Mobilität

„Frauennachttaxi“ in Geesthacht auch für junge Männer?

Taxen bei Nacht (Symbolbild)

Taxen bei Nacht (Symbolbild)

Foto: Fotolia

Geesthacht. Seit über 25 Jahren gibt es das Nachttaxi in der Elbestadt. Gleichstellungsbeauftragte plant jetzt eine grundlegende Änderung.

Geesthacht.  Erneut Diskussionsbedarf um das Frauennachttaxi: Nachdem Nutzungsbedingungen und Stadtzuschuss seit 2016 immer wieder modifiziert wurden, wird nun Grundsätzliches hinterfragt: „Das Frauennachttaxi wurde ins Leben gerufen, um Frauen sicher von A nach B zu bringen“, sagt Geesthachts Gleichstellungsbeauftragte Anja Nowatzky. Daran will sie festhalten, aber das Angebot erweitern. Aus Gesprächen mit der Polizei wisse sie: Sexualisierte Gewalt betrifft vor allem Frauen. Aber wer alle Delikte betrachtet, sieht, dass insgesamt mehr Männer Opfer von Gewalt werden.

Taxiunternehmer berichtet von Bedarf

„Warum sollten also zum Beispiel nicht auch minderjährige Jungen oder Menschen mit Behinderungen das Taxi vergünstigt nutzen können?“, nimmt Nowatzky einen Gedanken auf, der vonseiten eines Taxiunternehmens an sie herangetragen worden war. Dessen Fahrer berichten, dass sie wiederholt angesprochen werden, warum nur Frauen durch von der Stadt bezuschusste Taxifahrten in den Nachstunden vor Gewalt geschützt werden sollen.

Bisher steht das Nachttaxi nur einer begrenzten Gruppe zur Verfügung: Alle Geesthachterinnen können von April bis September (22 bis 4 Uhr) sowie von Oktober bis März (19 bis 6 Uhr) Fahrten über das Frauennachttaxi abrechnen. Die Wagen müssen telefonisch über Mini-Peya, (0 41 52) 55 50, Taxi Riechert (37 37) oder Taxi Friedrich (38 38), die einen Vertrag mit der Stadt haben, geordert werden. Im Taxi füllt die Nutzerin einen Berechtigungsschein aus. Mit diesem holt sich das Taxiunternehmen den Stadtzuschuss ab, um den zuvor der Fahrpreis reduziert wurde.

„Wir müssen einen sinnvollen Weg finden“

„Ich denke, das Frauennachttaxi ist ein tolles Angebot für Geesthacht. Aber wir sollten es vor dem Hintergrund der Diskussion um Inklusion noch einmal überdenken“, sagt Nowatzky, die aber betont: „Ich möchte nicht das Frauennachttaxi abschaffen.“

Bis zum Sommer möchte sie ein Konzept entwickeln, wie das Nachttaxi reformiert werden könnte. Vorlegen wird sie es voraussichtlich nach der Sommerpause im Sozialausschuss. „Wir müssen einen sinnvollen Weg finden, um weniger Gewalt in der Stadt zu haben“, sagt Nowatzky.

Bis zu 5 Euro Zuschuss

Das Nachttaxi gibt es in Geesthacht seit über 25 Jahren. Es hatte jedoch in den vergangenen Jahren mit mangelnder Nachfrage zu kämpfen. So war allein zwischen 2013 und 2016 die Zahl der geförderten Fahrten von 8350 auf 1580 gesunken. Auf Nowatzkys Initiative hin wurden dann die Nutzungszeiträume und die Zuschusshöhe ausgeweitet – für Fahrten in die Außenbereiche der Stadt gibt es jetzt einen höheren Zuschuss.

Wer nach Grünhof-Tesperhude fährt, bekommt so fünf Euro. Für Fahrten im Innenstadtbereich gibt es drei Euro. 2017 gab es auf diese Weise wieder 2800 geförderte Fahrten, für die die Stadt insgesamt 8891 Euro an Zuschüssen ausgab. Damit blieb sie unter dem Jahresbudget, das seit dem Haushalt 2018 von 14.000 auf 12.800 Euro reduziert ist.