Schifffahrt bei Geesthacht

IHK reagiert auf Schleusenstau

Wegen der Schäden am Geesthachter Stauwehr kam die Schifffahrt auf Oberelbe und Elbe-Seiten-Kanal tagelang zum Erliegen.

Wegen der Schäden am Geesthachter Stauwehr kam die Schifffahrt auf Oberelbe und Elbe-Seiten-Kanal tagelang zum Erliegen.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Nachdem Schleuse und Stauwehr erneut die Binnenschifffahrt ausgebremst haben, schlägt die Industrie- und Handelskammern Alarm.

Geesthacht. Nach der Zwangspause für die Binnenschifffahrt wegen Schäden am Stauwehr und Personalmangel an der Geesthachter Schleuse regt sich Unmut in der Branche und den Verbänden. „Bundesregierung und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes müssen für mehr Betriebssicherheit auf unseren Wasserstraßen sorgen“, fordert Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg auch im Namen der IHK Lübeck. „Wie sollen Unternehmen ihre Güter auf die Wasserstraße verlagern, wenn der Transport nicht zuverlässig gesichert ist?“, fragt er.

Engpass durch Krankheit und Urlaub

Wie berichtet hatte die Schifffahrt auf der Oberelbe wegen eines abgerutschten Dammfußes am Geesthachter Wehr gut eine Woche lang stillgestanden. Zur Druckentlastung des beschädigten Dammes musste der Wasserspiegel soweit abgesenkt werden, dass der Betrieb des Schiffshebewerks Scharnebeck nicht mehr möglich war. Vor dem Hebewerk stauten sich 90 Binnenschiffe. Nur wenige Tage später musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg die Geesthachter Schleuse dann wegen Personalmangels mehrfach schließen. Gründe für den Engpass: Urlaub und Krankheit.

IHK fordert reibungslosen Ablauf

„Der reibungslose Transport durch Binnenschiffe, die auf dem Elbe-Lübeck-Kanal, den Kanalstationen und dem Hamburger Hafen unterwegs sind, muss durchgehend gewährleistet sein“, fordert Rüdiger Schacht, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Lübeck. Jede Einschränkung bedeute einen Rückschlag für die Bemühungen, Waren von den überlasteten Straßen auf Binnenschiffe zu verlagern. Schacht: „Jeder Transport, der durch Ausfallzeiten der Schleuse unterbleibt, bedeutet für die Binnenschifffahrtsunternehmen und deren Kunden erhebliche Kostensteigerungen und Ärger und schwächt den Verkehrsträger Binnenschiff insgesamt.“

Sperrung kam „zur Unzeit“

Diese Einschätzung teilt auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). „Die Sperrung kam für die Binnenschifffahrt zur absoluten Unzeit“, sagt Jens Schwanen. Man sei gerade erst dabei gewesen, die Folgen des Schiffsstaus am Hebewerk abzuarbeiten, da kam der nächste Stillstand. Dabei hatte der Verband kurz zuvor noch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung für besonnenes Handeln bei der Schadensbeseitigung am Stauwehr gelobt.

Die plötzliche Schleusen-Sperrung brachte das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen. Schwanen: „Den mangelhaften Zustand der Wehre und Schleusen, insbesondere aufgrund Personalmangels und chronischer Unterfinanzierung, haben in erster Linie die Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium und der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt zu vertreten.“ Der BDB hat sich Montag mit einem Brandbrief direkt an den Präsidenten der Generaldirektion Hans-Heinrich Witte gewandt.

Infrastruktur konsequent sanieren

Auch die Industrie- und Handelskammern sehen den Bund klar in der Pflicht, ausreichend Personal für den Betrieb der Bundeswasserstraßen zur Verfügung zu stellen. Zeinert: „Die Weltwirtschaft vernetzt sich und wächst zusammen, aber in Geesthacht steht die Schleuse still. Produktion, Logistik und Transport greifen ineinander und in Hamburg wartet man auf Binnenschiffe.“ Zur Stärkung des Systems Wasserstraße sei es nötig, die Infrastruktur konsequent zu sanieren und den Betrieb zuverlässig sicherzustellen, fordert die IHK.

Auch Norbert Brackmann – der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Lauenburg ist Maritimer Koordinator der Bundesregierung – hat die Probleme erkannt. „Gegen Gesundheitsprobleme ist niemand gefeit, aber man muss jetzt prüfen, ob das WSA für die Aufgaben der Schleusenwärter nicht zusätzliche Mitarbeiter qualifizieren könnte, die sonst vielleicht etwas anderes machen, aber einspringen könnten.“ Damit könne eine größere Betriebssicherheit garantiert werden.