Umweltverbände warnen

Endstation Geesthacht: Fische in der Elbe gefährdet?

Jürgen Vollbrandt, Heike Kramer und Jens Gutzmann (von links) vom Geesthachter Naturschutzbund stehen vor der kleinen Fischtreppe am südlichen Elbufer, die komplett zugeschüttet wurde.

Jürgen Vollbrandt, Heike Kramer und Jens Gutzmann (von links) vom Geesthachter Naturschutzbund stehen vor der kleinen Fischtreppe am südlichen Elbufer, die komplett zugeschüttet wurde.

Foto: Timo Jann

Wird die Fischtreppe bei Geesthacht nicht schnell wiederhergestellt, sehen Umweltverbände die Fischpopulation in der Elbe in Gefahr.

Geesthacht.  Die Umweltverbände Nabu, BUND, WWF, Grüne Liga und Deutscher Naturschutzring fürchten um die Fischpopulation in der Elbe und den Erfolg des aufwendigen Wiederansiedlungsprogramms der vergangenen Jahre. Grund ist die eingeschränkte Passierbarkeit des Stauwehrs bei Geesthacht.

Nachdem erhebliche Schäden festgestellt worden waren, wurde die kleine Fischaufstiegsanlage am Südufer komplett verfüllt. An Europas größter Fischtreppe am Nordufer wurde nach Unterspülungen die Lockströmung stillgelegt, die Fische den Weg in das von Vattenfall betriebene Bauwerk weist. Die Aufstiegshilfe ist zwar noch passierbar, aber nun schwerer zu finden.

Damm am Stauwehr abgerutscht

Wie berichtet, war Anfang August ein abgerutschter Damm bemerkt worden. Experten vermuten, dass die fünf Rinnen, durch die Wasser den Damm überspült und unterhalb des Wehres für Fische eine Lockströmung erzeugt, den Schaden verursacht hatten. Das Wehr musste weit geöffnet werden, tagelang lag infolge des Niedrigwassers die Schifffahrt brach. Mit mehreren Tausend Tonnen Füllmaterial konnte schließlich der Damm stabilisiert werden. Derzeit laufen Restarbeiten, um ihn gegen Eisgang und Sturmflut zu sichern.

„Es ist keine Frage, dass das beschädigte Stauwehr schnellstmöglich instandgesetzt werden muss, um die Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Aber bei diesen Arbeiten muss auch die Passierbarkeit für Fische wieder hergestellt werden. Sollte das erst in fünf Jahren oder noch später erfolgen, sind alle Bemühungen zur Wiederansiedlung von Fischen in der Elbe vergeblich gewesen“, sagt Heike Kramer, Vorsitzende des Nabu in Geesthacht.

Erwartete Fischmengen trafen nicht ein

„Unterhalb des Stauwehrs kam es im Oktober zu einem Rückstau von Wanderfischen, während oberhalb der Staustufe die zu erwartenden Fischmengen nicht eintrafen“, berichtet Jens Gutzmann vom Nabu Geesthacht. Die Laich- und Lebenszyklen einzelner Arten wie Lachse und Meerforellen seien gefährdet. Für beide Arten hatte es mit erheblichem Aufwand Wiederansiedlungsprojekte gegeben. „Wenn sich die Situation nicht schnell bessert, sind die Maßnahmen tot“, sagt Gutzmann.

Bei einem Ortstermin mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatten sich die Umweltverbände informiert. „Man geht von einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren für die grundlegende Sanierung des Wehrs aus. Dann würde die Fischpopulation in der Elbe zusammenbrechen“, befürchtet Heike Kramer. Die stillgelegte Lockströmung an der Fischtreppe müsse schnell reaktiviert werden. 90 Prozent des Laichgebietes der Fische lägen hinter dem Geesthachter Stauwehr.

Nabu verlangt Öffnung des Rönner Werders

„Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass Gewässer durchgängig sein müssen, um auch beim Fischbestand einen guten ökologischen Zustand zu erreichen“, sagt Thomas Behrends von der Landeswasserstelle beim Nabu Schleswig-Holstein.

Spätestens zum September 2020 müsse der Fischaufstieg neu hergestellt und auffindbar sein, fordern die Umweltverbände. Dann könnte die nächste Laichsaison gesichert werden. Zudem verlangt der Nabu die Öffnung des unterhalb des Wehres abgeschotteten Rönner Werders. Der etwa zwei Kilometer lange Seitenarm der Elbe würde einen neuen Tideauen-Lebensraum erschließen.

WSA: Geht nicht im Hauruck-Verfahren

Tilman Treber vom WSA in Lauenburg ist skeptisch, dass der Fischaufstieg zum geforderten Termin wieder hergestellt werden kann. „Wir versuchen, es schnell hinzukriegen“, sagt er. Aber die bauliche Instandsetzung müsse mit Sinn und Verstand gemacht werden, gehe nicht im Hauruck-Verfahren. Zunächst müsse man ein Konzept entwickeln, dann die nötigen Fachfirmen finden. Immerhin: „Wir sind im Dialog mit Vattenfall“, sagt Treber, es habe „zielführende“ Gespräche gegeben, wie vorzugehen sei. Noch im Dezember solle es ein weiteres Treffen geben.

„Wir als Vattenfall haben ein hohes Interesse daran, dass die Fische ungehindert wandern können. Dazu sind wir in engem Austausch mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, um optimale Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Fische die Anlage wieder finden“, sagt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger.