Naturschutz

Baby-Igel sterben qualvollen Rattengift-Tod

Zwischen 20 und 30 Gramm wogen die kleinen Igel erst, als sie dem Rattengift erlagen. Ihre Mutter hatte das Gift offenbar auf Futtersuche gefressen.

Zwischen 20 und 30 Gramm wogen die kleinen Igel erst, als sie dem Rattengift erlagen. Ihre Mutter hatte das Gift offenbar auf Futtersuche gefressen.

Foto: privat

Geesthacht. Die Säuglinge nahmen das Gift über die Muttermilch auf. Kein Einzelfall, berichtet eine Expertin für Igelaufzucht.

Geesthacht. Seit Jahren haben die Geesthachter Ingrid Kruse und Thomas Walther in ihrem Garten am Katzberg ein kleines Häuschen für Igel. „Nur einen Igel hatten wir bislang nie darin“, sagt Ingrid Kruse. Das sollte sich jetzt ändern, doch die frohe Botschaft wurde schnell zu einer traurigen. Im Garten der beiden Geesthachter starb eine Igelmutter, kurz darauf ihre sieben Babys – offenbar, weil die Mutter in der Umgebung Rattengift gefressen hatte.

Mutter lag tot im Igel-Häuschen

„Ein Igel lief tagsüber hier im Garten herum. Er sah müde und abgemagert aus“, erzählt Thomas Walther. Als er und seine Lebensgefährtin dann unter das Dach ihres Igel-Häuschen schauten, fanden sie die tote Igelmutter, deren Körper bereits steif war und einen toten Säugling. Sechs weitere Babys waren am Leben, doch völlig dehydriert, da die Mutter ihnen keine Milch mehr geben konnte. Die Geesthachter suchten intensiv nach Hilfe und fand diese beim Verein Komitee für Igelschutz Hamburg. Sie brachten die Tiere nach Halstenbek zu Ingeborg Bauermeister vom Vereinsvorstand.

Doch die Expertin konnte nicht mehr viel ausrichten: „Die Kleinen sind noch in der gleichen Nach gestorben“, sagt die Tierschützerin, die schon seit 20 Jahren Baby-Igel aufzieht und bereits auf über 700 Aufzuchten kommt. Bauermeister geht davon aus, dass die Igelmutter Rattengift gefressen hat. „Das überträgt sich direkt beim Säugen auf die Kleinen“, sagt sie.

Deutlich weniger Igel-Babys

Die Igelschützerin verzeichnet einen deutlichen Einbruch bei den Igel-Babys, die ihr gebracht werden. „Letztes Jahr habe ich noch 70 aufgezogen, dieses Jahr waren es nur sieben“, berichtet sie. Ein Grund sei neben klimatischen Einflüssen auf jeden Fall auch die Rattenplage und der vermehrte Einsatz von Gift: „Ich hatte innerhalb kurzer Zeit zwei tote Igelmütter, die elendig daran zugrunde gegangen sind.“ Es dauere zehn Tage, bis ein Igel qualvoll daran verstirbt. Ingeborg Bauermeister rät dazu, die gebräuchlichen Rattengiftboxen in mindestens 20 Zentimetern Höhe auszulegen, da Igel – anders als Ratten – nicht klettern. Igel bekämen von Anfang August bis Mitte September den Nachwuchs. Gerade in dieser Zeit seien Mütter und Jungtiere durch Giftköder gefährdet.

„Das hat uns sehr betroffen gemacht“, sagt Ingrid Kruse. Ihr gehe es nicht darum, nach einem Schuldigen für den Tod der Tiere zu suchen. Sie appelliert aber an alle Gartenbesitzer: „Man sollte beim Umgang mit Rattengift wirklich vorsichtig sein.“