Geesthacht

Grüne fordern: Fischtreppe schnell wieder instand setzen

Fachleute nahmen im August die Schäden beim Wehr in Augenschein, nachdem ein Damm abgerutscht war. Als eine der Notmaßnahmen wurde die Lockströmung am Nordufer stark gedrosselt. Seitdem ist nicht mehr viel passiert.

Fachleute nahmen im August die Schäden beim Wehr in Augenschein, nachdem ein Damm abgerutscht war. Als eine der Notmaßnahmen wurde die Lockströmung am Nordufer stark gedrosselt. Seitdem ist nicht mehr viel passiert.

Foto: Timo Jann

Grünen haben einen Antrag gestellt, der heute Abend in der Ratsversammlung diskutiert werden soll. Stadt soll sich positionieren.

Geesthacht. Die weitgehend ungenutzte Fischtreppe am Nordufer des Geesthachter Stauwehres wird am heutigen Freitag, 14. Februar, die ab 18 Uhr im Rathaus tagende Ratsversammlung beschäftigen.

Die Fraktion der Grünen will, dass die Stadt klar Position bezieht. Die Grünen haben einen Antrag eingebracht, demzufolge „das schnellstmögliche Finden einer praktikablen Übergangslösung für die Fischaufstiegstreppe durch die verantwortlichen Akteure höchste Priorität“ für die Stadt haben solle.

Stadt soll „dringliches Schreiben“ aufsetzen

Nötig sei ein „dringliches Schreiben“ an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) und Vattenfall. Zudem soll ein Vertreter des WSA zum Bericht in den Umweltausschuss eingeladen werden.

Als Zeithorizont für eine Verbesserung der Situation für die Fische wird der September 2020 genannt. „Geesthacht trägt keine Verantwortung für die Maßnahmen am Wehr. Dennoch sollte die Stadt sich mit aller Eindringlichkeit dafür einsetzen, dass diese für das Ökosystem der Elbe so wichtige Anlage schnellstmöglich wieder einsatzbereit ist“, fordert Dr. Laura Schwabe von den Grünen.

Hintergrund: Im August wurden erhebliche Schäden durch Unterspülungen am Wehr festgestellt. Die kleinere Fischaufstiegsanlage am Südufer ist verfüllt, am Nordufer ist die Lockströmung, die Fischen den Weg in das Bauwerk von Betreiber Vattenfall weist, stark reduziert und für Fische schwer zu finden. Das Wehr ist für einige Arten unüberwindbar geworden.

Grünen-Fraktionschef Ali Demirhan will Taten sehen

„Wenn wir bis zur Fischwanderung keine Lösung finden, nimmt die Population hinter dem Wehr stark ab“, sagt Grünen-Fraktionschef Ali Demirhan und beruft sich auf die Meinung von Experten der Umweltverbände. „Wir sehen uns in der Pflicht, dass wir die Beteiligten drängen, dass die Fischtreppe ihre Funktion behält.“ Er sei auch erstmal mit einer schnellen, kurzfristigen Lösung einverstanden. „Wir wollen Taten sehen.“

Dieser Wunsch erfüllt sich möglicherweise schneller als gedacht. Parallel zur Ratsversammlung am 14. Februar kommen auch Vertreter des WSA und von Vattenfall in Hamburg zusammen, „um sich intensiv zu beraten und die weitere Vorgehensweise voranzutreiben“, sagt Tilman Treber vom in Lauenburg ansässigen Amt. Es gäbe einige Ideen, die mit Vattenfall abgestimmt werden sollen, verrät er. Ob aber etwas bis September gemacht werden könne oder überhaupt noch in diesem Jahr, das sei „Kaffeesatzleserei“, erklärt Treber.

WSA: kurz- wie mittelfristige Lösungen sind möglich

Details mag er noch nicht verraten, aber es seien zwei Varianten angedacht. Eine kurzfristige, schnell rückbaubare Lösung sowie eine mittelfristige „für die nächsten 15 Jahre plus Zeitfaktor x“. Solange, bis die Grundsanierung des Wehres in etwa 15 Jahren vollzogen sein wird. „Dann muss man sehen, wie sich die neue Geometrie des Wehres auf die Fischtreppenanlage auswirkt, möglicherweise kann diese Lösung dann auch langfristig bleiben“, sagt Tilman Treber.

Vattenfall-Sprecherin sieht Bund in der Pflicht

„Auch Vattenfall hat Interesse an einer Lösung“, sagt Sprecherin Gudrun Bode. Die Fischaufstiegsanlage wurde als Ausgleichsmaßnahme für das Vattenfall-Kohlekraftwerk in Moorburg gebaut und 2010 eingeweiht. Für den Fortgang der Planung sieht sie vor allem das WSA in der Pflicht. Bode: „Dem Bund gehört das Wehr, die haben den Hut auf.“

Sie verweist darauf, dass das Wehr selbst keine Sackgasse für Fische sein müsse, jedenfalls nicht für alle. Größere Arten mit mehr Muskelmasse würden das Stauwehr direkt bewältigen können: „Der Lachs etwa sucht immer die stärkste Strömung.“

Probleme sieht sie allerdings für kleinere „Minimalisten“. Das seien Fische, die bereits nach wenigen vergeblichen Versuchen sagten, „,das ist mir zu schwierig hier’ und das Aufstiegsunternehmen abbrechen“, erklärt Gudrun Bode. „Und der Stör braucht in jedem Fall die Fischtreppe“, weiß sie. Für ihn ist ein großes Wiederansiedlungsprojekt beim Wehr geplant.