Hamwarde

Missklänge zum Geburtstag

100 Jahre in Hamwarde – Temperaturen setzten Orgel zu

Hamwarde.  Seit 100 Jahren singen die Gemeindemitglieder Hamwardes zur Musik der gleichen Orgel. Von den gleichen Tönen kann allerdings ausgerechnet im Jubiläumsjahr in der St.-Jacobi-Kirche nicht die Rede sein. Denn der warme Sommer und die Temperaturschwankungen der vergangenen Wochen haben dem historischen Musikinstrument reichlich zugesetzt. Damit die Orgel wieder auf allen Registern bespielbar ist, müsste der Orgelbauer ran – und dazu braucht die Kirchengemeinde Geld, das sie aus eigenen Mitteln nicht aufbringen kann.

Im Jahr 1918 wurde die Orgel durch die Dynamit AG, die seit 1866 in Krümmel ihre Sprengstofffabrik betrieb, gestiftet. Genauer gesagt: Die Dynamit AG gab 8000 Reichsmark für das Musikinstrument, die übrigen 2500 Reichsmark stotterte die Gemeinde Hamwarde in fünf Raten ab. Eingeweiht wurde die Orgel, die mit einer sogenannten Pneumatischen Traktur von den Lübecker Orgelbauern Kemper und Sohn hergestellt wurde, schließlich am Reformationstag vor 100 Jahren in St. Jacobi – und sie galt in der damaligen Zeit als kleine Sensation. Denn die meisten Orgeln funktionierten noch mit mechanischer Traktur. „Die Spieltraktur ist die Verbindung zwischen den Tasten und den Pfeifenventilen“, betont Kirchenmusiker Cornelius Schneider-Pungs und erklärt den Unterschied: Bei den mechanischen Varianten sei der Spieltisch mit seinen Tasten an die Pfeifen herangebaut worden. Durch die pneumatische Bauweise sei es erstmals möglich gewesen, die Tasten durch lange Bleirohre mit den Pfeifen zu verbinden. Durch diese Bauweise konnte der Spieltisch an einer anderen Stelle errichtet werden und musste nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Orgel stehen. „Die Ventile werden durch Luftdruck geöffnet. Die Hamwarder Orgel hat 13 Register und hat, wenn sie komplett spielbar ist, einen wunderschönen Klang“, sagt Schneider-Pungs. Er war 34 Jahre lang Kreiskantor in der niedersächsischen Gemeinde Springe und hat acht Jahre an der Musikhochschule Hannover den Studiengang Kirchenmusik geleitet. Schneider-Pungs: „Wenn die Orgel wieder überholt ist, kommt an ihren Klang so schnell nichts heran.“

Spenden für die Kirchenorgel mit dem Stichwort „Orgel“ unter IBAN: DE 93 2305 2750 0003 4001 23 bei der Kreissparkasse Ratzeburg