Streit

Geesthachts DRK-Ortsverein sperrt die eigenen Retter aus

Dicke Luft beim DRK-Ortsverein an der Steglitzer Straße.

Dicke Luft beim DRK-Ortsverein an der Steglitzer Straße.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Wegen eines Streits mit dem Vorstand darf die Bereitschaft nicht mehr das eigene Haus betreten. Kreisverband will Wogen glätten.

Geesthacht.  Hausverbot für ehrenamtliche Retter, abgemeldete Einsatzfahrzeuge, kein Zugriff auf Ausrüstung – um die Helfer des Geesthachter DRK-Ortsvereins ist es schlecht bestellt. „Wir können da nur steuern und versuchen zu vermitteln. Aber es gibt Differenzen zwischen Vorstand und Bereitschaft“, sagt Peter Timmermanns, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Dem Ortsvorstand gehören DRK-Mitglieder an, die nicht aus dem Rettungsdienst kommen, die Aktiven der Bereitschaft fühlen sich ausgegrenzt.

Geschäftsführer zog sich wegen Betrugsvorwürfen zurück

Eskaliert war die Situation wohl Anfang des Jahres. Damals warf der ehrenamtliche Geschäftsführer des Ortsvereins, der seine eigenen beruflichen Ausbildungszertifikate gefälscht haben soll, das Handtuch. Die DRK-Bereitschaft, die bei Veranstaltungen Sanitätsdienste übernimmt, soll 2018 Kosten in Höhe von 18.000 Euro verursacht haben. Für diese Summe haben die Aktiven keine Erklärung, woraufhin der Ortsvereinsvorstand angesichts der angespannten finanziellen Lage die Notbremse zog. „Was wir jetzt brauchen, ist Klarheit über die Finanzen. Das sollte auch schneller gehen, aber wir rechnen jetzt in der Sommerpause mit ersten Ergebnissen“, so Timmermanns. Ein externer Wirtschaftsprüfer wurde eingeschaltet, um die Zahlen aufzuarbeiten.

„Es ist, als würde man unseren Einsatz sabotieren“

Derweil hadern die Helfer mit den Verantwortlichen. „Es ist, als würde man unseren Einsatz sabotieren“, kritisiert ein Freiwilliger. So mussten sich die Helfer zuletzt am Wochenende für den Sanitätsdienst beim Jahrmarkt ein Fahrzeug eines anderen Ortsvereins leihen. Der Rettungswagen, den Stadt und Kreissparkasse dem DRK-Ortsverein finanziert hatten, steht abgemeldet auf dem Hof an der Steglitzer Straße. Ebenso ein Kleinlaster und zwei weitere Fahrzeuge. „Unsere Ausrüstung kaufen wir selbst, um überhaupt losgehen zu können“, sagt ein anderer Helfer. An das eingelagerte Material kommen die Retter nicht heran.

Nachwuchskräfte versammeln sich jetzt in der Kirche

Selbst das Jugendrotkreuz ist betroffen. „Wir treffen uns jetzt in Räumen der Kirche“, erzählt ein Betreuer. „Es ist so schwer, Helfer zu gewinnen und die dann auch noch bei der Stange zu halten. Da kann ich dieses Vorgehen absolut nicht nachvollziehen“, sagt er. Timmermanns kann das zumindest teilweise. „Der Vorstand versucht natürlich, den Überblick zu behalten. Das ist derzeit nicht ganz einfach“, so der Geschäftsführer. Man sei aber mit der Kreisbereitschaftsleitung am Ball, betont er.

Hinzuwerfen und zu einer anderen Organisation zu wechseln, kommt für die Ehrenamtlichen nicht infrage. „Aber man sollte vielleicht die hohen Ziele, die man sich als Organisation gesetzt hat, auch vor Ort leben“, meint ein Aktiver. Er fürchtet, dass eine Mitgliederversammlung die Auflösung der Bereitschaft beschließen könnte. 2019 gab es allerdings noch keine Versammlung. Der Chef des Kreisverbandes möchte soweit gar nicht denken. „Wir haben in Geesthacht eine motivierte Helferschaft und auch im Vorstand gute Leute, wir müssen den Ortsverein nur wieder in die Spur bekommen“, erklärt Timmermanns.

Acht Sanitätsdienste sind 2019 geplant – und die mehr als 20 Mitglieder der Bereitschaft wollen diese auch durchziehen, darunter Rennen auf dem Heidbergring und das „Funbeach“-Volleyballturnier in Kröppelshagen.