Rückbau

Buhck: Krümmel-Schutt nicht gegen Widerstand annehmen

Die Buhck-Gruppe plant die Zukunft des AWZ: Erreicht wird es über die Zufahrt (1), daran schließen der öffentliche Recyclinghof (2) und die Bauschuttsortierung (3) an. Der erste Teil der Deponie (4) ist abgedichtet, es laufen Sandabbau und Verfüllung (5). Das Erdenwerk (6) soll bei der Erweiterung um die zehn Hektar große markierte Fläche (7) bestehen bleiben. Die Heinrich-Jebens-Siedlung (8) wäre etwa 250 Meter entfernt. Kompostierung (9) und der neu angelegte Rappenberg (10) gehören ebenfalls zum AWZ.

Die Buhck-Gruppe plant die Zukunft des AWZ: Erreicht wird es über die Zufahrt (1), daran schließen der öffentliche Recyclinghof (2) und die Bauschuttsortierung (3) an. Der erste Teil der Deponie (4) ist abgedichtet, es laufen Sandabbau und Verfüllung (5). Das Erdenwerk (6) soll bei der Erweiterung um die zehn Hektar große markierte Fläche (7) bestehen bleiben. Die Heinrich-Jebens-Siedlung (8) wäre etwa 250 Meter entfernt. Kompostierung (9) und der neu angelegte Rappenberg (10) gehören ebenfalls zum AWZ.

Foto: Timo Jann

Geesthacht/Wiershop. Die Buhck-Gruppe will den Standort Wiershop erweitern - unabhängig von den Rückbauplänen ums Kernkraftwerk Krümmel.

Geesthacht/Wiershop.  Klare Aussage der Verantwortlichen der Buhck-Gruppe: Abfall aus dem 2015 beantragten Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel (KKK) werde man im Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) in Wiershop nur annehmen, wenn darüber in der Region Konsens herrsche. Gegen Widerstand wolle man das nicht machen, betont Unternehmer Thomas Buhck.

„Unser Ziel ist es, die Diskussion über den anfallenden Schutt zu versachlichen“, sagt er. Der Energiekonzern Vattenfall rechnet in den 15 Jahren Rückbau etwa mit 540.000 Tonnen Bauschutt. Davon seien nur etwa 36.000 Tonnen für die Deponierung vorgesehen. Das wären Materialien, die sich nicht recyceln und wiederverwenden lassen – Dämmstoffe zum Beispiel.

Land spielt Ball zu Deponiebetreibern

„Der Ball wurde uns Deponiebetreibern in Schleswig-Holstein vom Land zugespielt, wir selbst sind da extrem kritisch“, so Buhck. Unter Robert Habeck als Umweltminister hatten Gespräche begonnen, in denen beraten werden sollte, wo der Abfall bleiben könnte – wohlgemerkt: normaler Bauschutt, kein radioaktiver Abfall. Buhck: „Dem Schutt haftet nur der als negativ angesehene Absender an.“ So könnte es sein, dass gebrochener Beton, der aus anderen Projekten regelmäßig in den Straßenbau geht, bei Kunden unerwünscht wäre, käme er aus Krümmel. „Wir betreiben ein AWZ, wir stehen damit für Wiederverwendung. Nur wegen des negativen Absenders werden wir nichts deponieren, was man anderweitig nutzen könnte“, sagt Buhck, der den Standort Wiershop ausbauen möchte – und zwar ausdrücklich nicht wegen des KKK-Rückbaus, wie manch einer vermutet.

Erweiterung um zehn Hektar

„Wir planen zurzeit die Zukunft des Standortes, der bis 2050 eine Betriebsgenehmigung hat“, erklärt Buhck, der das Familienunternehmen, das in Wiershop 100 Mitarbeiter beschäftigt, zusammen mit seinem Bruder Henner leitet. Jetzt soll der Betrieb um ein zehn Hektar großes Gelände, das an die bestehende Deponie angrenzt, wachsen. Zunächst könnten dort etwa zwei Millionen Kubikmeter Sand abgebaut werden, anschließend ist die Verfüllung der Grube mit verpackten Bauabfällen, darunter Dämmstoffen und Asbestplatten, geplant. „Das wäre eine Fortführung dessen, was wir heute schon machen“, sagt Lys Birgit Zorn, Geschäftsführerin bei Buhck in Wiershop. Der Sand diene beispielsweise bei Bauprojekten in Hamburg zum Bodenaustausch, die zu deponierenden Stoffe stammten aus Sanierungen und Abrissen. Zorn: „Das sind Dinge, die man nicht aufbereiten kann. In unsere Deponie kommen nur Sachen, die man nicht wiederverwenden kann.“

Planfeststellung erst 2021?

Der Verkehr soll weiter über die eigene Straße Rappenberg rollen. Das „Erdenwerk“, eine Halle zur Behandlung von nassen oder staubigen Böden, soll weiter genutzt werden. Die Halle steht in der Grube, nach deren Rückbau wäre die Deponie nach etwa 20 Jahren komplett verfüllt. „Darauf würden wir dann extensives Grünland, Knicks, Biotope sowie Wander- und Reitwege neu anlegen“, berichtet Umweltingenieur Ernst Wessels aus Lübeck. Alles geschehe in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. „Aktuell befinden wir uns vor dem offiziellen Planfeststellungsverfahren. Uns ist daran gelegen, mit den Beteiligten im Vorwege möglichst viele Fragen zu diskutieren, um zu sehen, wohin die Entwicklung gehen kann“, sagt Buhck, der mit dem Ende des Planfeststellungsverfahrens 2021 rechnet.

Sandabbau seit 1985

1985 wurde in Wiershop der Sandabbau genehmigt. Das AWZ kam dann mit Bauschutt- und Altholzaufbereitung, Sortieranlage, Kompostierung und Recyclinghof hinzu. 2017 wurden in Wiershop bereits 2650 Tonnen Kies, Beton, Fassadenplatten und Bodenaushub aus dem Überwachungsbereich des KKK angenommen – unbedenkliches Material. Radioaktivität gibt es nur im Kontrollbereich des früheren Siedewasserreaktors. Alle Bauteile, die von dort zur Beseitigung freigegeben werden, sind nach strengen Vorgaben auch auf Strahlung überprüft. Sollte es einen Konsens zur Entsorgung in der Region geben, rechnet Buhck damit, dass pro Jahr nur kleine Mengen der 36.000 Tonnen anfallen.