Flottbeker Stieg

Hochhaus-Mieter sind schon Wochenlang ohne Aufzug

Rita Abel ist  verärgert: Ein Schild weist darauf hin, dass der Fahrstuhl im Hochhaus am Flottbeker Stieg defekt ist. Seit Wochen warten sie und die anderen Mieter auf Reparatur.

Rita Abel ist verärgert: Ein Schild weist darauf hin, dass der Fahrstuhl im Hochhaus am Flottbeker Stieg defekt ist. Seit Wochen warten sie und die anderen Mieter auf Reparatur.

Foto: Wiebke Jürgensen

Geesthacht. Mieter des Hochhauses am Flottbeker Stieg sind verärgert: Seit Wochen ist ihr Fahrstuhl defekt und viele Bewohner sind gehbehindert.

Geesthacht.  Fred Abel und seinen Nachbarn ist der Ärger anzusehen. Seit mehr als zwei Wochen steht der Aufzug zu ihren Wohnungen still. Das heißt: Seit Anfang Juni quälen sich die Mieter des Hochhauses am Flottbeker Stieg per Treppe bis in die achte Etage hinauf, schleppen Getränkekisten und andere Einkäufe in ihre Wohnungen.

Mieter erwägt Umzug

„Das allein ist schon ärgerlich genug. Aber diese Wohnungen wurden als barrierefrei und seniorengerecht beworben – das passt natürlich erst recht nicht“, sagt Fred Abel, der wie viele seiner Nachbarn vor allem wegen dieser Merkmale an den Flottbeker Stieg gezogen ist. Nun erwägen der 77-Jährige, der auf einen Rollator angewiesen ist, und seine Ehefrau Rita sogar einen Umzug. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Fahrstuhl über längere Zeit nicht nutzbar ist“, sagt Rita Abel (76). Weil der Aufzug immer mal wieder stehen bleibt, traue sie sich grundsätzlich nicht ohne Handy in den Fahrstuhl. „Wer weiß, ob man da ankommt, wo man hin will“, erklärt Rita Abel achselzuckend ihre Vorsicht. Seitdem der Aufzug nun komplett still steht, überlegen sie und ihr Mann sich jeden Gang genau. Immerhin warten auf Fred und Rita Abel vor jedem Einkauf, vor jedem Ausflug und vor jeder Waschmaschinen-Ladung vier Stockwerke Treppenhaus.

Hochhaus wird zum „Hungerturm“

„Wir nennen das Hochhaus schon scherzweise Hungerturm, weil man nicht mehr zum Einkaufen kommt“, berichtet Fred Abel. Einige Bewohner würden im Treppenhaus sitzen und weinen. „Ich lasse mir jetzt von meiner Tochter einen Soda-Max mitbringen, damit ich die schweren Kisten nicht mehr tragen muss“, sagt Kristine Hein (55), die wie die Abels im vierten Stock lebt. „Die Waschküche ist im Keller. Ich stopfe unsere dreckige Wäsche jetzt in so einen Einkaufswagen, den ich hinter mir herziehen kann. Hinunter geht das ganz gut – hinauf brauche ich Hilfe“, beschreibt Rita Abel eine weitere der täglichen Tücken.

Vonovia entschuldigt sich

Von ihren Nöten haben die Anwohner dem Hausmeister des Hochhauses schon vor Wochen erzählt, sagen sie. Repariert wurde der Aufzug bis heute nicht. Stattdessen verweisen Zettel im Treppenhaus darauf, dass der Aufzug außer Betrieb und die Steuerungsanlage defekt sei. Per Aushang bietet das Unternehmen zudem seit dem 21. Juni – also laut Vonovia zehn Tage nach Meldung des Defektes, laut Aussagen der Mieter 14 Tage danach – einen „Tragedienst“ an. Nach telefonischer Anmeldung würde ein externer Dienstleister den Mietern dienstags und freitags im „Bedarfsfall die Einkäufe in die Wohnung tragen (...), sofern Ihnen dieses aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht möglich ist“. Das sei für die meisten Mieter aber nur ein schwacher Trost, sagt Fred Abel.

Ersatzteil sei auf dem Weg

Den langen Ausfall des Aufzugs erklärt Vonovia-Sprecherin Panagiota-Johanna Alexiou gegenüber unserer Zeitung mit einem technischen Fehler. „Das Ersatzteil ist schwer zu bekommen, dadurch haben sich die Reparaturarbeiten bedauerlicherweise verzögert.“ Das Ersatzteil sei nun aber auf dem Weg, der Aufzug werde „so schnell wie möglich“ repariert. Im Namen von Vonovia entschuldigt sie sich bei den Mietern für die Umstände und kündigt Kompensationen an: „Bis zur abgeschlossenen Reparatur kümmern wir uns darum, die Unannehmlichkeiten für unsere Mieter so gering wie möglich zu halten – so gibt es vor Ort einen Tragedienst für Einkäufe. Einen Mieter mit Gehbehinderung haben wir in einer Ersatzunterkunft untergebracht. Selbstverständlich erhalten alle Mieter eine angemessene Mietminderung.“