Geesthacht

Spargelernte im Kreis wegen Virus in Gefahr

Noch ist unklar, ob Arbeiter aus Osteuropa rechtzeitig für die Spargelernte einreisen können. Auch Spargelbauern aus Geesthacht und Umgebung machen sich Sorgen um die Erntearbeit.

Noch ist unklar, ob Arbeiter aus Osteuropa rechtzeitig für die Spargelernte einreisen können. Auch Spargelbauern aus Geesthacht und Umgebung machen sich Sorgen um die Erntearbeit.

Foto: Silas Stein / dpa

Landwirte hoffen noch auf eine rechtzeitige Einreise ihrer Erntehelfer. Auch Erdbeerhof in Hohenhorn macht sich Sorgen.

Geesthacht.  Um eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus möglichst zu verhindern, gelten derzeit Reiseeinschränkungen. Nun haben Landesregierung, Bauernverband und Arbeitsagentur eine Kampagne zur Hilfe bei der Ernte gestartet. Der Grund: Es wird befürchtet, dass in den nächsten Wochen Erntehelfer fehlen könnten. Der Appell richtet sich an Mitarbeiter aus Einzelhandel und Gastronomie, die derzeit wegen geschlossener Läden nicht arbeiten können sowie an Beschäftigte in Kurzarbeit und Studenten. Zeitnahe Hilfe benötigen die Spargelbauern. Auch in Geesthacht und Umgebung.

Spargelbauer Peter Buhk aus Geesthacht findet die neue Kampagne nicht schlecht. „Allerdings ist die für mich nicht zu Ende gedacht“, sagt der Landwirt. Für ihn stelle sich die Frage, was passiere, wenn die Geschäfte bereits Ende April wieder öffnen. „Was passiert dann? Dann wären meine Erntehelfer wieder in ihrem alten Job tätig und ich ohne Erntehelfer“, kritisiert er. Zudem komme das Angebot derzeit nicht für ihn in Frage. Der Grund: Peter Buhk hat bereits Arbeitsverträge mit osteuropäischen Erntehelfern abgeschlossen. „Nun bin ich auch in der Pflicht sie einzustellen. Sonst werde ich unglaubwürdig“, meint der Landwirt. Der Haken: Noch ist nicht geklärt, ob die erwarteten Erntehelfer einreisen dürfen oder nicht.

Saisonarbeiter wollen unbedingt anreisen und helfen

Aktuell hänge Buhk in der Warteschleife – es herrsche Unsicherheit. Noch hoffe er aber darauf, dass seine zehn Helfer nach Geesthacht kommen können, um Anfang April erste Pflanzen auf seine sieben Hektar setzen zu können. Und wenn nicht? Dann habe er einen Liste mit potenziellen Helfern in der Hinterhand. „Es haben sich bereits mehrere Bürger aus Geesthacht und Umgebung gemeldet. Darunter auch ein Gastronom mit seinen Mitarbeitern“, so Buhk.

Auch Stefan Schultz aus Worth verkauft auf seinem Hof unter anderem Spargel. Er mache sich ebenfalls Sorgen, dass seine angefragte Belegschaft aus Polen nicht anreisen kann. „Ich stehe mit meinen Saisonarbeitern in Kontakt. Sie wollen unbedingt kommen, doch die Lage an den Grenzen ist derzeit undurchschaubar“, so der Landwirt. Den Vorstoß von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), arbeitslose Kellner und Küche für die Arbeit auf dem Feld einzusetzen, beurteilt er etwas skeptisch. „Diese Idee ist auf dem Bürotisch entstanden“, kritisiert er. Das könne nicht einfach in die Praxis umgesetzt werden.

Spargelbauer hat viele Anrufe aus der Bevölkerung erhalten

Schultz ist aber trotzdem froh über jeden Anruf, den er aus der Bevölkerung erhalten hat. „Ich habe den Interessierten unter Vorbehalt abgesagt, die Situation erklärt und deren Nummern notiert“, so der Landwirt. Aktuell wisse man ja nicht, was komme. Und trotzdem blickt Schultz positiv auf die beginnende Spargelsaison: „Eigentlich passt gerade alles. Endlich haben die starken Regenfälle aufgehört und die Bodentemperaturen klettern in die Höhe.“ Sein Wunsch wäre es, dass bereits zu Ostern der ersten Spargel geerntet werden kann.

Etwas gelassener mit der derzeitigen Situation kann Dorothee Putfarken vom gleichnamigen Erdbeerhof in Hohenhorn sein. „Wir schauen uns erst einmal an, wie das bei den Spargelbauern mit den Erntehelfern klappt“, so Putfarken. Noch sei sie relativ entspannt, denn anders als viele Betriebe, kommen die meisten Erntehelfer nicht aus Osteuropa angereist. „Viele unserer Mitarbeiter haben ihren Wohnsitz hier in der Gegend. Einige kommen aber auch aus Rumänien oder der Türkei, haben dann aber ihren Wohnsitz in Hamburg, Schwarzenbek, Geesthacht oder Lauenburg.“ Trotzdem bleibe die Frage: Wie viele der Mitarbeiter kommen tatsächlich und helfen bei der diesjährigen Erdbeerernte mit? „Vielleicht springen welche ab, weil sie Angst vor einer Ansteckung haben“, mutmaßt die Landwirtin. Zu Spitzenzeiten, etwa Mitte Juni, seien 400 Erntehelfer auf den Feldern im Einsatz. Vergangenes Jahr konnten die Selbstpflückfelder bereits Ende Mai eröffnet werden.

Aktuell etwa 200 ausländische Saisonkräfte im Norden

Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sagt zum Thema Erntehelfer: „Um Arbeitskräfte zu mobilisieren, müsse in Zeiten von Corona nach jedem Strohhalm gegriffen werden.“ Rixen geht davon aus, dass zur Schadensbegrenzung schon bald Studenten und Schüler dazu angehalten werden könnten, landwirtschaftliche Betriebe zu unterstützen. Vor allem Gemüsebetriebe benötigten Hilfe, um Jungpflanzen in den Boden zu bringen, die andernfalls nicht rechtzeitig reif zur Ernte sind. Besonders beim Spargel sei der Zeitfaktor sehr heikel. „Er kann im August nicht nachgeerntet werden“, sagt Daniela Rixen.

Nach aktuellen Angaben des Landwirtschaftsministerium sind derzeit etwa 200 ausländische Saisonarbeitskräfte im Norden. Im Spargel-Sektor würden aber allein weitere 1200 Arbeitskräfte benötigt. Auch beim Erdbeeranbau gibt es demnach den Bedarf von 4000 Saisonarbeitskräften.