Bebauung

Finkenweg-Nord: Das Grün weicht bald 300 Wohnungen

Die drei Ackerflächen zwischen der Wilhelm-Holert-Straße (rechts) und der bestehenden Bebauung am Zöllnersweg und am Sophie-Scholl-Ring sollen zum Neubaugebiet Finkenweg-Nord werden.

Die drei Ackerflächen zwischen der Wilhelm-Holert-Straße (rechts) und der bestehenden Bebauung am Zöllnersweg und am Sophie-Scholl-Ring sollen zum Neubaugebiet Finkenweg-Nord werden.

Foto: Timo Jann

Seit Jahren diskutiert Geesthacht über das Projekt. Jetzt ist auch der Streit um die Sozialwohnungen beigelegt und der B-Plan wird ausgelegt.

Geesthacht. 300 neue Wohnungen in Einfamilien-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern, eine Kindertagesstätte mit 80 Plätzen, weitläufige Grünzüge sowie ein öffentlicher Quartiersplatz – das sind die Eckpunkte für die Bebauung des 11,9 Hektar großen Areals Finkenweg-Nord. Zwischen den bestehenden Siedlungen am Sophie-Scholl-Ring und am Zöllnersweg bis an die Wilhelm-Holert-Straße als Zufahrt ins Neubaugebiet Finkenweg-Ost sollen frühere Ackerflächen bebaut werden.

Der Ausschuss für Stadt- und Verkehrsplanung hat die öffentliche Auslegung des Entwurfs für den Bebauungsplan (B-Plan) beschlossen. „Das hätte auch schon alles viel früher passieren können, aber nun hat es halt etwas gedauert. Die brisanten Themen scheint man ja jetzt ausgeräumt zu haben“, sagte Uwe Gerner. Der Unternehmer will ein Drittel der Fläche entwickeln, der städtischen Grundstücksvermarktungsgesellschaft den Rest. 20 Prozent bleiben als Wald- oder Grünfläche erhalten. Abzüglich von Verkehrsflächen bleiben etwa sieben Hektar (70.000 Quadratmeter) für die Bebauung.

Der Streit um die Sozialwohnungen am Finkenweg-Nord ist damit beigelegt. Da hier ein neuer B-Plan erstellt wird, greift die Regelung, die 2016 die Ratsversammlung beschlossen hat. Danach wird bei Neubauvorhaben mit mehr als 16 Wohnungen mindestens ein Anteil von 25 Prozent – mindestens 15 Prozent der Wohnfläche – als Sozialwohnungen geschaffen. Noch vor einem Jahr hatte Gerner dies kritisiert – mit der Begründung, dass er unter dieser Voraussetzung keinen Investor finde, der das von ihm an der Ecke Hohenhorner Weg /Wilhelm-Holert-Straße geplante dreigeschossige Mehrfamilienhaus als Sozialwohnungsbau errichtet. Gerner schrieb damals einen Brandbrief an die Verwaltung. Die wollte daraufhin ihre Flächen allein überplanen.

„Der Bürgermeister hat alles beantwortet“

Die folgenden Gespräche hatten schließlich Erfolg. „Der städtebauliche Vertrag an sich war nicht strittig und die Sozialwohnungen waren nur ein Punkt, der darin zu regeln gewesen war“, sagte Uwe Gerner am Mittwoch auf Nachfrage. „Der Bürgermeister hat alles beantwortet und damit war das Thema für mich erledigt“, so Gerner jetzt.

Insgesamt sollen 75 Sozialwohnungen realisiert werden – 50 davon auf dem städtischen Geländeteil und 25 auf dem Gerner-Areal. Der Projektentwickler betont, dass kein Tag vergehe, an dem nicht jemand nach einem Bauplatz für ein Einfamilienhaus bei ihm anfrage – entsprechend groß sei der Druck. Dennoch lief die Planung für Finkenweg-Nord ungewöhnlich schleppend.

Die Grünen waren von Anfang an dagegen, die SPD konnte sich erst spät durchringen. Stadtplaner Kai-Uwe Oberthür räumte im Ausschuss ein, dass es länger gedauert habe. Aber jetzt seien alle Bedingungen berücksichtigt – so etwa die geforderten drei Meter Abstand zum bestehenden Wald.

Sven Minge (Pro Geesthacht) bemängelte aktuell die Erschließung. „Ein Verkehrskonzept kann ich nicht erkennen“, meinte er angesichts einer einzigen Zufahrt für Finkenweg-Ost und -Nord. „Das ist das Konzept“, hielt Geesthachts Bauamtsleiter Peter Junge dagegen. Ein Gutachter hat prognostiziert, dass mit täglich 2000 zusätzlichen Autofahrten zu rechnen sei. Diese Zahl könne über den Kreisel an der Mercatorstraße abgewickelt werden.

Petra Burmeister (SPD) fürchtet dagegen ein Stellplatzproblem. Ein halber Stellplatz pro Geschosswohnung, zwei für die anderen Häuser und ein Besucherparkplatz für je zehn Wohnungen sind hier vorgesehen.

Nur Stadtwerke-Fernwärme – Keine Gasanschlüsse

Vor Lärm warnt Gerhard Boll (Grüne). Die Umgehungsstraße werde auf einem Damm für ein dauerhaftes Rauschen sorgen. Lärmschutz sei nicht nötig, sagt dagegen Oberthür. Und die Gestaltung des Verkehrsraums selbst erfolge erst in der tiefbaulichen Planung.

Festgesetzt wird im B-Plan eine Gebäudehöhe von maximal 14,50 Metern (dreigeschossig plus Staffelgeschoss). Dächer sollen nur matt belegt werden. Für einen Teil werden Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung vorgeschrieben. Geesthachts Stadtwerken soll die Fernwärmeversorgung der Siedlung sicherstellen. Eine Erdgasleitung wird nicht geplant.