Eisbrecherflotte

Geesthacht Eisbrecher hoffen auf einen strengen Winter

Die Besatzung der „Wisent“ hofft auf einen „eisigen“ Winter mit viel zu tun.

Die Besatzung der „Wisent“ hofft auf einen „eisigen“ Winter mit viel zu tun.

Foto: Timo Jann

Die in Geesthacht stationierte Eisbrecherflotte bereitet sich auf die Saison vor.

Geesthacht. „Leinen los!“, hieß es für die im Geesthachter Hafen stationierten Eisbrecher: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatte die Besatzungen aus den Außenbezirken Geesthacht, Waren, Grabow und Herrenhof zusammengeholt, um die Spezialschiffe auf Herz und Nieren zu testen. „Dieses Treffen gibt es vor jeder Saison. Wir stellen dann die Besatzungen zusammen und prüfen alle Funktionen der Schiffe“, sagt Andreas Schultz. Er koordiniert die Flotte im Fall eines Eisaufbruchs.

Spezialschiffe werden auf Herz und Nieren getestet

Die Crew kommt bei Bedarf aus den norddeutschen Bundesländern zusammen, lebt und arbeitet dann an Bord. „Den letzten richtigen Winter mit viel Eis hatten wir 2012“, erinnert sich Schultz. Damals war die Lage dramatisch, erstmals in der Geschichte waren die Schiffe für einen Eisaufbruch nachts im Einsatz. Es musste verhindert werden, dass sich eine Barriere auftürmt und den Wasserablauf blockiert. Noch kälter als 2012 war es 1996, als die Eisschollen auf der Oberelbe zum Stillstand kamen und der Fluss begehbar wurde.

Die Schiffe, die in Geesthacht liegen, heißen „Keiler“, „Widder“, „Wolf“ und „Bär“ und haben teilweise mehr als 1000 PS. Die 1960 gebaute „Bison“ ist mittlerweile verschlissen und ausgemustert worden. 2022 soll sie durch einen Neubau ersetzt werden. „Büffel“ erhielt im Sommer eine neue Außenhaut und zusätzliche Stabilisatoren. Die relativ neuen Schiffe „Biber“ und „Elbe“ sind Mehrzweckschiffe, die ihre Eis-Tauglichkeit bisher noch nicht unter Beweis stellen konnten.

Richtige Eisaufbrüche kann man nicht testen

„Wir checken jetzt zwar die ganze Technik, aber die Bedingungen des Eisaufbruchs gibt es nur in der Realität. Da werden an die Schiffe enorme Anforderungen gestellt, die man gar nicht testen kann“, sagt Schultz. „Es wird Zeit, dass wir mal wieder einen Aufbruch starten müssen. Die jungen Kollegen sollen von den älteren Kollegen lernen, wie das läuft“, sagt Schultz. Ohne Eis könnte mit dem Renteneintritt älterer Kollegen viel Wissen verloren gehen.

Früher lockte das Spektakel viele Schaulustige

„Der Eisaufbruch ist immer eine spannende Sache“, sagt Thomas Höppner, Matrose auf der „Bär“. Früher lockte das Spektakel viele Schaulustige ans Elbufer. Doch die Situation ist gefährlich. So muss der Aufbruch gegen den Strom erfolgen. Dann muss das Eis so geknackt werden, dass es keine zu großen Stücke werden, die die Schiffe unter Wasser drücken könnten. Deshalb arbeiten die Besatzungen normalerweise nicht nachts.

Ob es in dieser Saison Eis geben wird, lässt sich nicht absehen. „An der Elbe reichen einige Nächte mit -10 Grad Lufttemperatur“, weiß Schultz. Im eisigen Wasser der Elbe bildet sich dann innerhalb von Tagen sogenanntes Grundeis, das an die Oberfläche steigt.