Interview

Bürgermeister: So bleibt Geesthacht lebenswert

Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) blickt optimistisch auf Geesthachts Entwicklung im Jahr 2019.

Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) blickt optimistisch auf Geesthachts Entwicklung im Jahr 2019.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Geesthacht. 220 Wohnungen sind 2018 in der Stadt entstanden. Bürgermeister peilt binnen zehn Jahren Wert von 35.000 Einwohnern an.

Geesthacht.  Die Kommunalwahl, große Infrastruktur- und Bauprojekte – hinter der Stadt Geesthacht liegt ein „aufregendes Jahr“, wie Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) resümiert. Wenige Tage vor Jahresende bilanziert er 2018 und nennt Ziele für 2019.

Die erste Jahreshälfte begann turbulent mit einer Kommunalwahl, die große Veränderungen brachte. Wie haben Sie den politischen Wechsel erlebt?

Olaf Schulze: Seit den Wahlen im Mai haben wir sieben Fraktionen, etwas völlig Neues für Geesthacht. Daran hängt auch Organisatorisches. Die Fraktionszimmer sind beispielsweise nicht mehr alle im Rathaus unterzubringen, einige sind nun an der Schillerstraße. Außerdem hatten wir am Tag der konstituierenden Sitzung einen Todesfall... Die politische Arbeit ist spät in Gang gekommen – einige Ausschüsse tagten erst nach den Sommerferien das erste Mal.

Dennoch galt es, große Herausforderungen zu meistern – unter anderem die Baumaßnahme an der Bundesstraße 404.

Die Bundesstraße wurde in Besenhorst drei Monate voll gesperrt. Wir haben als Verwaltung dort viel Kraft hineingesteckt. Es wurden zum Beispiel Ampelschaltungen verändert und nötige Anschlussarbeiten für die Neubauten am Hafen unter Sperrung der Steinstraße vorgezogen. Es waren viele Abstimmungen nötig, aber die Bemühungen haben sich gelohnt. Es gab keine größeren Staus.

Die Neubauten am Hafen sind nur einige von vielen Wohnungen, die 2018 entstanden sind. 2019 werden weitere folgen. Wie weit wird Geesthacht noch wachsen?

2018 zählten wir 105 Bauvoranfragen und Baugenehmigungen. 220 Wohneinheiten sind entstanden, 2017 waren es 168. Das Bauvolumen betrug 2018 24 Millionen Euro. Die Nachfrage nach Bauland ist groß, aber wir haben noch immer das Problem der fehlenden Grundstücke. Für 2019 ist zum Beispiel die Erschließung des Baugebiets Besenhorst durch einen Investor geplant. Die Hafencity wird weiter wachsen, auch wir werden unser Areal am Hafen im nächsten Jahr voranbringen. Dort sollen ja ein Seniorenheim und eine Kita untergebracht werden. Für das Baugebiet Finkenweg-Nord wollen wir 2019 den B-Plan verabschieden. Wir sind eine wachsende Stadt. In den nächsten zehn Jahren könnten wir auf 33.000 bis 35.000 Einwohner anwachsen. Eine Herausforderung wird sein, als wachsende Stadt trotzdem lebenswert zu sein.

Wie kann das aus Ihrer Sicht gelingen? Und was wurde dahingehend in Geesthacht 2018 realisiert?

Wir haben zum Beispiel in Geesthacht dieses Jahr den Kulturaufbruch gestartet. Menschen aus Hamburg und der Umgebung sind zu Events wie „Musik am Hafen“ nach Geesthacht gekommen. Außerdem wollen wir die Einkaufsstraße weiter beleben. Wir investieren in neue Kitas und unsere Schulen. Leider haben auch wir im Bereich Kita und bei der Nachmittagsbetreuung in den Schulen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen.

Wir haben dieses Jahr den neuen Kunstrasenplatz an der Berliner Straße eingeweiht. Der Kunstrasenplatz an der Westerheese ist inzwischen fertig, er wird bereits bespielt und nächstes Jahr offiziell eröffnet. Damit hat Geesthacht jetzt drei Kunstrasenplätze. Die Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums wurde bereits saniert, der naturwissenschaftliche Trakt wird 2019 folgen. Nach der Turnhalle und dem Dach der Buntenskampschule sollen dort nun die Außenanlagen angepackt werden. Wir starten nächstes Jahr mit dem Erweiterungsbau der BvS, und die Verwaltung wird immer serviceorientierter.

Was bedeutet dies für Bürger, die Anliegen im Rathaus klären wollen?

Bis 2022 sollen wir laut Onlinezugangsgesetz alle Verwaltungsdienstleistungen online anbieten. Bürger- und Wirtschaftbetriebe sollen eine moderne Verwaltung vorfinden. Eine große Herausforderung sind dabei natürlich die Fragen zum Datenschutz und zur Datensicherheit. Hierzu arbeiten wir eng mit Partnern auf Landesebene zusammen. Generell ist die Digitalisierung ein großes Thema bei der Stadt Geesthacht. Die gesamte Vorbereitung der Vorlagen für die politischen Gremien erfolgt papierlos über das Ratsinformationssystem. Zusätzlich wurden alle Politiker mit einem iPad ausgestattet. Allein dadurch sparen wir etwa 13.000 Euro Papier und Portokosten im Jahr. Darüber hinaus sind wir gerade im Prozess der Einführung der E-Akte.

Ein Thema, das viele Geesthachter 2018 beschäftigte, ist der Öffentliche Personennahverkehr – im Speziellen die Reaktivierung der Bahngleise nach Hamburg. Der Landes-Verkehrsminister hat wenig Hoffnung auf Realisierung gemacht. Stehen Sie zur Bahnanbindung?

Die fehlende Bahnanbindung ist für Geesthacht ein Standortnachteil. Wie ich vernommen habe, ist der Kreis für die Busvariante auf der Trasse. Der Minister scheint auch nicht für die Bahnanbindung zu sein. Wir müssen schauen, dass wir die eigenen Reihen in Schleswig-Holstein wieder schließen, schließlich müssen wir für die Reaktivierung möglichst mit einer Stimme auch mit Hamburg verhandeln. Zudem wäre eine Verbesserung der Busverbindung nach Aumühle sicher gut, so wie nach Mölln – die hatten wir im Zuge der Diskussion um die Schließung des BBZ-Standorts in Geesthacht gefordert. Auch die Linie 8800 ist immer voll. Beim ÖPNV ist durchaus noch Handlungsbedarf.

Geesthacht ist dieses Jahr nicht nur erneut aufgeblüht, die Stadt hat auch gesummt, es gab Musik am Hafen, ist Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Mit welchem Slogan würden Sie Geesthacht charakterisieren?

Geesthacht bietet bunte Kultur, beeindruckende Technik und echte Lebensart.