Geesthacht

Hamsterkäufe bringen Hospiz und Altenheime in Not

Auch in Geesthacht kaufen die Bürger massenhaft Toiletten- und Küchenpapier ein.

Auch in Geesthacht kaufen die Bürger massenhaft Toiletten- und Küchenpapier ein.

Foto: Rene Traut / dpa

Einrichtungen in Geesthacht fehlt Toilettenpapier, Mehl und Zucker. Auch Schutzkleidung reicht bald nicht mehr aus. Ein Aufruf.

Geesthacht.  Das Coronavirus sorgt deutschlandweit für Hamsterkäufe. Obwohl laut Bundesregierung ausreichend Produkte in den Supermärkten vorhanden sind. Auch in Geesthacht sind viele Regale in Lebensmittelmärkten leer geräumt. Zum Leid für viele Bürger, die beispielsweise im Hospiz Auxilium oder in einem der Altenheime untergebracht sind.

Am Donnerstagvormittag hat die Leiterin des Hospiz Auxilium, Manuela Glaubach-Gruse, aus der Not heraus einen Aufruf in den Sozialen Netzwerken gestartet. Sie bat die Geesthachter um Hilfe: „Aufgrund der Hamsterkäufe von Toilettenpapier kann unser Lieferant uns nur acht Rollen für eine Woche liefern. So können wir unsere 15 Gäste nur schlecht versorgen.“ Sollte jemand ausreichend Toilettenpapier zu Hause haben, würde sich das Hospiz-Team über eine Spende von verpacktem Toilettenpapier freuen. Die Reaktionen kamen schnell. Glaubach-Gruse sagt: „Innerhalb von 15 Minuten hatten wir ausreichend Toilettenpapier. Es wurde an unserer Tür abgegeben.“

Manch einer habe vielleicht doch darüber nachgedacht, dass er unnötig viele Pakete gekauft habe. „Ich bin überwältigt, wie schnell wir Hilfe bekommen haben. Das hat unfassbar gut geklappt“, bedankt sich die Hospizleiterin, die hofft, dass ihr Edeka-Markt in der nächsten Woche wie gewohnt liefern kann.

Facebook-Aufruf erbrachte den gewünschten Erfolg

Auch in der Facebook-Gruppe hat es Reaktionen gegeben. So schreibt eine Dame, dass dieser Aufruf ihr fast die Sprache verschlagen hätte. Eine andere Userin schreibt: „Ich bin unfassbar traurig. Und ich hoffe, dass den Menschen endlich mal bewusst wird, was für dramatische Folgen durch diese unnötigen Hamsterkäufe entstehen. Da wo sie wirklich gebraucht werden, fehlen dringend benötigte Produkte.“

Ähnliche Probleme hat auch André Apel, der die Altenheime Haus am Moor, an der Elbe und Sonne leitet. Während des Telefoninterviews ist Apel gerade in einem Großmarkt in Lüneburg unterwegs, um Toilettenpapier, Milch, Mehl, Zucker und Einweghandschuhe einzukaufen. Er sagt: „Normalerweise bekommen wir alles geliefert, doch aktuell gibt es nicht genügend Ware.“

Chemiker stellt für Altenheim Desinfektionsmittel her

Klopapier habe er nun zum Glück noch bekommen, aber mit Mehl und Zucker sehe es schlecht aus. Auch die Schutzkleidung werde langsam knapp. „Gerade habe ich 50 Pakete à 100 Handschuhe in den Einkaufswagen gelegt. Desinfektionsmittel gibt es nicht mehr“, seufzt er. Dafür habe er eine andere Lösung gefunden: „Ein Chemiker stellt für uns das Desinfektionsmittel her.“

Apel hofft, dass die schwierige Zeit möglichst schnell vorübergeht. „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter. Alle sind zum Dienst gekommen und kümmern sich nach wie vor fürsorglich um unsere 120 Hausbewohner.“

Schwierigkeiten bei Beschaffung von Schutzkleidung

Das Seniorenzentrum Am Katzberg ist hingegen noch ausreichend versorgt. „Unser Lieferant hat uns noch alles in gewünschten Mengen geliefert. Also Milch, Toilettenpapier und was wir sonst so benötigen“, sagt Einrichtungsleiterin Ute Riedel. Allerdings könne sich die Situation täglich ändern: „Planbar ist aktuell so gut wie nichts.“

Riedel setzt auf die Vernunft der Bürger. Bei der Beschaffung von Schutzkleidung hat das Seniorenzentrum dann allerdings doch Schwierigkeiten: „Einzelne Sachen werden nicht nachgeliefert. Mal sehen, wie lange wir mit unserem Vorrat auskommen.“