Nachspiel

Verbände machen Front gegen Umgehungsstraße

So soll die Ortsumgehung Geesthacht aussehen: Rot markiert sind sämtliche neuen Bauwerke entlang der knapp elf Kilometer langen Strecke zwischen Escheburg (li.) und Grünhof-Tesperhude (u. re.)

So soll die Ortsumgehung Geesthacht aussehen: Rot markiert sind sämtliche neuen Bauwerke entlang der knapp elf Kilometer langen Strecke zwischen Escheburg (li.) und Grünhof-Tesperhude (u. re.)

Foto: LBV.SH

BUND, Nabu und ADFC in Geesthacht fordern, die Planungen für das „rücksichtslose Projekt“ umgehend zu stoppen. Klagen sind schon in Vorbereitung.

Geesthacht. Drei Tage lang diskutierten sich in der vergangenen Woche Vertreter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) und zahlreiche Einwender beim Erörterungstermin zur geplanten Geesthachter Umgehungsstraße die Köpfe heiß. Am Dienstag meldeten sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Naturschutzverbände Nabu und BUND sowie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) zu Wort. Sie fordern darin das Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) auf, das Verfahren einzustellen: „Politik und Verwaltung müssen dieses gegen Klimaschutz, Menschen, Umwelt und Natur rücksichtslose Projekt stoppen zugunsten einer ökologisch nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur!“, heißt es wörtlich in der Mitteilung.

Verbände fordern neues Verkehrsgutachten

Zunächst lobten die Vertreter die von ihnen als „fair und kompetent“ empfundene Erörterung. Diese Einschätzung teilt der LBV auf Nachfrage: „Die Gesprächsatmosphäre war trotz der Differenzen zwischen den Einwendern und dem Vorhabenträger sehr gut.“ Das waren dann aber auch schon die Nettigkeiten. Die Naturschutzverbände kommen hinsichtlich des elf Kilometer langen Straßenbauvorhabens zwischen Escheburg und Grünhof-Tesperhude, für das der LBV aktuell noch 125 Millionen Euro veranschlagt, schnell zum Punkt und beantragen „gemäß dem von der Bundesumweltministerin als notwendig erachteten Paradigmenwechsel beim Klimaschutz neue Verkehrsgutachten zu erstellen und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept gemeinsam mit den Umlandgemeinden und den Verbänden zu erstellen“. Weiter heißt es: „Der LBV zog sich auf seine veralteten Richtlinien zurück, wollte die vorgehaltenen Planungsdefizite nicht eingestehen und seine Pläne nicht oder nur unmaßgeblich ändern.“

Ein Beispiel für eine solche mögliche Änderung ist die Reitanlage Pfeiffer, die eine neue Reithalle an der Stelle errichtet hat, wo das „Ohr“ der geplanten Autobahn-Anschlussstelle Geesthacht-West entstehen soll (wir berichteten). Die Betreiber fordern vom LBV eine Verlegung der Anschlussstelle nach Osten. Von der Behörde erfuhren die Einwender bei der Erörterung dagegen Ablehnung. So sei es nicht möglich, das geplante Brückenbauwerk über den Geesthang weiter nach Osten zu verschieben, weil sich dadurch die Radien der A 25 unzulässig verändern würden.

Brücke gefährde Laubbaumbestand

Die Naturschützer kritisieren ebenso wie die Reiter das geplante Brückenbauwerk, das den in weiten Teilen unberührten Geesthang zerschneiden würde. So sei laut den Naturschützern der besonders schützenswerte Laubbaumbestand des Kerbtals Gammer Weg betroffen, zudem drohe mehr statt weniger Verkehr. Hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen für den Fall, dass das APV des Verkehrsministeriums einen Planfeststellungsbeschluss fasst.

Die Verbände kritisieren, dass laut Gutachten nur 10,7 Prozent des Verkehrs in Geesthacht Durchgangsverkehr sei. Dadurch reduziere sich die Belastung an der B 404 und B 5 nur minimal. Gleichzeitig würde durch die Verlängerung der Autobahn bis in Höhe des Gewerbegebiets an der Mercatorstraße zusätzlicher Verkehr angezogen und insbesondere durch Hohenhorn mehr Verkehr fließen. Dazu werde es zu einer „Verlärmung“ kommen, weil die Umgehungsstraße auf einem Damm geplant ist, von dem aus der Verkehrslärm weit getragen werde – überdies sei für Grünhof kein Lärmschutz vorgesehen und es fehle eine „umfassende CO2-Bilanz“.

„Sofern erforderlich, werden Planungsanpassungen vorgenommen“, teilt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) dazu auf Nachfrage mit. Das APV müsse dann entscheiden, „ob ein Beteiligungsverfahren vorzunehmen ist oder eine komplette Neuauslegung durchgeführt werden muss“. Und weiter: „Zu den Zeitintervallen kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden.“