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Oberstadttreff: AfD-„Kulturkampf“ in Geesthacht

AfD-Philosoph mit dem Hang zu deutlichen Ausdrücken: Dr. Marc Jongen (51)

AfD-Philosoph mit dem Hang zu deutlichen Ausdrücken: Dr. Marc Jongen (51)

Foto: imago stock&people / imago/Gerhard Leber

Dr. Marc Jongen (51) gilt als „Parteiphilosoph“ der AfD. In Geesthacht rufen CDU, Grüne und SPD zum stillen Protest gegen seine Veranstaltung auf.

Geesthacht. Er ist Schüler des Philosophen Peter Sloterdijk und gilt als „Parteiphilosoph“ der AfD: Dr. Marc Jongen (51). Der Bundestagsabgeordnete tritt am Sonnabend, 23. November, von 16 Uhr an unter dem Titel „Die AfD im Kulturkampf“ im Geesthachter Oberstadttreff auf. Die Ankündigung sorgt seit Tagen für intensive Debatten.

„Entsiffung des Kulturbetriebs“ als Ziel

Jongen ist ein Freund deutlicher Worte. Nachdem ihm im Januar 2018 die Funktion des kulturpolitischen AfD-Fraktionssprechers angedient worden war, teilte er auf seiner Homepage mit: „Es wird mir eine Ehre und Freude sein, dieses Amt auszuüben und die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen.“

Gegenüber unserer Zeitung wies Jongen den Verdacht zurück, dass es sich bei dem Titel der Veranstaltung um eine bewusste Provokation handelt: „Die Polarisierung in der deutschen Gesellschaft ist nicht durch die AfD eingetreten, sondern durch die schädliche Politik der Regierung Merkel. Ich habe mit dem Titel keinen Effekt kalkuliert, sondern möchte informieren und aufklären.“

„Kampf der Kulturen“ als Vorbild?

Der Begriff „Kulturkampf“ wurde ursprünglich verwendet, um den Konflikt zwischen dem evangelisch dominierten Deutschen Reich und der katholischen Kirche zu benennen. Der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington veröffentlichte dann 1996 sein Buch „Clash of Civilizations“ (Kampf der Kulturen). Darin definiert er „Bruchlinien“ zwischen „Kulturkreisen“ wie „Westlich“ und „Islamisch“.

Marc Jongen will nach eigenen Angaben vor allem über die Nachwirkungen der 1968er-Bewegung sprechen: „Es geht um Deutungshoheiten, um die Auslegung wichtiger Begriffe in unserer Demokratie und die Herrschaft über die öffentliche Meinung. Ich berichte darüber, wie sich die AfD im Bundestag und außerhalb gegen die linke Kulturhegemonie zur Wehr setzt.“

Jusos wollen mit Besuchern vor Ort sprechen

Die Geesthachter Nachwuchsorganisationen von SPD und Grünen planen einen stillen Protest. „Wir wollen mit den Besuchern der AfD-Veranstaltung ins Gespräch kommen und versuchen, den Leuten zu vermitteln, dass sie etwas Undemokratisches und Fremdenfeindliches unterstützen“, sagt Dennis Weber von den Jusos. CDU-Ortsverbandschefin Nicole Voss rief via Facebook zum Spaziergang am Dialogweg auf. Demonstrationsanmeldungen gab es bei der zuständigen Kreisverwaltung bis Dienstagnachmittag nicht.

Die Stadt teilte mit: „Anhaltspunkte, dass beabsichtigt ist, auf der angekündigten Veranstaltung zu strafbaren oder menschenverachtenden Handlungen aufzurufen oder solche zu begehen, liegen der Stadtverwaltung nicht vor. Eine nicht verbotene Partei von der Nutzung öffentlicher Räume deshalb auszuschließen, weil sie sich am Rande des politischen Spektrums bewegt, ist nicht möglich.“