Abstimmung

Gespräche mit Minges sorgen für Wirbel in CDU

Nicole Voss (46), Ortsverbandsvorsitzende der CDU in Geesthacht, und Sven Minge (43), Fraktionschef von Pro Geesthacht und ehemaliger Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion.

Nicole Voss (46), Ortsverbandsvorsitzende der CDU in Geesthacht, und Sven Minge (43), Fraktionschef von Pro Geesthacht und ehemaliger Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Nach dem Bruch will die CDU auf Pro Geesthacht zugehen. Erste Abgeordnete drohen deshalb mit Rücktritt.

Geesthacht.  Dreht die Union jetzt alles wieder auf Anfang? Zwei Drittel der Mitglieder des Geesthachter Ortsverbandes sprachen sich in einer Abstimmung jetzt dafür aus, mit der Ratsfraktion von Pro Geesthacht Gespräche über eine Zusammenführung zu führen. Der Fraktion gehören seit dem Juni 2018 nach einem internen Streit die CDU-Mitglieder und Eheleute Christina und Sven Minge (49 und 43 Jahre) an. Letzterer war zuvor über Jahre Fraktionschef der CDU in Geesthacht gewesen. Er gilt zudem als landesweit gut vernetzt.

Nicole Voss: „Ergebnisoffen“ herangehen

„Unser Kreisvorsitzender Klaus Schlie war bei der Mitgliederversammlung dabei und hat angeboten, im Land jetzt nach einem Moderator für die Gespräche zu gucken“, berichtet die CDU-Ortsverbandsvorsitzende Nicole Voss. Man werde „ergebnisoffen“ an die Sache herangehen, kündigt die 46-Jährige an. „Vielleicht sind es die Gespräche, die uns letztes Jahr gefehlt haben“, meint sie.

Die Minges waren relativ überstürzt aus der Fraktion ausgetreten. „Wir sind aber immer CDU-Mitglieder geblieben“, betont Sven Minge. Allerdings: Die Statuten der Christdemokraten sehen zwei Fraktionen mit CDU-Politikern nebeneinander nicht vor.

CDU büßte durch Abgang zwei Sitze ein

Durch die Abspaltung verlor die CDU in allen Ausschüssen (je elf Sitze) einen Sitz. Es gibt seitdem sechs Ratsfraktionen, in Klammern die Zahl der Sitze: SPD (11), CDU (8), Grüne (5), FDP (3), Linke (2), Bürger für Geesthacht (2), Pro Geesthacht (2).

„Wir werden einige Themen zu besprechen haben“, deutet Nicole Voss an. Eskaliert war es innerhalb der CDU, als nach der Kommunalwahl die neuen Ausschusszuschnitte im Ältestenrat besprochen wurden. In der CDU herrschte Uneinigkeit, wer welchen Ausschuss leiten solle. Minge wollte den Finanzausschuss, der im Juli verstorbene Walter Bödeker († 70) den Hauptausschuss.

Sven Minge will wieder Verantwortung übernehmen

Minge macht nun kein Geheimnis daraus, wieder Verantwortung übernehmen zu wollen, sollte es zu einer Wiedervereinigung kommen. „Ich habe 16 Jahre lang in der CDU ja keine unwesentliche Rolle gespielt“, sagt er. Fraktionschef ist aktuell Karl-Hermann Rosell (72). Eher unfreiwillig hatte er das Amt übernommen, wie aus der CDU zu hören ist.

Nach Informationen unserer Zeitung haben einige Ratsvertreter der CDU kein gutes Gefühl dabei, Christina und Sven Minge wieder aufzunehmen. Sie sollen mit Rücktritt gedroht haben. „Einige Fraktionsmitglieder halten den Austritt damals für einen schweren Vertrauensbruch“, so Nicole Voss. Sie macht aber deutlich: „Es geht nicht um Personen-Politik, sondern um Partei-Politik.“ Das dürfte auch für Schlie der Anlass gewesen sein, „ordnend“ in die Arbeit der beiden christdemokratischen Fraktionen in Geesthacht einzugreifen. Das Ziel scheint klar. Offen ist jedoch, welche Konsequenzen wem drohen könnten, sollte es unter den CDU-Politikern zu keiner Einigung kommen.