Supermarkt-Parkplatz

Rettungsaktion für vier kleine Entenküken

Diese vier Küken haben Fabian (13) und seine Mitstreiter von einem Parkplatz in den Stadtpark gebracht. Dort schwammen sie auf den Teich hinaus. Ob ihre Mutter die Küken wiedergefunden hat, ist aber nicht klar.

Diese vier Küken haben Fabian (13) und seine Mitstreiter von einem Parkplatz in den Stadtpark gebracht. Dort schwammen sie auf den Teich hinaus. Ob ihre Mutter die Küken wiedergefunden hat, ist aber nicht klar.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Die vier Entenküken irrten zwischen Fahrzeugen auf dem Parkplatz bei Edeka und Aldi umher als Fabian (13) sie entdeckte.

Geesthacht. Auf dem Parkplatz bei Edeka und Aldi an der Berliner Straße wurden Passanten am Freitagabend auf die vier Küken und deren Mutter aufmerksam. Wahrscheinlich hatten Enten ihren Nachwuchs irgendwo in der Nähe ausgebrütet. Jetzt waren die Kleinen wohl gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Suche nach einem neuen Zuhause – einem größeren Gewässer, das ausreichend Schutz und Nahrung bietet.

Küken irrten über Parkplatz

„Ich habe gesehen, wie die Küken auf dem Parkplatz zwischen den ganzen Autos ihrer Mutter hinterhergewatschelt sind“, berichtete Fabian. Der 13-Jährige schlug Alarm, machte mehrere Passantinnen auf die verwirrten Enten aufmerksam – unter ihnen auch Claudia Guttmann und Bahar Saydam.

Gemeinsam mit ihnen leitete Fabian die Mission Entenrettung ein. Der 13-Jährige organisierte einen Karton. Darin transportierten die drei Helfer die vier Küken zu Fuß rund 1,2 Kilometer, von der Elbhöhe die Lauenburger Straße entlang und über den Markt zum Stadtpark. „Anfangs ist uns die Ente noch gefolgt, aber dann wurde es ihr wohl zu viel“, berichtete Claudia Guttmann von einem Umstand, der für die Gefiederten noch zu einem Problem werden könnte.

Entenkinder piepsten nach Mutter

Piepend machten die Küken während des etwa 15-minütigen Fußmarsches auf sich aufmerksam, doch von der Ente keine Spur mehr. Nach telefonischer Rücksprache mit Friedhelm Ringe vom Geesthachter Naturschutzbund (Nabu) ließen die Retter die Küken am Ufer des Stadtparksees frei.

Sofort liefen sie ins Wasser und erkundeten den See im Stadtpark. Im Schilf suchten sie schließlich Deckung und versuchten weiter, mit lautem Piepen ihre Mutter anzulocken. Das gelang an dem Abend allerdings noch nicht. Zumindest bis 20 Uhr blieben die Küken einsam.

Ohne Entenmutter haben es Junge schwer

Ob die Ente ihren Nachwuchs später gefunden und wieder unter ihre Fittiche genommen hat, ist unklar. Am Sonnabendmorgen waren die Küken zumindest nicht mehr zu sehen und zu hören.

„Die Chance ohne Entenmutter durchzukommen, ist sehr gering. Dennoch haben die Leute aus Tierschutzsicht alles richtig gemacht“, ordnet Friedhelm Ringe am Sonntag auf Nachfrage unserer Zeitung die Situation ein.

Zwar rät er grundsätzlich davon ab, Jungvögel anzufassen – zu groß sei die Gefahr, die Tiere zu verletzten oder das Gefieder durcheinander zu bringen. Aber in diesem konkreten Fall, sei das Einsammeln die beste Alternative gewesen. „Die Küken waren auf dem Parkplatz umgeben von vielen Straßen und Autos – ich hätte sie auch nicht dort gelassen“, sagt der Doktor der Biologie.

Tiere wollten wohl zur Elbe

Er vermutet, dass die Enten auf dem Weg zur Elbe waren, wo sie gute Lebensbedingungen vorfinden würden. Stockenten seien sehr gewöhnt an den Menschen und würden darum häufig in dessen Nähe brüten, an Teichen oder in Gärten zum Beispiel. Dauerhaft seien das aber keine geeigneten Lebensräume für Entenfamilien. Friedhelm Ringe: „Die Enten wandern dann zu größeren Gewässern und müssen mit ihren Kindern quer durch die Stadt.“