Geesthacht.

Öffnen 2019 die ersten „netten Toiletten“?

Wirtschaftsförderer Andreas Dreyer setzt auf Netzwerke, Fördertöpfe und Projekte mit Einzelhändlern

Geesthacht.  Gespräche, Recherche, Netzwerke knüpfen: Seit Sommer 2017 ist Andreas Dreyer Geesthachts Mann für Wirtschaftsförderung und Förderungsmanagement – eine Stelle, die es in der Verwaltung der Elbestadt zuvor nicht gab. Fragt sich: Was macht der ehemalige Fachdienstleiter Soziales den ganzen Tag in seinem Büro im sechsten Stock des Rathauses?

„Geesthacht muss lernen, seine Stärken herauszustellen“, sagt Dreyer, der auf seinem Posten an unterschiedlichen Stellschrauben das Auftreten der Stadt und das Leben in Geesthacht positiv beeinflussen möchte. Grundsätzlich verwendet Dreyer 70 Prozent seiner Arbeitszeit auf die Einwerbung von Fördermitteln und 30 Prozent auf die Wirtschaftsförderung.

Für jeden Geesthachter soll seine Arbeit nächstes Jahr in der Fußgängerzone sichtbar werden. Durch das Projekt „nette Toilette“ möchte er mit dem Handel die Aufenthaltsqualität steigern. „Wir wollen möglichst viele Einzelhändler gewinnen, die gegen eine Aufwandsentschädigung Besuchern ihre Toilette kostenfrei zur Verfügung stellen“, erklärt Dreyer das Prinzip, bei dessen Umsetzung er auf die gute Beziehung zum Einzelhandel setze. Denn viel Zeit habe er in den vergangenen Monaten ins Netzwerken gesteckt – und das auf mehreren Ebenen.

So habe er an Treffen von Metropolregion, Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer teilgenommen, aber auch Geesthachter Unternehmen besucht sowie die Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsbeirat, der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht sowie den Wirtschaftssenioren intensiviert und eine Gründersprechstunde eingerichtet. „Geplant ist, dass 2019 in jedem Geesthachter Gewerbegebiet ein Treffen stattfindet und wir uns mit den Unternehmern anschauen, wie man den Standort weiterentwickeln kann“, nennt Dreyer ein Projekt, von dem ein weiteres profitiert. Denn 2019 soll auch eine neue Imagebroschüre „Wirtschaftsstandort Geesthacht“ entstehen.

Beim Fördermittelmanagement gehe es vor allem darum, den „Markt“ im Blick zu behalten, erklärt Dreyer: „Ich ­schaue permanent, wo es Förderprogramme gibt und welche für Geesthacht passen könnten.“ Vor allem Bund und Land seien für die Elbestadt interessant, denn sie würden hauptsächlich Dinge der Daseinsvorsorge bezuschussen. „Die EU fördert meistens Dinge, die Innovationssprünge bedeuten. Es kommt aber ganz selten vor, dass man einen sogenannten Leuchtturm vorweisen kann und es so mit den Förderbedingungen passt“, ordnet Dreyer ein. Informationen über Fördertöpfe bekommt er unter anderem über Newsletter der „üblichen Verdächtigen“. Knifflig wird es für die Verwaltung bei kurzfristigen Geldsegen. „Einige Zusatzprogramme können wir nicht nutzen, weil innerhalb der kurzen Fristen die Entscheidungsfindung von Verwaltung und Politik nicht möglich ist“, erklärt Dreyer. Etwa zwei Millionen Euro Fördermittel habe die Stadt durch seine Unterstützung bereits einwerben können – unter anderem für das Sportlerheim Düneberg, die Sportanlage an der Westerheese und Sanitäranlagen an Schulen. Von zehn Prozent der Förderanträge, an denen er beteiligt gewesen sei, hätten Geesthachter Unternehmen profitiert.