Geesthacht

Nach Protestaufruf: „Smux“-Wirtin wird bedroht

Susanne Voges ist Betreiberin der Kulturkneipe „SmuX“. Zu dem Protest gegen die AfD-Veranstaltung hatte sie aber privat als Geesthachterin aufgerufen: „Unsere Meinungsfreiheit und Debattenkultur ist in Gefahr.“

Susanne Voges ist Betreiberin der Kulturkneipe „SmuX“. Zu dem Protest gegen die AfD-Veranstaltung hatte sie aber privat als Geesthachterin aufgerufen: „Unsere Meinungsfreiheit und Debattenkultur ist in Gefahr.“

Foto: bz

Die 54-Jährige hatte zuvor in der Facebookgruppe „Geesthachter“ zum Protest gegen eine AfD-Parteiveranstaltung aufgerufen.

Geesthacht.  Die Betreiberin der Kulturkneipe „SmuX“, Susanne Voges, wird massiv bedroht. Zuvor hatte die 54-Jährige unter ihrem privaten Profil in der Facebookgruppe „Geesthachter“ zum Protest gegen die Parteiveranstaltung „Die AfD im Kulturkampf“ am vergangenen Sonnabend aufgerufen (wir berichteten). Sowohl der Protest als auch die Debatte darüber bei Facebook ist eskaliert, nun aus dem Ruder gelaufen.

In der Nacht vor der AfD-Veranstaltung hatten unbekannte Täter den Veranstaltungsort, das städtische Mehrgenerationenhaus Oberstadttreff, rundum mit Parolen besprüht – Mauern, Fenster und einen geparkten Transporter großflächig mit Farbe überzogen. Der Schaden geht in die Tausende.

Voges: „Die Sprayer sind kriminell“

„Die Sprayer sind kriminell, was da passiert ist, ist ganz schlimm“, sagt Susanne Voges: „Bei Facebook werde nun ich dafür verantwortlich gemacht und bedroht. Dabei hatte ich ausdrücklich und unmissverständlich zu einem ,friedlichen Protest’ aufgerufen und nur aufgefordert, durch Anwesenheit Flagge zu zeigen.“

Obwohl Voges sich sofort von den Schmierereien distanzierte, werden sie und ihre Kulturkneipe nun massiv in der Facebook Gruppe bedroht. „Die bunte Farbe würde dem SmuX auch gut stehen“, schreibt ein bekennender AfD-Anhänger und ein weiteres Gruppenmitglied fügt gewollt doppeldeutig hinzu: „Ich habe schon mal auf verschiedenen Seiten Werbung für das SmuX gemacht.“ Eine Userin begrüßt das: Dort treibe sich nur „verficktes Zeckenpack“ herum.

Kommentare der Polizei übergeben

Der Betreiberin der Kulturkneipe geht das eindeutig zu weit: „Ich habe keine Angst um meine Wände, aber um die Meinungsfreiheit. Die AfD darf sich versammeln. Gegen deren politische Gesinnung muss man auch friedlich protestieren können, ohne bedroht zu werden.“

Voges hat die Kommentare gesichert und die Polizei informiert. Mehr als 500 Reaktionen fanden sich zeitweise in dem verbalen Schlagabtausch unter Voges Original-Post, aber keine offiziellen der Stadt-Geesthacht.

Hassbotschaften trauriger Alltag

Für Politiker sind Drohungen und Hassbotschaften bereits trauriger Alltag. Im Niedersächsischen Landtag seien zwei Drittel der Abgeordneten aller Parteien betroffen, so eine gestern veröffentlichte Umfrage des NDR. BKA-Präsident Holger Münch spricht bei sozialen Netzwerken von einem „Resonanzraum, der die Radikalisierung von Einzelpersonen fördert.“

Für Susanne Voges bestätigen die Drohungen ihre Haltung gegenüber der AfD und deren Anhängern: „Wir dürfen nicht abwarten, um hinterher zu sagen, wir haben es nicht kommen sehen.“