GITZ

Charles Bahr: Firmen gehen bei Azubi in die Lehre

Gefragter Berater: Der 17-Jährige Start-up-Gründer Charles Bahr trat auf Einladung der Arbeitsagentur Bad Oldesloe beim "Faktor A Business Talk" in den Räumen der Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum GmbH (GITZ) auf.

Gefragter Berater: Der 17-Jährige Start-up-Gründer Charles Bahr trat auf Einladung der Arbeitsagentur Bad Oldesloe beim "Faktor A Business Talk" in den Räumen der Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum GmbH (GITZ) auf.

Foto: Denise Ariaane Funke

Geesthacht. Der 17-jährige Start-up-Star weihte Unternehmer in Social-Media-Geheimnisse ein. „Jugendliche wollen auf Augenhöhe behandelt werden.“

Geesthacht. Seit einem Jahr geht Charles Bahr in die Lehre. Der Hamburger macht eine duale Ausbildung zum Marketingkaufmann – und zwar in seiner eigenen Firma. Bei dem 17-Jährigen, der zu den Stars der Start-up-Szene gehört, gingen jetzt Unternehmer im Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum (GITZ) in die Lehre. Sie besuchten den „Business Talk“ der Arbeitsagentur Bad Oldesloe.

Die Vollmacht der Mami in der Tasche

Wenn Charles Bahr auf Reisen ist braucht er dazu die Vollmacht seiner Mutter, die er immer bei sich trägt. Wie der Hase läuft, weiß er trotzdem. Schließlich gründete Bahr als Achtklässler seine erste Marketingagentur. Inzwischen hat er ein weiteres Start-up gegründet, das sich auf die Vermittlung von Azubis spezialisiert hat. Beide Unternehmen gehören rechtlich noch seiner Mutter.

Charles Bahr und sein Team arbeiten für große Unternehmen wie Rewe, die Techniker Krankenkasse oder den Allianz-Konzern. Die meisten seiner Mitarbeiter sind zwischen zwölf und
16 Jahre alt. Die Teenager sind die kreativen Köpfe der Unternehmen. „Die älteren Leute übernehmen das Organisatorische wie beispiels­weise die Autofahrten oder die Reisekostenabrechnungen“, so Charles Bahr.

Facebook? Das ist was für die Alten

Dem Begriff „ältere Leute“ ordnete er an diesem Abend auch gern seiner Zuhörerschaft zu, die nahm es nach dem ersten Schreck allerdings gelassen. Denn der junge Mann offenbarte ihnen wie die „Generation Z“ tickt. Dass selbst Snapchat nicht mehr angesagt sei, erfuhren die Zuhörer. Genauso, dass Kids (bis zwölf Jahre, Teens (bis 17) sowie Mini Millennials (bis 23) eher auf Online-Plattformen wie dem chinesischen Videoportal TikTok oder Instagram unterwegs seien.

„Die Sozialen Netzwerke sind unheimlich schnelllebig. Was heute cool ist, kann morgen schon wieder uncool sein“, erklärte der 17-Jährige. „Influencer haben kein Problem, 25 Fotos zu posten. Sie tun sich aber schwer, eine DIN-A4-Seite zu füllen. E-Mails sind bei den Jugendlichen auch nicht mehr angesagt. Die Kommunikation läuft eher über WhatsApp und Instagram“, sagte Bahr. Firmen, deren Mitarbeiter beispielsweise Storys posten – kleine Videos auf den angesagten Ka­nälen – finden leichter Auszubildende, da sich die meisten Jugendlichen für Zahlen wie Gründungsjahre und Umsätze nicht interessieren.

„Generation Z“ zeigt online, wie sie tickt

„Sie interessiert, was in der Firma genau gemacht wird, wie die Arbeitsgänge aussehen und so weiter,“ erläuterte der Jungunternehmer. „Jugendliche wollen auf Augenhöhe behandelt werden, und Aufgaben übertragen bekommen“, verriet der Teenager. Die Umwelt ist ihnen wichtig. Beispielsweise konnten Charles und seine Mitarbeiter herausfinden, dass McDonald’s bei vielen Jugendlichen einen so schlechten Ruf hat, da so viele Einwegverpackungen über den Tresen gehen. Wie die junge Generation tickt, erfahre man, wenn man auf einem der gängigen Social-Media-Portalen unterwegs ist. „Ihr werdet dann wahrscheinlich nach 45 Minuten von euren Kids blockiert, aber ihr solltet es ausprobieren“, scherzte er.

Dr. Heike Grote-Seifert, Leiterin der Arbeitsagentur, verzeichnet einen Anstieg an Videobewerbungen und Vorstellungsgesprächen via Skype. Monika Horstmann, Inhaberin der Tischlerei Horstmann mit Sitz in Lauenburg, setzt dagegen auf direkten Kontakt: „Wir laden regelmäßig Schulklassen ein, sich in unserem Betrieb umzuschauen. Aus jeder Gruppe sind mindestens fünf Kinder Feuer und Flamme für den Beruf des Tischlers. Mindestens drei von ihnen kommen dann als 14-Jährige für ein Praktikum zu machen“, sagte sie.

Charles Bahr: Ein Jugendlicher auf der Überholspur

Als er 15 Jahre war und noch ein Gymnasium in Eppendorf besuchte, stellte sich Charles Bahr nach eigener Aussage die Frage, warum Unternehmen so viel Geld für Facebook-Anzeigen ausgeben, obwohl seine „Generation Z“ die Plattform nicht nutzt. Er bezeichnet sie als „Medium unserer Eltern“, gründete sein Start-up „tubeconnect media“ und verließ nach der zehnten Klasse die Schule. Pro Jahr fliegt er über 100.000 Meilen, bekommt 1200 Euro Tagessatz und die Unternehmensanteile nächstes Jahr – wenn er 18 wird.