Geesthachter Stauwehr

Endlich! Das Wasser der Elbe steigt wieder

Wehr-Wärter Ralf Warnecke (links) und sein Kollege Tim Leppin fahren am Mittwochmittag das Stauwehr wieder hoch.

Wehr-Wärter Ralf Warnecke (links) und sein Kollege Tim Leppin fahren am Mittwochmittag das Stauwehr wieder hoch.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Der Wasserstand der Elbe steigt wieder. Seit Mittwochmittag wurde das Wasser am Geesthachter Wehr wieder aufgestaut.

Geesthacht. Am Elb-Stauwehr bei Geesthacht wird seit Mittwochmittag wieder Wasser aufgestaut. „Wir werden die Maßnahme ganz genau beobachten und unseren gesicherten Damm im Auge behalten“, kündigte Tilman Treber an, der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Lauenburg. Schrittweise soll der Wasserstand von 3,80 Metern wieder auf vier Meter angehoben werden. Vor dem am Freitag festgestellten Schaden am abgerutschten Damm des Stauwehrs stand das Wasser 4,21 Meter hoch.

86 Binnenschiffe und Schubverbände stauen sich

Martin Köther, Leiter des WSA Uelzen, in dessen Zuständigkeit das seitdem stillstehende Schiffshebewerk in Scharnebeck gehört, war erleichtert. „Wir können endlich wieder aufstauen und der Schifffahrt ein positives Signal senden“, sagte er. 86 Binnenschiffe und Schubverbände stauen sich in Scharnebeck bereits.

An einem Pfeiler des festen Überlaufs an der Fischtreppe zum vierten Sektor des Wehres gab es am Mittwoch noch eine undichte Stelle, die noch gesichert werden sollte. Große Gefahr würde davon aber nicht ausgehen, waren sich die Experten der Bundesanstalt für Wasserbau und der Schifffahrtsverwaltung einig.

Wehr-Wärter Ralf Warnecke und sein Kollege Tim Leppin leiteten das von den festsitzenden Binnenschiffern sehnsüchtig erwartete Aufstauen gegen 12.30 Uhr ein. Sie steuern vom Betriebsraum des Wehres die Tore. Zwei waren schon seit Tagen geschlossen, eines weit und ein anderes teils geöffnet. So wurde Wasserdruck vom abgerutschten Damm genommen. Warnecke: „Ich freue mich, dass wir endlich wieder etwas für die Schifffahrt tun können.“

Schiffer: WSA muss die Kommunikation verbessern

Wegen des Niedrigwassers zur Elbe hin kann das Schiffshebewerk im Verlauf des Elbe-Seiten-Kanals schon seit Freitag nicht mehr betrieben werden. Die Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens ist abgeschnitten. In der Schifffahrtsbranche, die um Aufträge kämpft, sorgt die Sperrung für herbe Rückschläge. „Je nach Schiffstyp fallen da zwischen 1000 und 3000 Euro Einnahmen pro Tag weg“, berichtete Binnenschiffer Bernd Schierjott. Er schaute sich Mittwochmorgen in Geesthacht um. Der Containerfrachter, den er fährt, liegt in Scharnebeck fest. Schierjott: „Man bekommt leider keine vernünftigen Informationen. Die WSA muss die Kommunikation für so eine Notfallsituation verbessern.“

Damm winterfest machen

Fünf Schiffe der Reederei, für die er fährt, liegen im Elbe-Seiten-Kanal fest. „Man stellt sich ja gar nicht vor, was alles an diesem Stillstand hängt. Wir können keine Ladung pünktlich nach Hamburg liefern und dort auch nichts planmäßig aufnehmen. Für die Branche ist das ein ganz schlechtes Signal, das gesendet wird“, meint Schierjott.

Den Unmut der Schiffer könne er verstehen, aber „Sicherheit geht vor“, hält WSA-Leiter Köther dagegen. Er ist überzeugt, dass diese jetzt wieder gewährleistet werden kann. Aktuell sind die Arbeiten noch nicht ganz beendet. „Aber wir können den Stau wieder verantworten“, sagte Treber. „Vor allem werden wir in nächster Zeit sehen müssen, wie wir den Damm winterfest bekommen.“

Die Verantwortlichen der WSA rechnen damit, dass es einige Tage dauern werde, ehe sich die Schifffahrt auf der Oberelbe und den angrenzenden Kanälen normalisiere. „Es wird Tage dauern, den Stau abzubauen“, bestätigt Köther. Theoretisch bietet ein Trog des Hebewerks eine Kapazität von 50 Schiffen pro Tag. Doch Schubverbände müssten aufwendig rangiert werden.

Auswirkungen auf den Aufstieg der Fische?

„Uns liegen bisher keinerlei Erkenntnisse vor, dass unsere Fischtreppe für den Schaden verantwortlich ist“, kommentierte am Mittwoch Kristina Hillmer, Sprecherin des Energiekonzerns Vattenfall, auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Konzern hatte Europas größte Fischtreppe 2010 als Kompensation für Umwelteingriffe für das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg errichtet. Hilmer: „Um die nötigen Arbeiten jetzt zu ermöglichen, hatten wir die Fischtreppe außer Betrieb genommen.“

Die Lockströmung wurde unterdessen zugeschüttet. Unklar ist, welche Auswirkungen das auf die Aufstiegsmöglichkeiten für Fische hat. „Die Laichsaison beginnt mit den Flussneunaugen ohnehin erst Ende September, bis dahin werden wir mehr wissen“, meinte Kristina Hillmer.

Am Freitag war zufällig der abgerutschter Damm am Stauwehr festgestellt worden, seitdem wurde er mit mehr als 3500 Tonnen Kies und Steinen gesichert. Für die Maßnahme musste der Pegel der Elbe um fast 50 Zentimeter abgesenkt werden – das führte zum Stillstand der Schifffahrt.