Blühstreifen

Geesthachter Landwirte verzichten für Wildbienen

Landwirt Peter Buhk und Imker Michael Plagemann sind vom Blühstreifen am Feldrand begeistert

Landwirt Peter Buhk und Imker Michael Plagemann sind vom Blühstreifen am Feldrand begeistert

Foto: Timo Jann

Geesthacht/Escheburg. Landwirte der Region verzichten zugunsten von Wildbienen auf einen Teil ihres Ernteertrags. Einer von ihnen ist Peter Buhk.

Geesthacht/Escheburg.  Alexandriner Klee, Sonnenblumen, Ölrettich, Saatwicken, Weißer Senf und andere Saat – rund um ein mit Hafer bestelltes Feld am Sommerpostweg hat Landwirt Peter Buhk ein blühendes Paradies geschaffen. „Es wird immer auf uns Landwirte geschimpft, wir würden zu wenig für die Natur tun. Das hier ist ein Zeichen, dass wir sehr wohl etwas für die Natur tun. Und das nicht nur mit diesem einen Blühstreifen“, sagt Buhk. Auch seine Kollegen Markus Meyer aus Besenhorst und Frank Lütten aus Brunstorf haben an Feldrändern bei Geesthacht solche Blühstreifen angelegt.

„Späte Blüten“ sind wichtig

„Gerade das, was jetzt relativ spät noch blüht, ist für Bienen sehr wichtig“, so Imker Michael Plagemann. Er hat einige Bienenvölker auf der Streuobstwiese der Stadt am Hintersten Heideweg stehen. Von dort aus finden die Tiere auch jetzt noch an den Feldrändern Nahrung. Plagemann: „Sie finden jetzt das so genannte Pollenbrot, um die Brut anlegen zu können.“ Etwa zwei Kilometer Flugradius deckt jede Biene ab. „Sie sind für jede Pflanze dankbar, an der sie jetzt noch etwas finden“, weiß der Experte. Durch das Pollenbrot sichern die Bienen ihr Überleben.

300 Euro weniger Ernteertrag

2500 Quadratmeter hat Buhk, der die Saatmischung auch in seinem Landhof in Besenhorst anbietet, eingesät. „Ich war erst skeptisch, aber es summt und brummt in einer Tour. Man kann sich einfach an den Blühstreifen setzen und ganz viele Insekten beobachten“, sagt der Landwirt, der das Blühstreifen-Projekt aus Überzeugung umgesetzt hat. 300 Euro weniger Ernteertrag nimmt er dafür in Kauf.

Privatleute und Stadt sind bienensensibel

Die Stadt Geesthacht sensibilisiert zusammen mit dem Naturschutzbund (Nabu) seit Jahren für vielfältige Bepflanzungen, die Insekten unterstützen – unter anderem durch die Aktionen „Geesthacht blüht auf“ und „Geesthacht summt“. Mehrere Wildblumenwiesen hat der Fachdienst Umwelt im Stadtgebiet anlegen lassen, der neu eröffnete Wildbienenpfad am Hafen demonstriert, wie Privatleute ihren Garten bienenfreundlicher gestalten können, und Straßenbegleitgrün wird artenfreundlich gemäht. „Eine Vielfalt an Pflanzen ist wichtig, weil die meisten Wildbienenarten sich auf Pflanzen spezialisiert haben, die sie als Nahrung nutzen“, erklärt Ulrike Stüber vom Umweltamt bei der Eröffnung des Wildbienenpfades.

Mähen erhält die Vielfalt

Erste Erfolge des Engagements will Friedhelm Ringe vom Nabu bereits in den Geesthachter Gärten entdeckt haben. „In vielen Gärten finden sich zum Beispiel Wildkräuter, die sind eine gute Nahrungsquelle für Wildbienen und besonders für Hummeln“, sagt Ringe, der Doktor der Biologie ist. „In den Vorgärten ist viel mehr los. Das ist sehr erfreulich.“ Zudem sei ihm positiv aufgefallen, dass Privatleute wie Unternehmen und die städtischen Mitarbeiter seltener zum Mäher greifen. Wobei Ringe und auch Stüber betonen: Ganz aufs Mähen verzichten, ist auch nicht gut. „Damit immer ein Blütenangebot erhalten bleibt, kann man eine Wiese Schritt für Schritt mähen. Aber wenn man gar nicht mäht, würden sich Gräser ausbreiten und Vielfalt würde verloren gehen“, erklärt Stüber am Wildbienenpfad.

Escheburg plant Blühstreifen

Nach einer „Testfläche“ am Radelsweg, Ecke Niederlande, begeistern sich jetzt auch die Escheburger für Blühstreifen. „Das wollen wir im Herbst für 2020 erheblich ausweiten“, kündigt Bürgermeister Rainer Bork an. In den neuen Baugebieten werden im Rahmen der Erschließung an allen Knicks beidseitig Schutzstreifen von jeweils zwei Metern Breite als Blühstreifen angelegt.