Geesthacht.

Zwei Stolpersteine für GeesthachtMehr als 70.000 Stolpersteine erinnern

Gedenken Nach mehr als fünf Jahren sollen die ersten beiden Messingtafeln 2019 verlegt werden

Geesthacht.  Johannes Basedau, Otto Bergner, Heinrich Brakelmann, Walter Detloff, Willy Fricke, Max Graf, Carl Grambow, Friedrich Komosz, Heinrich Krogmann, Johann Lerchl, Walter Medau, Rochus Pansa, Arthur Rose, August Schnakenbeck und Carsten Wohltmann: Diese 15 Männer lebten zur Zeit des Dritten Reiches in Geesthacht – und wurden Opfer der Nazis. Eine Gedenktafel im Ratssaal im ersten Stock des Geesthachter Rathauses erinnert seit 1985 an diese Menschen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden oder an den Folgen ihrer Inhaftierung starben.

Im kommenden Jahr sollen nun die ersten beiden Stolpersteine in Geesthacht verlegt werden und so die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen noch dichter in den Alltag der Geesthachter bringen. „Ich finde es gut, dass die Gedenktafel im Ratssaal hängt. Das ist der richtige Ort für diese Art der Erinnerungskultur, denn das Rathaus verstehe ich als Raum der Öffentlichkeit“, sagt Helmut Knust, Vorsitzender des Heimatbund und Geschichtsvereins. Im Rathaussaal, in dem sonst das höchste politische Gremium der Elbestadt tagt, hat er sich die hölzernen Namensinschriften genau angesehen. Sie sind Ausgangspunkt für den nächsten Schritt der Erinnerungskultur – Ausgangspunkt für Geesthachts erste Stolpersteine.

Vor gut fünf Jahren hatte die Ratsversammlung den Auftrag zur Verlegung von Stolpersteinen erteilt. Die meisten Opfer der NS-Gewaltherrschaft waren in Geesthacht keine Juden, sondern Kommunisten und Sozialdemokraten. Die Stadt stand als ehemalige Hochburg der KPD unter besonderer Beobachtung der Nationalsozialisten. Auch ein Euthanasie-Opfer ist Helmut Knust und Signe Schuster bekannt, die die Verlegung von Stolpersteinen in Geesthacht initiiert hat.

Vor mehr als zwei Jahren schalteten sich Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) ein. Sie erarbeiteten zu sechs der 15 auf der Gedenktafel vermerkten Namen Biografien, stellvertretend für viele weitere Geesthachter Opfer des NS-Regimes. Ein Schulprojekt, das wichtige Basisarbeit für die Stolpersteine lieferte. Denn wer eine der Messingtafeln verlegen lassen möchte, muss viel mehr als den bloßen Namen der Opfer wissen.

„Es fängt schon mit dem Wohnsitz an“, erläutert Knust. Denn Stolpersteine werden grundsätzlich am letzten selbst gewählten Wohnort des NS-Opfers verlegt, darum wird an Walter Medau auch schon per Stolperstein in Hamburg gedacht.

Neben dem Namen und dem Geburtsjahr werden häufig Deportationsjahr und Todesort in die 96 mal 96 Millimeter großen Tafeln eingraviert. Ist der letzte Wohnort nicht nachweisbar, werden wichtige biografische Stationen als Erinnerungsort gewählt und durch Zusätze wie „Hier lernte...“, „Hier lehrte...“, „Hier arbeitete...“, Hier getauft …“ oder „Hier erschossen…“ kenntlich gemacht. „Wir hatten bei der Beschaffung der Informationen viel Unterstützung von der Stadt. Es ist oft gar nicht so einfach, die Daten zu ermitteln“, betont Knust mit Verweis auf den besonderen Schutz von Personendaten.

Sind diese Informationen zusammengetragen, folgen Gespräche und Behördenkontakte. „Es sollen die Angehörigen kontaktiert werden, was ich auch gut finde. Wir wollten uns auch auf jeden Fall mit den Nachkommen abstimmen – aber das hat viel Zeit gebraucht. Jetzt sind wir soweit, dass wir zwei Zusagen haben“, berichtet Knust. Er möchte allerdings noch nicht sagen, wo und für wen die ersten Erinnerungsplaketten ins Pflaster eingelassen werden. Nur so viel: Bei der Stadtverwaltung wird jetzt ganz offiziell die Verlegung im öffentlichen Raum beantragt.

In mehr als 1200 Kommunen Deutschlands und in 23 Ländern Europas erinnern inzwischen mehr als 70.000 Stolpersteine an Opfer des NS-Terrors. Seinen ersten Stein verlegte der Künstler Gunter Demnig, der das Projekt initiierte, 1992 in Köln. Seit Januar 2015 organisiert die Stiftung „Spuren – Gunter Demnig“ die Verlegung der Gedenktafeln.

Eingelassen werden die Stolpersteine jeweils im letzten Wohnort des Menschen, an den erinnert werden soll – oftmals direkt vor dem Haus, in dem er letztmalig gemeldet war.

120 Euro fallen für die Herstellung und Verlegung jedes Stolpersteins an. Jeder kann eine Patenschaft übernehmen und so einen Erinnerungsort mit quadratischer Messingtafel finanzieren.