Energiewende

CO2-Steuer: „Die zehn Euro werden nichts bringen“

Prof. Dr. Werner Beba am Montagabend bei seinem Auftritt im „Treffpunkt Krümmel“ von Kernkraftwerksbetreiber Vattenfall in dessen Schulungs- und Kommunikationszentrum.

Prof. Dr. Werner Beba am Montagabend bei seinem Auftritt im „Treffpunkt Krümmel“ von Kernkraftwerksbetreiber Vattenfall in dessen Schulungs- und Kommunikationszentrum.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Energiewende-Experte Prof. Dr. Werner Beba stellt in Geesthacht Forderungen auf: Steuer müsse auf 60 Euro steigen – erst dann reagiere Industrie.

Geesthacht. Gerade hat sich in Berlin die Große Koalition auf eine Besteuerung von CO2-Emissionen mit zehn Euro pro Tonne geeinigt, um die Energiewende in Deutschland voranzutreiben. „Die zehn Euro werden nichts bringen“, betonte dagegen am Montagabend der Bergedorfer Prof. Dr. Werner Beba vor rund 100 Gästen aus Politik, Verwaltung und Naturschutzverbänden beim Vattenfall-Infotermin „Treffpunkt Krümmel“ am stillgelegten Kernkraftwerk.

„Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif“

So würden 2020 in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 48 Terawattstunden (TWh) aus Erneuerbaren Energien produzieren, bei einem aktuellen Verbrauch von von 158 TWh. Bis 2050 müsse die Produktion auf mehr als 200 TWh mehr als vervierfacht werden, so Beba. Der Wissenschaftler ist Projektkoordinator der Norddeutschen Energiewende (NEW 4.0), die eine Kooperation von Hamburg und Schleswig-Holstein ist – mit 60 Partnern in 100 Projekten, die bis 2020 gefördert aus Bundesmitteln an dem intelligenten Energienetz der Zukunft tüfteln. Ein Partner ist der schwedische Energieriese Vattenfall.

„Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif“, sagte Beba. So werde erst ab einem Wert von 60 Euro pro Tonne und gleichzeitiger Rücknahme der staatlichen Abgaben auf die Wärmeproduktion in Elektrokesseln beispielsweise die Investition in „Power to Heat“- Technik für Industriebetriebe rentabel und damit interessant. Diese Technik wird genutzt, um Spitzenlasten abzufedern, wie sie etwa aus Windkraft entstehen. Wird besonders viel Strom ins Netz eingespeist, wird dieser in Elektrokesseln zur Wärmeerzeugung genutzt. Hierdurch soll nicht nur CO2 gespart, sondern auch die Netzfrequenz (50 Hertz) geregelt werden, die nur 0,2 Punkte nach oben und unten abweichen darf.

Schizophren: Japan nutze Wasserstoff aus Kohle

Interessant seit dies laut Beba für die Hochenergie-Industrie, in der deutschlandweit zehn bis 15 Gigawatt flexibilisiert werden könnten, um eine sichere Energieversorgung zu garantieren. So entfallen in der Hansestadt rund 30 Prozent des Stromverbrauchs auf die Industrie und von diesem Anteil wiederum insgesamt 27 Prozent auf den Stahlproduzenten ArcelorMittal und die Metallhersteller Aurubis sowie Trimet.

Als Beispiel nannte Beba den ArcelorMittal-Chef, der in seinem Werk auch gerne Wasserstoff aus regenerativen Energien verfeuern würde, was sich wegen Stromsteuer, EEG-Umlage und Netzentgelt aber nicht rechne. Es sei für ihn vierfach billiger, „grauen Wasserstoff“ zu verfeuern, für dessen Produktion Steinkohle verbrannt wird. So mache es auch Japan, das 2030 Weltmarktführer bei Brennstoffzellen sein wolle. Der Wasserstoff hierfür werde laut Beba in Australien mit Kohle erzeugt und per Schiff geliefert. Der positive Klimaeffekt bestehe nur in Japan.

NEW 4.0 informiert in Geesthacht

Die interaktive „Roadshow“ zu NEW 4.0 ist im Vattenfall-Infozentrum (Elbuferstraße 80) zu sehen: 30. Oktober (16.30 bis 19 Uhr), 1. November (13 bis 17 Uhr) sowie 4. und 5. November (16.30 bis 19 Uhr). Schulen können sich noch für den 4., 5., 6. und 7. November für separate Führungen anmelden: Telefon (041 52) 15 40 00 oder E-Mail an karsten.wulff@vattenfall.de.