Integration

Wohncontainer bleiben als Unterkunft unverzichtbar

Regina Runde (links, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe) und Davina Eggers (Sozialarbeiterin bei der Fachstelle für Wohnungshilfen im Geesthachter Rathaus) berichten über die aktuelle Situation Integration von Flüchtlingen in Geesthacht.

Regina Runde (links, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe) und Davina Eggers (Sozialarbeiterin bei der Fachstelle für Wohnungshilfen im Geesthachter Rathaus) berichten über die aktuelle Situation Integration von Flüchtlingen in Geesthacht.

Foto: Wiebke Jürgensen

Geesthacht. 113 Geflüchtete leben aktuell in den Wohnconainern an der Mercatorstraße. Günstige Wohnungen für sie gibt es kaum.

Geesthacht.  Plötzlich steht eine ganze Familie vor der Tür und weiß nicht, wo sie schlafen soll – Situationen wie diese gehören zu Dawina Eggers Alltag. Die Sozialarbeiterin arbeitet in der Fachstelle für Wohnungshilfen im Rathaus und ist für die Betreuung der Flüchtlingsunterkunft an der Mercatorstraße zuständig.

Einst als Containerdorf für die kurzfristige Hilfe beim Flüchtlingszuzug 2015 gedacht, steht ein Teil der mobilen Wohnmodule noch immer. 113 Geflüchtete leben in den drei Containeranlagen. Und die 76 Männer, 20 Frauen und 17 Kinder haben aktuell wenig Aussicht auf andere Wohnbedingungen – der Wohnungsmarkt ist leer gefegt.

Etwa fünf bis zehn Mal im Monat muss Eggers für Familienangehörige von Migranten, die in den vergangenen drei Jahren nach Geesthacht gekommen sind, Unterkünfte organisieren. Die Familien werden meist etwa einen Tag vorher angekündigt, manchmal stehen sie einfach vor der Tür.

„Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, haben wir Notfallzimmer am Rathaus“, sagt Eggers, die neben den nachkommenden Familienangehörigen immer wieder Geflüchtete aus der Gemeinschaftsunterkunft Gudow unterbringen muss. Eggers: „Es kommt der Anruf, und dann muss man reagieren.“

238 Geflüchtete leben in Wohnungen der Stadt

Ziel sei immer die dezentrale Unterbringung. 238 Geflüchtete leben aktuell in 75 von der Stadt angemieteten Wohnungen. „Im Moment ist es sehr schwer, weitere Menschen in Wohnungen unterzubringen. Es gibt zu wenige kleine Wohnungen, und die Mieten sind recht hoch“, schildert Eggers das Problem, dem Migranten nun mit Kompromissen begegnen. Sie schließen sich zu Wohngemeinschaften zusammen und bereiten sich auf das Leben in den eigenen vier Wänden zum Teil sogar mit „Wohnungsführerscheinen“ vor.

Die Zertifikate, die von Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt und der Freien Jugendhilfe angeboten werden, sind an Kurse geknüpft, in denen die Geflüchteten Alltagstipps zum Leben in einer Mietwohnung in Deutschland erhalten. „Typische Probleme sind, dass die Kinder mal ein bisschen lauter werden oder die Mülltrennung nicht klappt. Es gibt mehrere Dinge, auf die man achten sollte, damit es mit den Nachbarn gut klappt“, sagt Regina Runde, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe im Rathaus, einige Probleme. Sie könnten durch den bei Vermietern beliebten Wohnungsführerschein im Vorfeld verhindert werden.

Geflüchtete wollen mit Geesthachtern in Kontakt kommen

„Uns geht es um Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Eggers. Für sie ist der eigene Wohnraum ein wichtiger Schritt zur Integration. Weitere Bausteine, seien Arbeits- und Ausbildungsplätze, Sprach- und Integrationskurse – und der Kontakt zu Einheimischen. „Die geflüchteten Menschen wollen mit den Geesthachtern in Kontakt kommen, sie wollen am Leben teilhaben. Und sie wollen etwas zurückgeben“, sagt Runde.

So würden Migranten Gruppen gründen, in denen sich Geflüchtete und Einheimische begegnen können – in einer Krabbelgruppe an der Mercatorstraße zum Beispiel. Auch Sprachkurse würden heute teils von Menschen gegeben, die erst 2015 oder 2016 nach Geesthacht gekommen sind.

Parallel laufen Angebote weiter, die Ehrenamtliche initiiert haben – etwa die Fahrradwerkstatt, für die dringend weitere Helfer benötigt werden. Koordiniert werden die Ehrenamtlichen beim regelmäßig tagenden Stammtisch, zudem tagen soziale Träger wie Awo, Geestküche und Kirchen regelmäßig beim runden Tisch. „Es soll nicht jeder seine eigene Suppe kochen“, sagt Runde, bei der viele Fäden zusammenlaufen.

Weitere ehrenamtliche Helfer benötigt

Obgleich Integration in Geesthacht schon gut funktioniere, wünschen sich Runde und Eggers weiteres Engagement. Menschen, die Migranten bei Behördengängen, Jobsuche und Arztterminen unterstützen beispielsweise. Zudem sei in den kommenden Wochen der Ausbau der Betreuung an der Mercatorstraße geplant. Wer unterstützen möchte, kann sich bei Regina Runde unter regina.runde @geesthacht.de melden.