Schifffahrt

Weniger Schiffe passieren Geesthachts Schleuse

In der Schleuse wurden 2018 nur noch 14.182 Binnenschiffe gezählt. Die Ladungsmenge ist rückläufig.

In der Schleuse wurden 2018 nur noch 14.182 Binnenschiffe gezählt. Die Ladungsmenge ist rückläufig.

Foto: Timo Jann

Geesthacht. Weniger Schiffe und sinkende Ladungsmengen: An Geesthacht Schleuse wird es ruhiger - und Schuld ist nicht das Niedrigwasser

Geesthacht.  Wo bleiben Schiffe und Ladung? Diese Frage treibt die Experten beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg um. In Geesthachts Schleuse wurden 2018 mit 14.182 Frachtern gut 1000 weniger als 2017 registriert. Obwohl die Schiffsgröße zunimmt, ging die Ladung an Bord binnen Jahresfrist um 400.000 Tonnen auf 8,55 Millionen Tonnen zurück. 2015 waren es noch 10,34 Millionen Tonnen. „Die Waren müssen ja irgendwo bleiben, ich denke, die Befrachter, die sich um den Weitertransport aus den Häfen kümmern, hatten unschlagbare Angebote der Bahn und sind deshalb vom Binnenschiff abgekommen“, meint Dörte Münstermann, die sich beim WSA Lauenburg um den Bereich Schifffahrt kümmert.

Niedrigwasser nicht Grund für weniger Schiffe

Eine Verbindung zum Niedrigwasser, das 2018 für extreme Verhältnisse gesorgt hatte, sieht sie nicht. Obwohl einige Pegel die niedrigsten Werte aller Zeiten aufwiesen. „Die Schiffe können ja bequem über den Elbe-Seiten-Kanal ausweichen“, sagt Dörte Münstermann. Das sei gerade bergauf für die Reeder auch günstiger, weil man nicht gegen den Strom fahren müsse. Zuletzt hatte es im Jahr 2004 in der Geesthachter Schleuse mit 8,41 Millionen Tonnen weniger registrierte Fracht als 2018 gegeben. Damals wurden gut 3000 Binnenschiffe mehr gezählt. Zum Vergleich: 1964 wurden in der Schleuse 34.100 Frachter gezählt – mit lediglich 5,35 Millionen Tonnen Ladung.

Aus einer Antwort des Bundes auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke aus Sachsen-Anhalt geht hervor, dass die Elbe zwischen Geesthacht und Tschechien im vergangenen Jahr an 240 Tagen weniger als 1,40 Meter nutzbare Wassertiefe aufwies. Vertreter des Bundes und mehrerer Länder sowie von Naturschutz- und Wirtschaftsverbänden hatten sich 2017 auf ein Gesamtentwicklungskonzept für den Fluss verständigt. Dieses sieht vor, dass die Fahrrinne überwiegend 1,40 Meter tief sein soll. Talwärts könnten so zumindest unbeladene Frachter gut fahren. Die Grünen argumentieren nun, dass die Elbe als Transportweg für die Binnenschifffahrt keine Zukunft mehr habe.

Interessen müssen abgewägt werden

Die Fachleute des WSA sehen das anders. „Beim Gesamtkonzept Elbe müssen wir zwischen den verschiedenen Interessen von Wasserwirtschaft bis Naturschutz abwägen“, sagt Tilmann Treber, der Leiter des Lauenburger WSA. Die nicht ausgebaute Strecke bei Hitzacker und Dömitz ist der Schwachpunkt. Treber geht nicht davon aus, dass dort noch große Baumaßnahmen erfolgen werden. „Es gibt ja die Kanäle als Umfahrung“, sagt er. Wichtig sei aber, die Funktion der Elbe aufrechtzuerhalten. Ausbaggerungen etwa würden Sandbänke verhindern, ohne die würde der Flusslauf verlanden.

Transporte: Von Erdöl bis Nahrungsmittel

2018 wurden neben den 14.182 Frachtern auch 328 Fahrgastschiffe und 4596 Sportboote in Geesthachts Schleuse gezählt.

Die Binnenschiffe hatten unter anderem 445.435 Tonnen land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, 458.379 Tonnen Nahrungs- und Futtermittel, 2,24 Millionen Tonnen Kohle, 2,48 Millionen Tonnen Erdöl, 103.662 Tonnen Metalle, 688.202 Tonnen Baustoffe und 552.597 Tonnen chemische Erzeugnisse geladen.

Transportiert wurden außerdem 128.582 Standardcontainer (TEU). Die Zahl der TEU stieg im Vergleich zum Vorjahr um gut 5000, was als positives Zeichen für den Hinterlandverkehr aus dem Hamburger Hafen ins Binnenland auf dem Wasserweg gilt.