Testlauf

Wie schlau darf ein Lichtmast sein?

Elektriker Jens Bauer Elektriker von der Stadt bei Arbeiten am Strandweg. Dieser war für einen Testlauf für intelligentes Licht im Gespräch. Foto: Stadt Geesthacht.

Elektriker Jens Bauer Elektriker von der Stadt bei Arbeiten am Strandweg. Dieser war für einen Testlauf für intelligentes Licht im Gespräch. Foto: Stadt Geesthacht.

Foto: Stadt Geesthacht

Geesthachter Ausschuss für Umwelt und Energie ließ sich von einem Experten erklären, was mit einer intelligenten Lichtlösung alles möglich ist

Geesthacht. Ein freier Parkplatz, bei dem die Straßenlaterne davor heller leuchtet als die in der Umgebung, um Autofahrer auf die Stellfläche aufmerksam zu machen. Der Schriftzug „Vorsicht, Eisglätte“, der von einer anderen Straßenlaterne zur Warnung auf den Gehweg projeziert wird, und die man sich gut vor einem Seniorenheim denken kann. Es ist keine Zukunftsmusik, der die Mitglieder auf der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Energie da lauschten.

Zu Gast war Jens Strohmeier, Experte von der Firma Siteco, die sich spezialisiert hat auf „intelligente Lichtlösungen für die Straßen und Wegebeleuchtung“, so das Firmenselbstverständnis. Die neuen „SL 11-Mirko-Leuchtköpfe“ des Unternehmens wurden bereits im Oktober bei der Lichtmodernisierung des Strandweges verbaut. Eingeladen in den Ausschuss hatte den Berater die CDU.

Graffiti-Sprühen wird gemeldet

Strohmeier zeigte mit seinem Papier von der „Smart City“, was mittlerweile alles möglich ist. Auch in Sachen Überwachung. Es gäbe die Bereiche Smart Parking, Smart Traffic und Smart Security, führte Jens Strohmeier aus. Mit dem Vollpaket ließe sich da eine sichere Umgebung erzeugen, Bewegung automatisch erkennen, Graffiti-Sprüher oder illegale Plakat-Anbringer würden gemeldet. Es gäbe zwei unterschiedliche Sensoren für die Lampen, erklärte Strohmeier. Welche mit IR – Wärmeerkennung – und solche mit Radar, die auf Bewegung reagieren würden.

Das ging einigen dann doch ein wenig zu weit. „Das halte ich für äußerst kritisch“, merkte etwa Ausschussmitglied Hans-Werner Madaus (SPD) an. „Ich weiß nicht, was da für Daten gesammelt werden, was kann man da tatsächlich draus sehen?“, fragte zweifelnd Christoph Hinrichs (Die Linke) in die Runde.

Weniger Insektensterben durch Licht

Trotzdem: Die Aussicht, Energie sparen zu können mit einem ökonomischen System, das mit Licht nach Bedarf reagieren kann, war verlockend. Weitere Vorteile fanden sich: mutmaßlich besser für Insekten, die vom Licht angezogen werden, krankmachender Lichtsmog könne reduziert werden, und der Zustand im Falle einer Reparatur ließe sich über einen QR-Code schnell auslesen. Die Kosten für eine Nachrüstung liegen laut Jens Strohmeier pro Mast bei 150 bis 250 Euro.

Blieb die Frage, welche Straße für einen Testlauf geeignet wäre. Experte Guido Stille vom Fachdienst Tiefbau der Stadt meinte, „man muss eine Straße nehmen, die nachts nicht so frequentiert ist.“ Sein Favorit war der Strandweg mit seinen zehn Lampenmasten. Hans-Werner Maddaus (SPD) leuchtete das nicht ein. Er fand es problematisch, funktionierende Lampen „aufzupimpen“, obwohl deren Lebenszyklus noch da sei. Somit kamen die Neubauprojekte Finkenweg Nord, Hafencity und Besenhorst zur – erfolgreichen – Abstimmung ins Spiel, „weil man da eh neue Lampen aufstellt“, erklärte Ausschussvorstitzender Thomas Markwart (CDU) pragmatisch.

Testlauf vorgeschlagen in einem Neubaugebiet

Das Vorgehen: Die Verwaltung erarbeitet ein Konzept für eines oder mehrere der Areale und spielt den Ball zurück an den Ausschuss. Dann wird erneut debattiert. Eines aber stellt Thomas Markwart bereits jetzt klar: „Wir werden definitiv keine Bewachung installieren“, verspricht er. Keiner hätte Interesse an so einem Sicherheitspaket.