Vortrag

Computerspiele: „Es geht nur noch ums abgezockt werden“

Ganz Ohr: Thomas Feibel bei seinem Auftritt vor Achtklässlern des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG).

Ganz Ohr: Thomas Feibel bei seinem Auftritt vor Achtklässlern des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG).

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

In Geesthacht gab der Spiele-Journalist Thomas Feibel (57) Einblick in seinen Beruf. Auch das Online-Datensammeln macht dem Buchautor Sorgen.

Geesthacht. Stadtreinigung? Bürojob? Handwerker? Was könnte der Mann im Oberhemd und schwarzen Pullover beruflich machen? Diese Frage stellte der Mann am Mittwoch seinem Publikum in der Stadtbücherei. Thomas Feibel (57) trat anlässlich der 36. Kinder- und Jugendbuchwochen vor Achtklässlern des Otto-Hahn-Gymnasiums auf.

Doch die richtige Antwort hatte niemand parat. „Ihr müsst jetzt sehr stark sein“, warf der Berliner ein, „denn ich muss jeden Tag Computerspiele testen.“ Ein anerkennendes Raunen machte sich im Raum breit – insbesondere unter den anwesenden Jungs. Als Feibel dann auch noch kundtat, dass er lieber auf der „Playstation“-Konsole als auf der „Xbox“ spiele, brandete kurzzeitig sogar Applaus auf. Er habe den „schlimmsten Beruf der Welt“ witzelte der Journalist und Buchautor.

Dabei gab er auch Details aus seinem Alltag preis – denn in der Tat sei nicht alles positiv, wenn man Computerspiele testen und anschließend in Fachmagazinen darüber schreiben dürfe. Insbesondere, wenn man es mal wieder mit der x-ten Auflage der Fußballsimulation „Fifa“ zu tun habe und mit keiner Neuentwicklung. Doch schlimmer sei diese Beobachtung: „Es geht nicht mehr ums Zocken, sondern nur noch ums abgezockt werden“, so Feibel.

Während früher Computerspieler sich ein Spiel kauften und es anschließend komplett besessen hätten, würden heute immer weitere Zusatzkosten aufgerufen. Etwa, wenn bei einem Autorennen ein neues, getuntes Modell gewünscht sei. Am schlimmsten seien aber angeblich kostenlose Smartphone-Spiele. So mache allein „Clash of Clans“ täglich fünf Millionen Dollar Umsatz mit „In-App-Käufen“, „Fortnite“ habe 2018 sogar drei Milliarden Euro gemacht – und zwar Reingewinn. Wieder geht ein Raunen durch die Menge, das dann aber verstummt, als Feibel mehr und mehr zu seinem Thema kommt: Wie Menschen freiwillig ihre Daten und die anderer Personen preisgeben.

Wie etwa der 15-jährige Josh, über den Feibel in seinem Buch „#selbstschuld – Was heißt schon privat“ schreibt. Weil der eifersüchtig auf einen Kumpel ist, loggt er sich heimlich auf dessen Social-Media-Account ein und verschickt das Bild einer leicht bekleideten Klassenkameradin an seine Online-Freunde. Die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer hatte Feibel – doch das Lachen war verflogen.