75 Jahre D-Day

Deutsch-französische Freundschaft lebt in Börnsen

Ein Hauch Paris im Börnsener Vorgarten: Claudine Ohlsen (geb. Tondowski) hat ein Schild montiert, das an die berühmte Prachtmeile Champs Élysées erinnert – ihren Mann Peter freut’s.

Ein Hauch Paris im Börnsener Vorgarten: Claudine Ohlsen (geb. Tondowski) hat ein Schild montiert, das an die berühmte Prachtmeile Champs Élysées erinnert – ihren Mann Peter freut’s.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Börnsen. Claudine Ohlsen wurde am D-Day in Frankreich geboren, lebt seit 30 Jahren in Börnsen. Sie wünscht sie vor allem mehr Zusammenhalt.

Börnsen.  Als die 20-jährige Französin Claudine Tondowski nach Hamburg kam, sollte es eigentlich nur eine kurze Episode sein. Doch daraus wurde ein ganzes Leben. Seit 30 Jahren wohnt sie zusammen mit ihrem Mann Peter Ohlsen in Börnsen und dabei ist das Paar ein perfektes Beispiel der deutsch-französischen Freundschaft, denn Claudine Ohlsen wurde am D-Day, dem 6. Juni 1944 geboren. Dem Tag, an dem die Alliierten begannen, Frankreich von den deutschen Besatzern zu befreien und damit letztlich auch das Nationalsozialistische Dritte Reich zu beenden.

„Meine Frau war aufregender als das Wembley-Tor“

Wie die Ohlsens sich 1966 kennenlernten, war dabei ein kurioser Zufall. Denn eigentlich wollte Claudine, die Au-pair bei einer britischen Familie in Hamburg war und dann zum Verlag Gruner + Jahr wechselte, mit einer Freundin durch Australien reisen. Und auch Peter Ohlsen, der bei der Bundeswehr war, wollte raus: „Ich hatte Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft in England. Meine Frau war aber viel aufregender, als es jedes Wembley-Tor hätte sein können“, erzählt der 74-Jährige mit einem Strahlen. Die beiden fackelten nicht lange – nach vier Wochen waren sie verlobt und schon fünf Monate später wurde geheiratet.

„Seine Eltern waren damals zunächst ziemlich zurückhaltend“, erinnert sich Claudine Ohlsen. Das habe aber nicht mit deutsch-französischen Ressentiments der ehemaligen Erbfeinde zu tun gehabt: „Die hatten Angst, dass ich ihren Sohn entführe“, sagt die Börnsenerin und fügt mit einem Lachen hinzu: „...was ich natürlich aber auch versucht habe. Mein Mann hat es nur nicht länger als drei Monate ausgehalten.“ Statt der warmen Côte d’Azur – Claudine Ohlsen wuchs in Toulon auf – hieß es also wieder Hamburger Schietwetter, doch daran habe sie sich längst gewöhnt: „Es hat wirklich eine Zeit gedauert, bis ich mich hier wohl gefühlt habe, aber heute möchte nicht mehr zurück.“ Sie sei froh, dass sie als deutsch-französisches Paar meist freundlich begrüßt wurden. „Ich kann mich aber an ein Erlebnis erinnern, wo meine Eltern Besuch von Bekannten hatten, die überrascht feststellten, dass mein Mann ,ein Mensch wie du und ich’ ist.“

„Kloß im Hals“ bei den Feierlichkeiten in der Normandie

Es dauerte dagegen einige Zeit, bis das Paar erstmals an den Feierlichkeiten zur Landung in der Normandie teilnahm. Das war vor fünf Jahren, 70 Jahre nach dem D-Day. „Ich hatte damals wirklich einen Kloß im Hals“, sagt Peter Ohlsen. Bei der Gedenkfeier mit dem damaligen französischen Präsidenten François Hollande sei er der einzige Deutsche weit und breit gewesen, aber die Stimmung sei ganz und gar nicht aufgeheizt gewesen. „Viele Franzosen fahren mit amerikanischen Jeeps und originalgetreuen Uniformen der Alliierten herum. Wenn ich gesagt habe, ich bin Deutscher, war das für niemanden ein Problem“, erzählt Peter Ohlsen, der spontan eine Gedenkfeier der Briten besuchte und mit offenen Armen empfangen wurde. Zum 75. Geburtstag seiner Frau gehe es aber diesmal auf eine Städtereise nach Moskau.

Beide wünschen sich mehr Zusammenhalt

Doch was bleibt für die Zukunft? „Ich würde mir wünschen, dass sich Angela Merkel und Emmanuel Macron wieder annähern. Der Präsident hat viele gute Ideen“, sagt Claudine Ohlsen. Und ihr Mann fügt hinzu: „Es wird Zeit, dass wir uns in Europa einigen. Wir haben keine Zeit zu warten, weil beispielsweise die Amerikaner, Chinesen und Inder bei der technologischen Entwicklung nicht auf uns warten.“

So wird der D-Day gefeiert

Die Feierlichkeiten zum D-Day beginnen bereits am 5. Juni im britischen Portsmouth, wo Großbritannien das Ablegen der britischen Truppen vor 75 Jahren feiert. Zu diesem Ereignis werden auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump erwartet. Doch während Trump einen Tag später in die Normandie weiterfliegt, wird Merkel nach Berlin zurückkehren. Einen hochrangigen Vertreter der Bundesregierung wird es bei diesem Jahrestag in Frankreich nicht geben.

Die zentrale Gedenkfeier in der Normandie findet am 6. Juni ab 18 Uhr am „Juno Beach“ statt. Dieser liegt zwischen Courseulles-sur-Mer und Saint-Aubin-sur-Mer. An diesem Strandabschnitt waren 1944 kanadische Truppen gelandet und hatten sich heftige Kämpfe mit der deutschen Wehrmacht geliefert. Weitere Infos zu den Feierlichkeiten finden sich online auf der Tourismus-Homepage der Normandie.