Landgericht

Hitziger Auftakt im Drogenprozess gegen Geesthachter

Die Angeklagten Max M. (34, li.), Roman D. (33, Mitte) und Adrian B. (40, re.) mit ihren Verteidigern.

Die Angeklagten Max M. (34, li.), Roman D. (33, Mitte) und Adrian B. (40, re.) mit ihren Verteidigern.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Seit Dienstag muss sich Adrian B. (40) mit zwei Mitangeklagten verantworten. Er sieht sich vorverurteilt durch die Vorsitzende Richterin.

Geesthacht/Lübeck. Akkurater Haarschnitt, ein frisch gebügeltes Hemd im Pullover: Der Geesthachter Adrian B. (40) hat sich am Dienstag alle Mühe gegeben, einen möglichst korrekten Eindruck auf die 7. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts zu machen. Für ihn geht es um einiges. Er ist mit den beiden Hamburgern Max M. (34) und Roman D. (33) wegen Drogenhandels im großen Stil angeklagt.

Ermittlungsgruppe stürmte Wohnhaus in Rönne

Dabei soll das Geschäft für den Geesthachter besonders lohnend gewesen sein: Laut Anklage hat er zwischen Oktober 2016 und Juni 2017 mehr als 55.000 Euro mit den Drogen einnehmen können. Zumindest theoretisch – denn ein Teil der Ware gelangte nicht mehr an die Abnehmer.

Ein Grund dafür war eine Aktion der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Lübeck (GER), zu der neben Polizei und Staatsanwaltschaft auch der Zoll gehört. Am 5. April 2017 drangen die GER-Einsatzkräfte in ein Wohnhaus im Marschachter Ortsteil Rönne ein. Mieter des Hauses soll der Geesthachter gewesen sein. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Beamten 6,7 Kilogramm Marihuana-Blüten.

Laut dem Ersten Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld habe Adrian B. die Cannabis-Plantage mit seinem gesondert verfolgten Komplizen P. geplant. Die Mitangeklagten sollten ihr „Wissen um Aufbau und Unterhalt einer Plantage einbringen“, so Bergfeld.

Expertise auf dem Gebiet hat das Duo offenbar. So stellte die Polizei in Hamburg-Niendorf, in der Wohnung von Max M., die von Roman D. bewohnt wurde, eine weitere Plantage mit 128 Cannabis-Pflanzen sicher – knapp 1,3 Kilogramm Marihuana.

40.000 Euro mit Kokain verdient

In Rönne soll das Trio insgesamt über zehn Kilogramm der Drogen geerntet haben. Bei einem Weiterverkaufswert von 4,80 Euro pro Gramm habe jeder der Angeklagten über 15.000 Euro verdienen können, so die Anklage. Die Information über den Wiederverkaufswert hat die Staatsanwaltschaft von Adrian B., der sich gegenüber der Polizei bereits kooperativ gezeigt hat. Er hatte in den Vernehmungen auch schon eingeräumt, insgesamt 800 Gramm Kokain in einer Sportsbar in Billstedt gekauft und dieses anschließend für rund 40.000 Euro weiterverkauft zu haben.

Am Dienstag jedoch schwiegen die beiden Hamburger und der Geesthachter. Seine Anwältin Angela Wierig, die bereits eine Hamburger Nebenklägerin im Münchner NSU-Prozess vertreten hatte, stellte einen Befangenheitsantrag vor Gericht. Auslöser sei die Aussage von Adrian B. gewesen, der 2018 im Prozess gegen seinen Komplizen P. aufgetreten war. Ebenso wie im aktuellen Prozess habe die Vorsitzende Richterin damals Helga von Lukowicz geheißen. Als Adrian B. seinerzeit zu spät zur Verhandlung erschienen sei, habe sie ihn mit den Worten begrüßt: „Ach, Sie sind also der Zeuge, dem man nicht glauben kann!“ Ihr Mandant sei dadurch nicht nur „in hohem Maße verunsichert worden“, die Vorsitzende habe gezeigt, dass sie „Ressentiments gegen seine Person hat.“

Staatsanwalt: „Ich habe Ihnen auch nicht geglaubt“

Der Erste Staatsanwalt gab in einer Sitzungspause gegenüber B. jetzt zu: „Ich habe Ihnen damals auch nicht geglaubt.“ An eine solche Aussage der Vorsitzenden könne er sich jedoch nicht erinnern. Die dafür zuständige 1. Große Strafkammer wies den Befangenheitsantrag ab. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.