Rotes Kreuz

Fälschte Geesthachter Sanitäter Ausbildungsurkunde?

Rettungskräfte des DRK im Einsatz (Symbolbild).

Rettungskräfte des DRK im Einsatz (Symbolbild).

Foto: Bernd Weissbrod / dpa

Geesthacht. 35-jähriger soll sich illegal zum Rettungsassistenten gemacht haben. Kreis erstattet Anzeige gegen Ex-DRK-Vorsitzenden.

Geesthacht/Schwarzenbek.  Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Deutschen-Roten-Kreuzes (DRK) soll sich eigenmächtig vom Sanitäter zum besser ausgebildeten Rettungsassistenten ­gemacht haben. Nach einem anonymen Hinweis hat die Kreisverwaltung die falsche Berufsstandsführung erkannt und Anzeige wegen Urkundenfälschung gegen den Geesthachter (35) erstattet, der hauptberuflich beim DRK-Ortsverein Schwarzenbek beschäftigt war.

„Der Mann war ja nicht unqualifiziert“

Patienten sollen durch die Urkundenfälschung nicht zu Schaden gekommen sein, heißt es. „Der Mann war als Rettungssanitäter ja nicht völlig unqualifiziert. Und, das ergab eine sofort veranlasste Prüfung der Einsatzunterlagen, auch immer in Begleitung eines tatsächlich qualifizierten Kollegen im Einsatz“, erklärt Tobias Frohnert, Sprecher der Kreisverwaltung.

Er verweist auf Paragraf 15, Absatz 2 des Schleswig-Holsteinischen Rettungsdienstgesetzes, das die Besetzung der Rettungswagen (RTW) regelt. Demnach gilt in einer Übergangsfrist bis Ende 2023, dass von den zwei Besatzungsmitgliedern mindestens einer die höherwertige Ausbildung zum Rettungsassistenten haben muss, während der zweite ein Sanitäter sein darf – allerdings mindestens mit einer Erfahrung von 100 Notfalleinsätzen. Ab 2024 muss dann mindestens eine Kraft an Bord Notfallsanitäter sein – die höchste Retter-Qualifikation unter dem Notarzt.

Nach dem anonymen Hinweis sei die Fachabteilung der Sache nachgegangen, so Frohnert. „Die angegebene Qualifikation wurde überprüft, dabei kamen Zweifel auf, sodass bei der die Berufsurkunde ausstellenden Einrichtung nachgefragt wurde“, erklärt er. Dort war der Mann nicht als Absolvent einer Ausbildung bekannt. Der Kreis informierte daraufhin das DRK als Arbeitgeber des 35-Jährigen und Auftragnehmer des Kreises.

Sorge um berufliche Zukunft?

Nach Informationen unserer Zeitung gab es umgehend ein Gespräch mit dem Betroffenen, er soll die Urkundenfälschung eingeräumt haben. Mittlerweile hat sich das DRK Schwarzenbek von dem Mann getrennt und wird den Betrieb des RTW, wie berichtet, im Februar an den Kreisverband abgegeben.

„Wir haben die Sache zum Anlass genommen, uns neben beglaubigten Kopien für die Akte auch das Original dazu zeigen zu lassen“, berichtet Peter Timmermanns, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Im aktuellen Fall habe der Betroffene lediglich eine beglaubigte Kopie vorgewiesen. Er soll sich wohl gesorgt haben, ob er mit der geringeren Qualifikation seine Aufgaben hätte langfristig wahrnehmen können. Auf unsere Anfragen reagierte der Geesthachter nicht.

Neben dem Beruf betreffen die Recherchen zu dem Fall jetzt auch das Ehrenamt des 35-Jährigen, der lange Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Geesthacht war. Dort werde laut Timmermanns jetzt eine geplante Revision durch die Wirtschaftsprüfer des Kreisverbands beschleunigt vorgezogen. Auch, um kursierenden Gerüchten zu weiteren Anschuldigungen fundiert begegnen zu können, heißt es.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte wohl ein Streit zwischen der Ortsvereins-Bereitschaft und dem Ortsvereins-Vorstand zur Zukunft der unter Geld- und Personalnot leidenden Bereitschaft zu den anonymen Anschuldigungen und den sich anschließenden Ermittlungen geführt.

„Wir wollen als Kreisverband versuchen, da zu vermitteln, weil wir ja keine Helfer verlieren wollen“, sagt Timmermanns. Dem 35-Jährigen bietet er ausdrücklich Hilfe an. „Wenn jemand als Mensch Sorge hat, dann stehe ich ihm jederzeit zur Verfügung.“