischen Zirkeltrainings bereit. Vor Geräten, die nicht freigegeben sind, ist ein Kreuz aufgeklebt.

Foto: Dirk Palapies

Von Montag an öffnen in Geesthacht wieder die Fitnessstudios. Bei Elbfitness übernimmt dann ein „Hygiene-Kapitän“ das Kommando.

Geesthacht. Wirklich sicher ist sich Clemens Müller nur in einem: Dass das Elbfitnessstudio über dem Kaufhaus Nessler am kommenden Montag, 18. Mai, wieder öffnen darf – so wie alle anderen Trainingscenter in Schleswig-Holstein auch. Wegen der Corona-Maßnahmen hatten sie seit dem 14. März geschlossen.

Aber unter welchen Bedingungen? Das ist dem Studioleiter schleierhaft. Die Landesregierung in Kiel hielt sich in Sachen hygienischer Vorgaben bis jetzt bedeckt. So orientiert er sich an den Rahmenbedingungen, die in Nordrhein-Westfalen gelten. Und verschärft diese für Geesthacht noch: „Denn nichts wäre schlimmer, als kurz nach der Öffnung wieder schließen zu müssen“, meint Clemens Müller.

Seit 1. Mai ist die Kurzarbeit für die Mitarbeiter am Standort in Geesthacht aufgehoben. Langweilig ist den Trainern nicht geworden. Clemens Müller war jeden Tag im Studio. In Eigenregie wurden zahlreiche Reparaturen durchgeführt. Die Sauna wurde geschliffen, die Wände neu gestrichen und die Terrasse gekärchert. Zudem wurden Filme für Online-Fitness-Angebote gedreht, die via YouTube und Facebook abgerufen werden können. Und: der Kontakt zu den Mitgliedern musste weiter gepflegt werden. Immerhin zeigten sich 98 Prozent solidarisch und zahlten den Beitrag weiter, so Müller.

Fast alle waren solidarisch und zahlten den Beitrag weiter

Nun freut sich das Team wieder aufs Kerngeschäft. Ein Trainer wird künftig wechselnd als „Hygiene-Kapitän“ zur Beaufsichtigung der Regeln abgestellt. Zur Kennzeichnung bekommt er eine Binde um den Arm wie beim Fußball. Clemens Müller plant mit einer Person pro zehn Quadratmetern, so wäre im Elbfitness das Training von 100 Mitgliedern gleichzeitig möglich. Das sei großzügig gerechnet, meint Müller. An wirklich vollen Tagen seien früher 300 Leute über den Tag verteilt an den Geräten gewesen.

Wenn doch zu viele der etwa 1000 Mitglieder auf einmal auflaufen, muss im Erdgeschoss gewartet werden, bis einer das Studio verlässt. Die Kontrolle der Anzahl erfolgt durch ein Pfandabgabesystem.

Training nur mit einer Mund-Nase-Maske

Das Training ist nur unter Mundschutz möglich, überall stehen Papierspender und Desinfektionsmittel. Kleinmaterialien, die schwierig zu reinigen sind, werden in der Sauna gelagert, diese darf nämlich noch nicht benutzt werden. Ebensowenig wie Duschen und Umkleidekabinen Die Sportler müssen im Trainingsoutfit erscheinen, nur die Schuhe sollen vor Ort gewechselt werden. Zudem ist eine Einwilligungserklärung nötig, dass man mit den Maßnahmen einverstanden ist.

Auch der Reha-Verein legt nächste Woche wieder los

Auch der Reha-Verein mit seinen 750 Mitgliedern im Elbfitnessstudio wird wieder aktiv. Da der Verein Untermieter ist, gelten dieselben Hygieneregeln. Kommenden Montag um 9.30 Uhr läuft der erste Gymnastik-Kursus, über die Woche soll der Vor-Corona-Stundenplan wieder aufgenommen werden.

Trainiert wird bei der Gymnastik im Stehen ohne Kleingeräte, nach jedem Programm wird eine Viertelstunde durchgelüftet. Beim medizinischen Zirkel stehen elf statt 14 Stationen zur Verfügung. Alle Gruppen sind auf zehn Teilnehmer reduziert. „Wir schalten eine Annonce, dass wir wieder starten. Die Mitglieder müssen dann anrufen, um sich für die Kurse anzumelden“, sagt Manja Peter. Außerdem gingen Anschreiben über den Postweg raus. Die zumeist älteren Reha-Sportler sind schlecht über die neuen Kanäle zu erreichen.

Um den Kontakt zu ihren Schützlingen zu halten, besuchte Manja Peter oft Orte wie den Geesthachter Wochenmarkt, verteilte Karten mit Übungen und beantwortete Fragen. Manche klagten, dass die Rückenschmerzen wieder da seien, andere hatten Luxusprobleme: „Ich habe Corona-Bauch – wann geht es endlich wieder los?“, bekam Manja Peter auch zu hören.