Geesthacht.

„Wir sind keine Beratungsstelle“

Freie Jugendhilfe Verein kooperiert mit Jugendamt und unterstützt Familien im Alltag

Geesthacht.  Pro Familia, Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstätten, Diakonie, Awo – im Herzogtum Lauenburg bieten viele Träger niedrigschwellige Unterstützung für Familien an. Einer, der mit seiner Arbeit selten in die Öffentlichkeit geht, aber wichtige sozialpädagogische Aufgaben übernimmt, ist die Freie Jugendhilfe (FJH). Seit 35 Jahren ist der gemeinnützige Verein Partner von Jugendämtern und Familien – in Geesthacht von den Räumen an der Lauenburger Straße 22 aus.

„Unsere Aufgabe ist es, Eltern zu stärken, Kinder und Jugendliche zu unterstützen“, fasst Geschäftsführerin Sabine Petersen-Knofe grob die Zielsetzung zusammen. Die versucht der Verein auf unterschiedlichsten Wegen zu erreichen. Grob zu unterteilen ist die Arbeit der kreisweit etwa 50 Beschäftigten in ambulante und stationäre Versorgung sowie offene Angebote und angeordnete Hilfe.

Letzteres läuft in Zusammenarbeit mit dem Kreis-Jugendamt. „Wir übernehmen für den Kreis sozialpädagogische Familienhilfe nach dem Sozialgesetzbuch“, umreißt Andreas Dreyer, die ehrenamtliche Vereinsvorsitzende, den rechtlichen Rahmen. Stellt das Jugendamt fest, dass eine Familie Unterstützung benötigt, wird mittel- bis langfristige Hilfe organisiert. Heißt konkret: Hilfsbedürftige werden ein bis zwei Jahre lang regelmäßig von FJH-Mitarbeitern besucht. „Wir sind keine Beratungsstelle, bei der man selbst entscheidet, ob man hingeht. Wir sind aufsuchend und wir bleiben über einen längeren Zeitraum, um wirkliche Veränderungen zu bewirken“, erklärt Petersen-Knofe.

50 bis 60 Prozent dieser Arbeit geschieht ambulant im Wohnraum der Familien. Wenn nicht anders möglich werden Kinder und Jugendliche zeitweise von ihren Eltern getrennt. Ab 16 Jahren ist die Unterbringung in einer der 22 Wohnungen, die die FJH im Kreis angemietet hat (drei davon in Geesthacht), möglich. „Zweimal die Woche kommen wir für etwa zwei Stunden vorbei und helfen bei allem, was das praktische Leben bietet. Das geht von der Frage, wie man mit den Nachbarn klar kommt, bis zum Abschließen von Strom- und Telefonverträgen“, beschreibt Dreyer, der für die Schützlinge der FJH einen „Wohnungsführerschein“ entwickelt hat.

Die jungen Leute lernen alles, was sie für das Leben in einer eigenen Wohnung brauchen. Im Anschluss müssen sie eine Prüfung bestehen. Das Zertifikat ist bei Vermietern gefragt „Das kommt gut an. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Vermieter uns günstigen Wohnraum für die jungen Leute anbieten würden“, appelliert Dreyer.

FJH plant neue Wohngruppe für Kinder und Jugendliche

In Einzelfällen würden unter 16-Jährige aus Familien genommen. 2019 möchte die FJH für Härtefälle eine Wohngruppe für zehn Kinder und Jugendliche in Ratzeburg eröffnen. Petersen-Knofe: „Aktuell haben wir nicht genug Plätze. Kinder müssen teils außerhalb des Kreises untergebracht werden – das ist nicht gut. Die Familie bleibt die Familie und wir möchten mit allen arbeiten, damit die Kinder wieder zurück in ihr Umfeld können.“

Neben der durchs Jugendamt angeordneten Hilfe gibt es auch offene Angebote – die zweite Säule der FJH. In Geesthacht kooperiert sie dabei beispielsweise mit dem Verein „Vergissmeinnicht“. „Wir stellen unsere Räume für eine Gruppe Kinder psychisch erkrankter Eltern zur Verfügung. Für Kinder ist es sehr schwer zu ertragen, wenn die Eltern psychische Erkrankungen haben – wir versuchen da zu helfen“, erklärt Sabine Petersen-Knofe. Weitere Ansätze: Mit dem Ratzeburger Sportverein bietet die FJH regelmäßig ein Projekt an, bei dem Flüchtlinge mit Ratzeburgern Fußball spielen. Zudem stehen Anti-Gewalt-Training, offene Mütterfrühstücke, Angebote mit Therapiehunden sowie Projekte zur Eingliederungshilfe auf dem Programm. Was allerdings alle offenen Angebote eint: Es sind freiwillige Leistungen der Jugendhilfe, die nicht durch öffentliche Gelder voll gegenfinanziert werden. Petersen-Knofe: „Wir sind auf Spenden angewiesen. Sonst können wir diese wichtige, niedrigschwellige Arbeit nicht leisten.“

Wer die Freie Jugendhilfe unterstützen möchte, kann unter info@freie-jugendhilfe.de Kontakt aufnehmen oder spenden auf das Konto IBAN: DE28 2305 2750 0000 1117 32 (Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg).