Abwasser

Klärwerk Geesthacht: Mit Deckeln gegen den Gestank

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Mit speziellen Abdeckungen für offene Klärbecken will der Abwasserbetrieb jetzt den Gestank aus der Anlage mindern.

Geesthacht.  Was im Klärwerk an der Elbe ankommt, das stinkt. Entweder im Ausgleichsbecken, im Voreindicker oder auf dem Lagerplatz. Für knapp 1,5 Millionen Euro ließe sich diese allerdings nur punktuell auftretende Geruchsbelästigung mindern. Entsprechende Vorschläge lieferte Anja Wagenbach von der Planungsgemeinschaft PFI anhand eines Gutachtens jetzt im Bauausschuss. Und die Ingenieurin machte eines bereits zu Beginn ihres Vortrags deutlich: Von einer 1,1 Millionen Euro teuren Lagerhalle für Klärschlamm, wie sie in Geesthacht diskutiert wurde, hält sie nichts.

Drei „Stinker“ identifiziert

Die Gerüche aus Richtung Klärwerk beschäftigen Politik, Verwaltung und Anwohner seit Monaten: Nach Beschwerden aus der Siedlung am Heuweg – laut Abwasserbetrieb primär von einer Anwohnerin – hatte der Abwasserbetrieb das Gutachten bei PFI in Auftrag gegeben. Die Ingenieure benannten drei mögliche Verursacher, von denen sich bei ungünstigen Windverhältnissen üble Gerüche verbreiten könnten: Das als Puffer vorgesehene Ausgleichsbecken (wenn es trockenfällt), der Voreindicker (in dem schwefelhaltige Komponenten des Abwassers für Gerüche sorgen) und der Klärschlammlagerplatz (wenn dort zwei Mal im Jahr für drei Tage lang Material abgefahren wird).

Keine Gesundheitsgefährdung

Wagenbach hatte für alle drei Teilbereiche Lösungen parat. Das offen gebaute Ausgleichsbecken und der ebenfalls offen gebaute Voreindicker könnten mit Abdeckungen ausgestattet werden. Für den Klärschlamm biete eine neue, aufwendig belüftete 7,7 Meter hohe Halle Abhilfe.

„Der Geruch ist zwar eine Belästigung, aber die Anwohner haben auch Angst vor möglichen Schadstoffen“, merkte Rüdiger Tonn (FDP) an, der selbst am Heuweg wohnt. Jens-Peter Schulz vom Abwasserbetrieb versuchte, solche Ängste zu nehmen. Es seien keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffkonzentrationen vorhanden, so Schulz. Zudem: „Eine gesetzliche Verpflichtung, dass wir etwas tun müssten, gibt es nicht“, machte er deutlich.

Auf Nachfrage von Sven Minge (Pro Geesthacht) erklärte Schulz, dass die Geruchsintensität nicht von der Klärschlamm-Menge abhänge. Der Geruch entstehe nur, wenn die Kruste, die sich auf dem Monate gelagerten Klärschlammberg bilde, beim Abtransport aufgebrochen werde.

Dachkonstruktion bereits in Abwassergebühr berücksichtigt

Der Plan des Abwasserbetriebs ist jetzt, die beiden offenen Bauwerke zu deckeln. Außerdem soll – das war ohnehin geplant – eine Dachkonstruktion über einem neuen Lagerplatz für Klärschlamm errichtet werden. So soll das Eindringen von Regenwasser und damit das Gewicht des Schlamms reduziert werden.

Der Abwasserbetrieb reagiert damit auf eine andere Baustelle. Bisher kostete die Entsorgung von einer Tonne Klärschlamm als landwirtschaftlicher Dünger 24 Euro. Auf eine erneute Ausschreibung fand sich nur ein Bieter, der die Tonne für 111 Euro entsorgt. Spätestens nach 2026, wenn der Vertrag ausläuft, müsste der Klärschlamm wohl in die Verbrennung. Dafür fehlen aktuell aber Kapazitäten.

Politik berät über Gutachten

„Die Dachkonstruktion brauchen wir, um nicht tonnenweise Wasser entsorgen zu lassen“, sagte Schulz. Das Bauwerk wurde in der aktuellen Gebührenkalkulation für die Abwasserbeseitigung bereits berücksichtigt. Anders als vor der Nutzung als Dünger muss dem Klärschlamm vor der Verbrennung kein Kalk mehr beigemischt werden: Der beißende Ammoniak-Geruch von behandeltem Schlamm soll dann kein Thema mehr sein.

Die Politiker wollen jetzt über das Gutachten in den Fraktionen beraten. Beschlüsse wurden nicht gefasst.