Zuchtstation

Der Stör soll endgültig zurück nach Geesthacht

Imposanter Anblick: Ein Taucher vermisst im Zoo von Bremerhaven einen Stör. Der Europäische Stör, der vor 100 Jahren noch massenweise in der Elbe vorkam, kann über drei Meter lang werden.

Imposanter Anblick: Ein Taucher vermisst im Zoo von Bremerhaven einen Stör. Der Europäische Stör, der vor 100 Jahren noch massenweise in der Elbe vorkam, kann über drei Meter lang werden.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Geesthacht. Der Kreis gab den Wissenschaftlern aus Berlin bereits grünes Licht – jetzt sind Geesthachts Politiker am Zug.

Geesthacht.  Seit 2016 wird darüber diskutiert, in direkter Nähe zur Fischauftreppe eine Fischaufzuchtanlage zu bauen. Jetzt steht fest: Für eine Außenstelle des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf der Geesthachter Elbinsel könnte es baurechtlich grünes Licht geben. Der Finanzausschuss soll in seiner Haushaltssitzung am Montag, 5. November, beschließen, das Grundstück an das IGB zu verpachten (Sitzungsbeginn: 9 Uhr, Ratssaal).

Stör-Experte: „Ich fühle mich wie beim Marathon“

Die Wissenschaftler wollen eine Zuchtstation mit Laichfischhaltung für den Stör errichten. Dieser primitive Knochenfisch schwamm schon im Meer um den Urkontinent, als die ersten Saurier vor gut 200 Millionen Jahren auftraten. Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Europäische Stör als beinahe ausgestorben.

In freier Natur können die größten Störe gut fünf Meter lang und bis zu 800 Kilogramm schwer werden. „Ich fühle mich wie bei einem Marathon, freue mich, jetzt endlich die erste Station, an der es Wasser und Zitrone gibt, erreicht zu haben“, sagt Dr. Jörn Geßner vom IGB. Er wartet jetzt auf die Entscheidung der Stadt. „Ich bin ganz zuversichtlich, erst dann kann ich richtig weitermachen und die nötigen Fördermittel für das Projekt organisieren“, so Geßner. Die vergangenen Monate hat er viele Diskussionen mit den Fachabteilungen des Kreises geführt. „Jetzt haben wir aber das grundsätzliche Okay, dort bauen zu dürfen.“

Der Europäische Stör (Acipenser sturio) ist eine der am stärksten gefährdeten Fischarten Europas. Die Berner Konvention hat für den Stör 2007 einen Aktionsplan für das gesamte Verbreitungsgebiet vorgelegt, den Deutschland 2010 in einen nationalen Aktionsplan umgesetzt hat. Seit 1994 versucht die Gesellschaft zur Rettung des Störs, den Wanderfisch auch wieder in der Elbe anzusiedeln. „Die Tiere müssen von klein auf ans Elbwasser gewöhnt werden“, sagt Geßner. Aktuell werden die Störe in Berlin gezüchtet und können sich erst spät an die Elbe gewöhnen.

Auf der Elbinsel am Stauwehr – unmittelbar neben der Fischaufstiegsanlage – möchte das IGB die Einrichtung bauen, die sich mit Fragen der Fließgewässerökologie und der Wiedereinbürgerung des Störs befassen soll.

Störe sollen zum Laichen an Fischtreppe gefangen werden

„Die Anlage soll als zentrale Elterntierhaltung für Mitteleuropa dienen“, schreibt Jürgen Pflantz vom Umweltamt der Stadt in der Verwaltungsvorlage. Geßner: „Vor Ort können wir sehen, welche Tiere fit sind und welche nicht.“ Die Störe sollen an der Fischtreppe gefangen und nach Ablaichen in der Station wieder in die Elbe entlassen werden.

Der Aufbau einer zentralen Laichstation gilt für den Bestandsaufbau als unverzichtbar. Die aktuellen Kapazitäten am Leibniz-Institut in Berlin sind nicht ausreichend und ein Ausbau dort nicht möglich. Die auf einen Betrieb von 15 bis 20 Jahre ausgelegte Zuchtanlage soll von drei dauerhaften und bis zu sechs saisonalen Mitarbeitern wissenschaftlich begleitet werden. Zudem dient die Station auch der Öffentlichkeitsarbeit.

Das IGB hat bereits mehr als 20.000 Europäische Störe in der Elbe ausgesetzt. „Ein halbes Jahr müssen die Störe alt sein, bevor wir sie aussetzen können“, sagt Geßner. Dann wandern die Fische in Richtung Nordsee. Nach 15 bis 20 Jahren kehren sie zurück, um erstmals zu laichen.

Für das IGB stellt die Fischtreppe die einzige Möglichkeit dar, um die rückkehrenden Fische sicher zu orten und zu fangen. Zu groß sei die Zahl der Schiffe und zu klein die der Störe, um diese in der Unterelbe auf anderem Wege zu fangen. Für die Realisierung der Anlage sind drei Flurstücke nötig, wovon eines der Stadt gehört. Die anderen Flächen gehören der Wasserstraßenverwaltung des Bundes, eine Teilfläche ist an Vattenfall verpachtet. Laut Geßner gebe es aber positive Signale zur Zusammenarbeit.