Elbtaufe

Mit Badehose unter dem Talar in die Elbe

Pastor Thomas Heisel segnet gemeinsam mit den Eltern Torben Lenz und Ilona Busch den Täufling Theo-Elias Busch. Retno Heisel hält das Buch mit den Taufsprüchen.

Pastor Thomas Heisel segnet gemeinsam mit den Eltern Torben Lenz und Ilona Busch den Täufling Theo-Elias Busch. Retno Heisel hält das Buch mit den Taufsprüchen.

Foto: Denise Ariaane Funke / Funke

Geesthacht. Pastor Thomas Heisel segnete Christen in der Elbe. Eine ganz besondere Tauffeier, die es in dieser Form in Geesthacht seit 2008 gibt.

Geesthacht. Für Sophie, Theo-Elias, Vanessa, Cindy, Mohammad, Mahdia, Davoud und Farhad war der Gottesdienst am Sonnabend etwas ganz Besonderes: Die Zwölf- bis 34-Jährigen wurden getauft – und das wie in frühchristlicher Zeit im Fluss.

In Geesthacht hat die Elbtaufe mittlerweile eine elfjährige Geschichte. 2008 taufte Pastorin Antje Laudin zum ersten Mal ein Mädchen im Flusswasser. Diese Tradition führte sie fort, bis sie im vergangenen Jahr als Seelsorgerin ans Unfallkrankenhaus Boberg ging. Für Pastor Thomas Heisel war die gestrige Taufe eine Premiere. Nie zuvor hatte der Seelsorger aus der Christuskirche Täuflinge direkt in der Elbe getauft, geschweige denn einen Gottesdienst in Flipflops gehalten und eine Badehose unter dem Talar getragen.

Flüchtlinge bekennen sich zum Christentum

Besonders an dieser Taufe war nicht nur die Atmosphäre an der Elbe, sondern auch, dass sich gleich vier Flüchtlinge zum Christentum bekannten. Einer von ihnen ist Davoud Ranjbarfar. Der 34-Jährige kam vor 17 Monate als Moslem nach Geesthacht. „Ich möchte wiedergeboren werden, darum will ich nun Christ werden“, sagte er. Damit die Neubürger alles verstanden, waren die Liedtexte und Gebete auf Farsi übersetzt worden. Das Glaubensbekenntnis hielten die Neuchristen ebenfalls in ihrer Muttersprache ab.

Fröhlich ging es zu an diesem Sonntagvormittag. Pastor Heisel teste vorsichtig mit der großen Zehe die Wassertemperatur. So mancher Besucher konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Direkt am Elbstrand war der blumengeschmückte Altar aufgebaut. Auf Holzbänken hatten es sich Angehörige gemütlich gemacht, und sogar ein Vierbeiner war mit von der Partie. Das Glockengeläut kam vom Band. Immer wieder sorgten vorbeifahrende Schiffe für Wellenschlag.

Jeder Täufling geht alleine ins Wasser

Anders als bei Pastorin Laudin, die mit allen Täuflingen gemeinsam ins Wasser geschritten war, taufte Pastor Heisel jeden seiner Schützlinge einzeln. Während der feierlichen Zeremonie wehte ein laues Lüftchen, und der eine oder andere Fisch sprang aus dem Wasser.

Bis ins knietiefe Wasser ging der Geistliche mit seinen Schützlingen. Die einzelnen Blätter mit den Taufsprüchen waren vorsichtshalber in Folie laminiert. Emotionale Momente gab es an diesem Vormittag viele. Nach jeder einzelnen Taufe durften Familienmitglieder und Freunde ebenfalls in die Elbe steigen, um den Täufling gemeinsam zu segnen. Dabei kullerte die eine oder andere Freudenträne.