Prüfauftrag

St. Petri: Plötzlich wollen alle Geesthachter Kirche retten

Ihr droht der Abriss: die St.-Petri-Kirche am Spakenberg

Ihr droht der Abriss: die St.-Petri-Kirche am Spakenberg

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Geesthacht. In einem interfraktionellen Antrag soll Bürgermeister Olaf Schulze zum Handeln aufgefordert werden. Gespräche waren bislang erfolglos.

Geesthacht. Der markante Kirchturm St. Petris könnte frühestens nächstes Jahr fallen – zumindest, wenn es nach dem Gemeinderat der Evangelischen Kirchengemeinde Geesthacht geht. So soll im Mai oder Juni 2020 der letzte Gottesdienst in dem 56 Jahre alten Bau gefeiert werden. Diese Entscheidung erhitzt seit Monaten viele Gemüter.

Nachdem Einwohner Unterschriften gesammelt und für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes demonstriert haben, wird nun die Stadtpolitik aktiv. Gemeinsam fordern SPD, CDU, Grüne, Linke und BfG, dass die Verwaltung spätestens bis Ende März 2020 verschiedene Möglichkeiten überprüft, wie St. Petri vor dem Abriss bewahrt und für nicht-kirchliche Nutzungen erhalten werden kann. Die Gemeinde plant den Abriss vorbehaltlich der nötigen Zustimmung des Landesdenkmalschutzamtes.

Kommt doch die Kultur nach der Kirche?

„Kultur liegt als künftige Nutzung nahe, aber vielleicht ergeben sich ja im Rahmen der Prüfung auch noch andere Ansätze“, kommentierte Petra Burmeister (SPD) auf Nachfrage unserer Zeitung den von ihr formulierten, fraktionsübergreifenden Antrag. Mehrere Ideen für eine künftige Nutzung lägen bereits auf dem Tisch. So habe die Kirche beispielsweise die mögliche Einrichtung einer Kita in St. Petri untersucht und schließlich verworfen. Politiker hätten zudem die Montage einer Kletterwand im Kirchenschiff vorgeschlagen.

Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) kann sich die Kirche sowohl als Veranstaltungsort für Kulturelles vorstellen, aber auch als „Ort der Begegnung“ für Vereine und Einwohner. „Es wäre ein gutes Zeichen für die Oberstadt, wenn das Gebäude erhalten bleibt“, sagt der Verwaltungschef, der sich über eine Mehrheit für den Prüfauftrag freuen würde, weil diese ihm konkrete Gespräche über den Erhalt des Kirchengebäudes ermöglichen würde. „Wichtig wäre nun zu schauen, zu welchen Konditionen wir das Gebäude erhalten können“, sagt Schulze, der auch „neue Wege“ und die Einbeziehung der Einwohner nicht ausschließt.

Konkreter wird Petra Burmeister. So gäbe es beispielsweise die Idee, eine Stiftung für Wissenschaft und Kultur zu gründen. Auch das Stichwort „Bürgerstiftung“ fällt – und im Antrag der Hinweis, dass ein Geesthachter bereit sei, „für einen längeren Zeitraum einen mittleren fünfstelligen Betrag jährlich für den Erhalt des Gebäudes zu spenden“.

Städtische Trägerschaft wird weiterhin abgelehnt

Nach Angaben des Gemeinderates und Pastor Gunnar Penning seien solche Gespräche allerdings schon ausgiebig geführt worden – auch mit vermögenden Geesthachter Bürgern, der Lokalpolitik und dem Bürgermeister. Schulze habe es abgelehnt, das Gotteshaus in eine städtische Trägerschaft zu überführen. Dies sieht übrigens auch der interfraktionelle Antrag nicht vor, in dem es heißt: „Eine unmittelbare Trägerschaft der Stadt sollte dabei nicht in Betracht kommen.“ Über den Prüfauftrag soll im November beraten werden – entweder in der Haushaltssitzung des Finanzausschusses oder der Ratsversammlung.