Geesthacht

Johanniter zapft Desinfektionsmittel aus 1000-Liter-Fass

Statt kleiner Flaschen hat das Johanniter Krankenhaus Geesthacht ein 1000-Liter-Gebinde mit Handdesinfektionsmittel erhalten. Timo Rath, ärztlicher Direktor und Daniel Zarnodt, technischer Leiter (r.) zeigen, wie die Flüssigkeit künftig abgefüllt werden soll. 

Statt kleiner Flaschen hat das Johanniter Krankenhaus Geesthacht ein 1000-Liter-Gebinde mit Handdesinfektionsmittel erhalten. Timo Rath, ärztlicher Direktor und Daniel Zarnodt, technischer Leiter (r.) zeigen, wie die Flüssigkeit künftig abgefüllt werden soll. 

Foto: Marcus Jürgensen

Anstatt kleiner Flaschen gibt es ein 1000-Liter-Gebinde. Aktuell sind 56 Corona-Fälle im Kreis Herzogtum Lauenburg bestätigt.

Geesthacht.  Die Fenster sind geöffnet, das Tor ebenfalls: In einer Garage haben Mitarbeiter des Johanniter Krankenhauses gestern begonnen, Desinfektionsmittel selbst abzufüllen. Statt in den üblichen 150 Milliliter bis ein Liter fassenden Flaschen hat der Hersteller dem Krankenhaus einen 1000 Liter fassenden Tank zur schnellen Lieferung angeboten. Und die Johanniter haben zugegriffen. Manorapid Synergy ist eine alkoholische Lösung mit Ethanol und Propanol, die zur Händedesinfektion benutzt wird.

Überall im Haus am Runden Berg sowie der Johanniter-Klinik für Geriatrie in Edmundsthal wurden die leeren Flaschen aus den Spendern nicht entsorgt, sondern gesammelt und gereinigt. In einem Reinigungs- und Desinfektionsgerät der Klinik wurden die Flaschen über 45 Minuten bei 90 Grad sterilisiert. „Wir haben es vorab ausprobiert. Die Kunststoffflaschen halten die Sterilisation aus und können neu befüllt werden“, berichtet der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Timo Rath.

Klinik-Team hat eine eigene Abfüllanlage gebaut

Für das Abfüllen haben Daniel Zarnodt, technischer Leiter der Klinik, und sein Team eine eigene Abfüllanlage gebaut: Ein handelsübliche Bohrmaschine treibt eine kleine Pumpe an. Über Kunststoffschläuche aus dem Baumarkt fließt das Desinfektionsmittel dann in die Flaschen. Auch wenn alles etwas provisorisch aussieht: „Wir halten uns an die Vorgaben des Herstellers“, so Zarnodt.

Der Abfüller ist jeweils mit Gesichtsschutz, Schürze sowie chemiebeständigen Handschuhen ausgestattet. Die Mitarbeiter arbeiten in Zweierteams, jedes längstens eine Stunde. Nach zwei Stunden, so die Einschätzung Zarnodts, sollten die erste Charge der „recycelten“ Desinfektionsbehälter aufgefüllt sein.

1500 Liter hat die Klinik im vergangenen Jahr aufgebraucht

Nach Vorgaben des Herstellers werden auch die Etiketten im Krankenhaus selbst gedruckt. „Nur das Haltbarkeits- und Abfülldatum tragen wir dann handschriftlich nach, weil wir ja nicht wissen, wie viele Flaschen wir befüllen werden. Das orientiert sich am Verbrauch und dem Rücklauf der Leergebinde“, so Zarnodt.

Im vergangenen Jahr hat die Klinik für die Handdesinfektion über die überall im Krankenhaus hängenden Spender 1500 Liter Desinfektionsmittel verbraucht. Die jetzt angelieferten 1000 Liter des Mittels sollten also einige Monate reichen. Allerdings, so Rath, werden in Zeiten von Corona die Hände womöglich noch intensiver desinfiziert. Der 1000 Liter Tank ist zudem nicht nur für das Johanniter-Krankenhaus, sondern auch für die Geriatrie-Klinik gedacht.

Im Kreis gibt es 56 bestätigte Corona-Fälle

Im Johanniter Krankenhaus ist für den Notfall eine internistische Station für Covid-19-Fälle reserviert worden. Hier kommen alle auffälligen Patienten unter. Der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Timo Rath sagt dazu weiter: „Mit der Aufnahme und frühen Isolierung von respiratorisch auffälligen Patienten wollen wir bereits früh, bereits vor einer bestätigten Infizierung mögliche Verdachtsfälle isolieren.“

Die Intensivstation werde derzeit um vier Beatmungsplätze von sechs auf zehn erweitert. „Bei Lieferung weiterer Geräte ist ein Ausbau, zunächst auf 14, bei weiterem Bedarf auf 19 Plätz geplant“, so Rath. Andere Bereiche des Krankenhauses wie zum Beispiel die Tageskliniken oder verschiebbare Operationen wurden reduziert, um Mitarbeiter für die anstehenden Aufgaben zu schulen und bereit zu halten.

Derzeit gibt es im Kreis Herzogtum Lauenburg 56 bestätigte Fälle, eine Steigerung von vier Fällen zum Vortag (Stand: 26. März). Im Johanniter Krankenhaus sind drei Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, stationär aufgenommen worden. Einer von ihnen wird auf der Intensivstation behandelt.