Mercatorstraße

Fabrik sucht Mieter: Akku-Traum ist zerplatzt

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Ideengeber Dr. Detlev Repenning 2012 beim Probebetrieb vor der Fabrik mit einem produzierten Akku.

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Ideengeber Dr. Detlev Repenning 2012 beim Probebetrieb vor der Fabrik mit einem produzierten Akku.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Acht Jahre nach dem Beginn ist endgültig Schluss. Die SSL Energie GmbH (vormals ECC Repenning) gibt ihren Standort auf.

Geesthacht.  „Die Akku-Fabrik produziert wieder“ – so vermeldete unsere Zeitung am 9. Juni 2016 auf der Geesthacht-Seite. Doch damit ist jetzt endgültig Schluss. Die SSL Energie GmbH aus Haag (Oberbayern) gibt ihren Standort an der Mercatorstraße endgültig auf und zieht komplett nach Süddeutschland. Für die 2600 Quadratmeter große Fläche in dem Gebäude wird ein neuer Nutzer gesucht. „Es scheint schwierig, einen Nachmieter zu finden“, sagte gestern Sandra Wittmann von der AACT GmbH & Co. KG, die Mieterin der Immobilie ist. Ihr Geschäftsführer ist Ludwig Schletter, zugleich Geschäftsführer der SSL Energie GmbH.

Aus dem Eigentümer wurde der Mieter

Schletter war der Geldgeber, der 2011 zusammen mit dem Ideengeber, dem Chemiker und Physiker Dr. Detlev Repenning, ein Joint Venture gegründet hatte. 2012 startete dann der Probebetrieb bei „ECC Repenning“ an der Mercatorstraße, Doch Repenning stieg schon 2015 aus dem Unternehmen aus. Schletter verkaufte die Geesthachter Immobilie an die Stadtwerke und gründete die Firma SSL, die eigentlich weiter Akkus produzieren sollte. 2600 Quadratmeter der Halle wurden von den Stadtwerken für den Zeitraum von zehn Jahren angemietet.

In einer Phase, in der gerade das Speichern von überschüssigem Wind- oder Solarstrom immer wichtiger wird, hätte das gestartete Geschäft funktionieren sollen. Doch über kleinteilige Zellen kam das Unternehmen nicht hinaus. In der Branche feiern Konzerne wie Toshiba und Panasonic Erfolge.

Immobiliengesuch kursiert in der Wirtschaft

„Wir wollen schon weiter Akkus produzieren, aber eben in Bayern“, so Sandra Wittmann. Von ihr stammt eine E-Mail, die unter Unternehmern in der Region kursiert. So startete Jürgen Wirobski, der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht (WVG) hierzu einen Aufruf: „Wer kennt hier jemanden, der etwas in dieser Größe sucht?“, fragt er.

AACT sucht einen Untermieter für das Gebäude, da die Firma noch einen für weitere fünf Jahre gültigen Mietvertrag habe. Der Mietzeitraum sei „optional über die Stadtwerke verlängerbar“. Die AACT-Mitarbeiterin bewirbt das das Gebäude als „Lager/Produktionsfläche“ mit einer Miete von vier Euro pro Quadratmeter, einer „guten Verkehrsanbindung“ sowie Zufahrtsmöglichkeiten für Lkw. Toilette und Waschraum seien vorhanden, die Fläche sei teilbar, es gebe ein eingezäuntes Betriebsgelände und fünf Carport-Stellplätze.

Er ist der Mann hinter der Akku-Fabrik in Geesthacht

Dr. rer. nat. Detlev Repenning. Der Aumühler (Jahrgang 1947) hatte eine vielfältige Karriere. So legte er in den 1970er Jahren sein Diplom in Chemie ab, sattelte dann noch ein Lehramtsstaatsexamen in Physik und Chemie drauf. Anschließend promovierte er in physikalischer Chemie mit einer Arbeit zu „Festkörperthermodynamik von Metall-Wasserstofflösungen“.

Repenning arbeitete an der industriellen Entwicklung des Natrium-Schwefel-Akkumulators für die Antriebe der Automobilindustrie („NaS-Zelle“ ). Diese Akkus wurden auch für Batterie-Speicherkraftwerke genutzt.

1987 gründete der Wissenschaftler die omt GmbH, konzentrierte sich auf Brennstoffzellen für die Automobilindustrie und arbeitete an Lithiumtitanatzellen. Nach 2014, als er sich von seinem Geldgeber Ulrich Schletter getrennt hatte, war er für „Projekte und Beratungen für führende industrielle Partner im Bereich der Brennstoffzellen- und Batterietechnologie“ im Einsatz. So listet ihn bis heute battery-power.eu anlässlich der „Batterietagung 2019“.

Repenning hatte nach eigener Aussage mit dem Aus der Atomkraft 2011 die Chance gesehen, Akkus für eine dezentrale Speicherung zu bauen. Er hatte in einem Interview gegenüber unserer Zeitung von 500 möglichen Mitarbeitern in Geesthacht gesprochen, der spätere Vertriebschef hatte dagegen betont, dass solche Zahlen hier nicht zu erreichen gewesen wären.

Interessenten kamen sogar aus Kuwait

Aus Kuwait, den Niederlanden und anderen Ländern waren Interessenten wegen der Akkus „Made in Geesthacht“ in die Stadt gekommen. Sie fuhren E-Boot auf der Elbe und E-Autos auf den Straßen. Die Produktion sollte bei mehreren Millionen Akkus im Jahr liegen. Über einen Test mit 40 Mitarbeitern kam ECC aber nie hinaus.

„Wir haben einen bestehenden Mietvertrag, das ist jetzt gar nicht unser Ding“, sagt Markus Prang, Geschäftsführer der Stadtwerke Geesthacht, die langfristig an der Mercatorstraße expandieren und ein Wasserwerk bauen wollen